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Technik und Wissenschaft

Lula verbietet Online-Sportwetten

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat am 25. September 2026 per Eilverfügung den Betrieb und die Werbung von Online-Glücksspielen und Sportwetten im Land mit sofortiger Wirkung untersagt. Die drastische Maßnahme zielt auf die Eindämmung von Spielsucht und privater Verschuldung ab, greift kurz vor der anstehenden Präsidentschaftswahl und trifft den nationalen Fußball sowie lizenzierte Anbieter schwer.

Die radikale Kehrtwende beendet abrupt den legalen Online-Glücksspielmarkt, den die Regierung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva erst vor weniger als zwei Jahren geschaffen hatte. Das Dekret tritt sofort in Kraft, benötigt jedoch innerhalb von 120 Tagen die Zustimmung des Kongresses, um dauerhaft gültig zu bleiben.

Wir stehen vor einem Problem der öffentlichen Gesundheit im Zusammenhang mit Online-Wetten. Es ist ein ernsthaftes Problem.

Hintergrund der Eile sind alarmierende Zahlen zur privaten Verschuldung. Demnach geben brasilianische Haushalte schätzungsweise 60 Milliarden Reais, umgerechnet rund 11,57 Milliarden US-Dollar, jährlich für Online-Wetten aus. Das Institut für Gesundheitspolitik bezifferte die Kosten für das öffentliche Gesundheitssystem durch Glücksspielschäden auf rund 38,8 Milliarden Reais, was etwa 7,7 Milliarden US-Dollar entspricht.

Strenger Übergangsfahrplan und Kontensperrungen bis Oktober

Die Behörden haben einen straffen Zeitplan für die Abschaltung des Marktes festgelegt. Glücksspielplattformen dürfen ab sofort keine neuen Einzahlungen mehr annehmen. Nutzer haben bis zum 5. Oktober Zeit, verbleibende Guthaben von den Plattformen abzuheben. Ab dem 6. Oktober sperren Netzbetreiber und App-Stores den Zugriff auf die entsprechenden Webseiten.

Zwischen dem 9. und 14. Oktober müssen Banken die verbleibenden Salden anhand der übermittelten Steuerdaten an die Kontoinhaber zurückzahlen. Fälle, die über diesen regulären Bankweg nicht abgewickelt werden können, übernimmt ab dem 14. Oktober die staatliche Bank Caixa Econômica Federal. Gleichzeitig verbietet das Dekret jegliche neue Werbung für Glücksspiele; Sponsorenverträge und digitale Kampagnen müssen bis zum 5. Oktober vollständig entfernt sein.

Parallele Schuldenhilfe und heftige Kritik aus der Glücksspielbranche

Um die wirtschaftlichen Folgen für betroffene Familien abzufedern, verknüpft die Regierung das Verbot mit einem neuen Entschuldungsprogramm.

Brazil weighs online casino ban as President Lula targets betting in reelection campaign | Yogonet International
Foto: yogonet.com

Die betroffene Industrie reagiert mit scharfer Ablehnung. Der Verband der Wettbranche, vertreten durch ANJL, warnte, dass die Maßnahme mehr als 30 Millionen Spieler in die Illegalität treibe und getätigte Investitionen missachte. Das Brasilianische Institut für verantwortungsbewusstes Glücksspiel betonte, der Schritt breche mit dem erst kürzlich aufgebauten Rechtsrahmen, für den lizenzierte Unternehmen jeweils 30 Millionen Reais, rund 5,8 Millionen US-Dollar, an Lizenzgebühren gezahlt hatten. Die Nationale Vereinigung für Spiele und Lotterien kündigte umgehend juristische Schritte an.

Die Entschädigungsforderung würde nicht nur die 30 Millionen Reais umfassen, sondern auch materielle Schäden aus allen Investitionen der Industrie und moralische Schäden.

So bezeichnete der rechtsextreme Senator Flávio Bolsonaro, der älteste Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro, das Verbot als populistisch, heuchlerisch und politisch motiviert. Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der Präsident Lula in den Umfragen vor dem ersten Wahlgang am 4. Oktober in einem harten Rennen steht.

Auswirkungen auf den Profifußball und Pläne für Strafrecht

Die abrupte Anordnung trifft auch den organisierten Sport empfindlich. Da Wettanbieter zu den Hauptsponsoren zahlreicher Vereine der Série A und Série B gehören, sehen sich Clubs mit dem möglichen Bruch lukrativer Verträge konfrontiert.

Brazil
Foto: Reuters
2026 Brazil Election: Lula Pledges Major Crackdown On Online Gambling Sites
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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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