Ein 48-jähriger Mann aus El Salvador ist am Freitag, den 23. Oktober 2026, im D. Ray James ICE Processing Center im georgischen Folkston gestorben. Der Todesfall ereignete sich inmitten eines anhaltenden Hungerstreiks von Gefangenen, die gegen lange Haftzeiten protestieren, während US-Senatoren eine sofortige Untersuchung der Haftbedingungen fordern.
Todesfall im D. Ray James Center und wachsende Untersuchungsforderungen
Im größten Einwanderungsgefängnis der USA im georgischen Folkston ist am frühen Freitagmorgen ein Insasse ums Leben gekommen. Nach Angaben der Einwanderungsbehörde ICE fanden Bedienstete den 48-jährigen Luis Sandoval am 23. Oktober 2026 gegen 1:46 Uhr leblos mit einer Ligatur um den Hals auf. Das Büro des Sheriff von Charlton County leitete umgehend eine Untersuchung ein, die vom Georgia Bureau of Investigation durchgeführt wird.
Der Vorfall fällt in eine Phase massiver Spannungen an dem Standort, der von der GEO Group betrieben wird. Die georgischen US-Senatoren Raphael Warnock und Jon Ossoff wandten sich in einem Schreiben an Heimatschutzminister Markwayne Mullin sowie den Generalinspekteur des Ministeriums. Sie verlangen eine sofortige Untersuchung der Haftbedingungen, nachdem Berichte über medizinische Vernachlässigung und drastische Vergeltungsmaßnahmen gegen streikende Häftlinge bekannt wurden.
Die beiden Senatspolitiker forderten in ihrer Initiative den Generalinspekteur des Heimatschutzministeriums (DHS) auf, eine unangekündigte Inspektion der Haftanstalt vorzunehmen. Zudem verlangten sie von der Behörde Auskunft darüber, ob und wie viele der protestierenden Personen medizinisch untersucht oder außerhalb des Geländes in Krankenhäusern behandelt wurden. Neben dem Hauptkomplex in Georgia kommt es auch an anderen Standorten zu Protesten; so traten etwa im El Valle Detention Facility in Texas Inhaftierte in den Ausstand, darunter zahlreiche Frauen aus Kamerun. Kritiker aus Organisationen wie Project South, vertreten durch deren Rechts- und Interessenbekleidungsdirektorin Azadeh Shahshahani, bezeichneten den Vorfall als vermeidbare Tragödie und forderten eine unabhängige Untersuchung sowie die sofortige Schließung der Haftanstalt.
Chronologie des Hungerstreiks und Drohungen mit Zwangsernährung
Der Protest begann am 6. Oktober 2026, als Dutzende Inhaftierte einen offenen Brief verfassten, um gegen monatelange Inhaftierungen ohne Kautionsanhörungen, verdorbenes Essen und mangelhafte medizinische Versorgung zu protestieren. Die Angaben zur Teilnehmerzahl driften weit auseinander: Während die Einwanderungsbehörde ICE von lediglich 13 Beteiligten sprach, schätzten Anwälte und Angehörige die Zahl der Streikenden auf bis zu 500 ein.

Unter den Streikenden befindet sich der russische Asylbewerber Andrei Gerdiukov, der seit acht Monaten in Folkston festgehalten wird. Per Telefon aus der Haft berichtete er von rapidem Gewichtsverlust und schwindenden Kräften.
Gerdiukov und andere Aktivisten berichteten zudem, dass die Gefängnisleitung mit Zwangsernährung drohte, nachdem Häftlinge in medizinische Abteilungen verlegt worden waren. Das US-Heimatschutzministerium (DHS) wies die Vorwürfe über unzureichende Bedingungen zurück und erklärte, dass allen Insassen ausreichend Mahlzeiten, sauberes Wasser und medizinische Betreuung zustehen.
Die Frage der Zwangsernährung wird von Beobachtern und medizinischen Ethikern intensiv kontrovers bewertet, während die zuständige ICE-Behörde in juristischen Schritten argumentiert, diese Praxis sei zur Lebenserhaltung und Wahrung der Ordnung notwendig. Überdies verdeutlichen Berichte über landesweite Zahlen, dass die Behörde in den vergangenen Jahren in zahlreichen Fällen gerichtliche Erlaubnisse zur Zwangsernährung von streikenden Gefangenen erwirkt hat.

Hintergrund der Betroffenen und breiterer Protest in Atlanta
Die Schicksale der Inhaftierten verdeutlichen die juristischen Hürden vieler Asylsuchender. So reisten Gerdiukov und seine Ehefrau Polina Chertushkina sowie ein befreundetes Paar, Kseniia Volkova und Andrei Mikhailov, legal in die Vereinigten Staaten ein. Bei einer Autofahrt im Februar wurden sie in Florida von Grenzschutzbeamten gestoppt und festgenommen. Während die Frauen mit elektronischen Fußfesseln freigelassen wurden, blieben die Männer inhaftiert.
Der Protest beschränkt sich längst nicht mehr auf das Innere der Anstalt. Am 18. Oktober 2026 versammelten sich rund ein Dutzend Demonstranten vor dem Kapitol des Bundesstaates Georgia in Atlanta, um in einem eigenen 24-stündigen Solidaritätsstreik auf die Situation in Folkston aufmerksam zu machen.
In vielerlei Hinsicht ist dieser Hungerstreik ein Hungerstreik für uns alle.
Die rechtliche und gesellschaftliche Dynamik in Georgia wird dabei auch durch landesweite Rahmenbedingungen beeinflusst. Gesetze wie das im Jahr 2024 erlassene Georgia House Bill 1105 verpflichten lokale Strafverfolgungsbehörden und Haftanstalten dazu, sogenannte ICE-Detainer strikt zu befolgen und den Aufenthaltsstatus im Rahmen routinemäßiger Verkehrskontrollen zu überprüfen. Diese Vorschriften tragen maßgeblich dazu bei, dass private Betreiber wie die GEO Group enorme finanzielle Erträge aus Bundesverträgen generieren, während gleichzeitig die Zahl der Inhaftierten in den Zentren stark ansteigt.

Transparenzforderungen durch FOIA-Anträge und steigende Sterbezahlen
Um Licht in die Vorgänge zu bringen, reichten Organisationen wie American Oversight, das Amica Center for Immigrant Rights und Asian Americans Advancing Justice-Atlanta mehrere Anträge nach dem Informationsfreiheitsgesetz (FOIA) ein. Die Gruppen fordern die sofortige Offenlegung von Vorfallberichten, Überwachungsdaten zum Hungerstreik sowie jeglicher Kommunikation mit dem ICE-Büro in Atlanta.
Der Todesfall von Luis Sandoval schließt an eine drastische Zunahme von Todesfällen in US-Einwanderungshaft an. Laut offiziellen Daten der Behörde, die von Medien ausgewertet wurden, verzeichnete das Haushaltsjahr 2026 insgesamt 37 Todesfälle in ICE-Gewahrsam — ein Anstieg gegenüber den Vorjahren.
Experten wie Austin Kocher, Forschungsstipendiat an der American University und Präsident von Relevant Research, wiesen darauf hin, dass die Sterberaten im Jahresverlauf zeitweise den Höchststand seit mehr als zwei Jahrzehnten erreichten. Die anhaltenden Proteste und die juristischen Auseinandersetzungen um die Haftbedingungen in Folkston werfen somit ein Schlaglicht auf strukturelle Probleme des US-amerikanischen Einwanderungssystems, die von Bürgerrechtsorganisationen und betroffenen Familien weiterhin scharf kritisiert werden.
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