Die Lufthansa Group erhält den Zuschlag für eine Beteiligung von 44,9 Prozent an TAP Air Portugal. Die portugiesische Regierung entschied sich am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung für das 1,2 Milliarden Euro schwere Angebot der deutschen Airline und setzte sich damit gegen den Konkurrenten Air France-KLM durch.
Nach einem jahrelangen Bieterverfahren hat die portugiesische Regierung den Weg für den Einstieg der Lufthansa Group bei der nationalen Fluggesellschaft geebnet. Das deutsche Luftfahrtunternehmen setzt sich damit im Rennen um die staatliche Fluggesellschaft gegen den französisch-niederländischen Rivalen Air France-KLM durch. Ministerpräsident Luís Montenegro teilte mit, dass die Regierung den deutschen Konzern nach einer Kabinettssitzung als bevorzugten Partner ausgewählt habe. Die staatliche Abwicklungsgesellschaft Parpública hatte zuvor am 30. September die finalen Offerten entgegengenommen. Der britische British-Airways-Mutterkonzern International Airlines Group war zuvor frühzeitig aus dem Bieterprozess ausgestiegen, da andernfalls erhebliche Überschneidungen mit der spanischen Tochtergesellschaft Iberia gedroht hätten.
Finanzielle Details und Konditionen der Beteiligung
Das wirtschaftliche Angebot der Lufthansa überzeugte die Regierung in Lissabon vor allem durch seine finanzielle Verlässlichkeit. Die Transaktion für den 44,9-prozentigen Anteil beläuft sich auf 1,025 Milliarden Euro in bar. Im Gegensatz zu den Mitbewerbern bot die deutsche Airline den gesamten Kaufpreis in reinen Geldmitteln an, während Air France-KLM für einen Teil des Volumens Anteile am eigenen Konzern ins Spiel gebracht hatte.
Sollten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihr Erwerbsrecht an den reservierten Anteilen nicht nutzen, besteht für den deutschen Konzern die Option, auch diese restlichen Teile zu übernehmen. Die staatliche Mehrheit an dem Unternehmen bleibt zunächst erhalten. Infrastrukturminister Miguel Pinto Luz erklärte ergänzend, dass der portugiesische Staat nach dem Vollzug rund fünf Prozent an der Lufthansa halten solle. Carsten Spohr, der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa Group, begrüßte den Beschluss und verwies auf die langjährige Kooperation im Rahmen der Star Alliance. Carlos Oliveira, der Vorsitzende des Verwaltungsrats der portugiesischen Fluggesellschaft, sprach von einem entscheidenden Meilenstein nach einer herausfordernden Phase.
Strategische Bedeutung für den Südatlantikverkehr
Mit dem Erwerb der TAP-Anteile sichert sich die Lufthansa Group den Zugriff auf ein etabliertes Drehkreuz in Lissabon sowie eine starke Marktposition auf den Routen nach Südamerika. Vorstandschef Carsten Spohr betonte, dass der Konzern seine Position auf dem Südatlantik nachhaltig stärken und die Internationalisierung konsequent fortführen wolle. Während die Lufthansa selbst in Brasilien bislang vor allem Rio de Janeiro und São Paulo ansteuert, bedient die portugiesische Airline insgesamt 13 Ziele in dem südamerikanischen Land. Neben den Destinationen in Brasilien unterhält TAP bedeutende Verbindungen in den westafrikanischen Raum sowie nach Nordamerika, während in Europa zum Stichtag Ende Juni 52 Städte im Streckennetz verzeichnet wurden.

Geplante Flottenentwicklung und regulatorischer Zeitplan
Die Vereinbarung sieht konkrete Verpflichtungen zur Flottenerweiterung vor. Dazu gehört auch, dass nach dem Jahr 2030 acht Airbus A350-900 aus Beständen der Lufthansa an die portugiesische Gesellschaft übergehen. Die Lufthansa Technik plant zudem die Errichtung einer neuen Reparatur- und Wartungsanlage im portugiesischen Santa Maria da Feira, wodurch rund 700 neue Arbeitsplätze entstehen sollen, wobei dieses Projekt unabhängig vom Beteiligungskauf realisiert wird.
Bis zum endgültigen Vollzug der Transaktion sind noch umfangreiche rechtliche Hürden zu nehmen. Beobachter rechnen mit einer wettbewerbsrechtlichen Prüfung durch die EU-Kommission, die 18 bis 24 Monate beanspruchen kann, weshalb ein Abschluss des Geschäfts erst für das Jahr 2028 erwartet wird. Der portugiesische Staat behält bis zu einer etwaigen späteren vollständigen Privatisierung die Kontrollmehrheit, während die operative Führung zunächst in den gewohnten Strukturen verbleibt und die Systemintegration schrittweise vorbereitet wird.
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