Die Lufthansa Group zieht fünf fabrikneue Boeing 787-9 Dreamliner zurück, die ab Ende 2027 für Austrian Airlines bestimmt waren, wie Die Presse am 3. November 2026 berichtete. Die Maschinen werden nun stattdessen anderweitig im Konzern eingesetzt, während die Fluggesellschaft ihre betagten Langstreckenjets länger im Dienst behalten muss.
Verlängerter Einsatz der Boeing 777 bis 2030
Durch die konzerninterne Umverteilung bleibt Austrian Airlines vorerst auf die bestehende Langstreckenflotte angewiesen, berichtet Aerotelegraph. Die Fluggesellschaft bestätigte gegenüber TIP-Online, dass die älteren Boeing 777 damit jedenfalls bis Ende 2029/Anfang 2030 betrieben
werden. Ursprünglich sollten die ab Ende 2027 erwarteten Neuzugänge die letzten Boeing 777 aus dem Liniendienst ablösen.
Bereits im Einsatz sind vier Boeing 787-9. Den Anfang der Modernisierung machten 2024 zwei sieben Jahre alte Maschinen, die zuvor bei Bamboo Airways flogen. Im Laufe des Jahres 2026 folgten zwei weitere Dreamliner aus Beständen der Lufthansa, darunter eine Maschine von Hainan Airlines, die im September nach Wien ausgeliefert wurde und sich für Wartungsarbeiten in Taiwan befindet, wie Aerotelegraph berichtet.
Hohe Standortkosten und wirtschaftliche Bedeutung
Eine vom Economica-Institut für Wirtschaftsforschung erstellte Studie unterstreicht die volkswirtschaftliche Relevanz einer Netzwerk-Fluggesellschaft und verdeutlicht, dass eine Million zusätzliche Passagiere am Flughafen Wien-Schwechat eine zusätzliche Wertschöpfung von 75 Millionen Euro sowie etwa 1.000 Arbeitsplätze in der Branche generieren. Der Wettbewerb um neue Flugzeuge innerhalb des Lufthansa-Konzerns ist groß, wobei Investitionen dorthin fließen, wo die langfristig besten Perspektiven bestehen. Als Ursache für den Verzicht auf die neuen Maschinen gelten die hohen Kosten am Luftfahrtstandort Wien, während gleichzeitig die staatlich verordneten Gebühren seit 2019 um 85 Prozent gestiegen sind. Die AUA und auch die irische Billigfluglinie Ryanair fordern deshalb bereits seit Langem eine Abschaffung oder zumindest Reduktion dieser Ticketsteuer.

Besonders schwer wiegt die österreichische Flugabgabe von zwölf Euro je abfliegendem Passagier, die dem Staat jährlich rund 170 bis 180 Millionen Euro einbringt. Die Hälfte davon entfällt auf die Passagiere der AUA.
Das aktuell vorliegende Finanzergebnis aus dem dritten Quartal zeigt: Wir sind auch unter schwierigen Bedingungen sehr leistungsfähig. Aber nach wie vor gilt: Die strukturellen Belastungen des Standorts lassen kaum eine nachhaltige Zukunftsplanung zu
Annette Mann, AUA-Chefin
Dies entspricht in etwa dem gesamten Betriebsgewinn des Jahres 2025, der bei 84 Millionen Euro lag, wie Die Presse anführt. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 sank das bereinigte operative Ergebnis (Adjusted EBIT) um 37 Prozent auf 48 Millionen Euro, während der Umsatz um 7 Prozent auf 2,07 Milliarden Euro stieg, meldet Newbusiness.

Gespräche mit der Politik und Passagierzahlen im Sommer
Trotz der finanziellen Belastungen verlief das Sommergeschäft positiv. Die Zahl der Passagiere stieg um 3 Prozent auf 4,89 Millionen, während die Auslastung um 1,4 Prozentpunkte auf 86,8 Prozent zurückging, so Leadersnet. Das operative Ergebnis im dritten Quartal kletterte um 19 Prozent auf 140 Millionen Euro.
Es ist uns gelungen, unsere internen Kosten im Griff zu behalten sowie die ursprünglich für Nahost geplanten Kapazitäten in touristische Destinationen in ganz Europa wie Nizza, Mallorca und Barcelona zu verlagern
Annette Mann, AUA-Chefin
Die Verhandlungen mit der Bundesregierung über ein Standortpaket für die Luftfahrt dauern an. Infrastrukturminister Peter Hanke kündigte bereits im September Maßnahmen an, während sieben Bundesländer die Abschaffung der Flugabgabe fordern. Leadersnet zitiert AUA-Chefin Annette Mann zu den laufenden Verhandlungen:
Die Gespräche mit der Bundesregierung sind auf einem guten Weg. Ich habe den Eindruck, dass sich alle Beteiligten der Bedeutung der Luftfahrt für den Standort Österreich bewusst sind.
Annette Mann, AUA-Chefin
Dennoch ist noch unklar, ob die politischen Entscheidungsträger den Forderungen nach einer Entlastung der Fluggesellschaften im kommenden Jahr tatsächlich zeitnah nachkommen werden.
Auch interessant