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Lösung für Marchfelder Tiefkühlgemüse nach Ardo-Schließung gefunden

Nach monatelangen Verhandlungen ist im November 2026 eine rot-weiß-rote Lösung für das Marchfelder Tiefkühlgemüse gelungen, nachdem der belgische Konzern Ardo zuvor das Aus für sein Werk in Groß-Enzersdorf angekündigt hatte. Mehrere heimische Unternehmen springen als Verarbeiter ein, wodurch bis zu 2.000 Hektar Anbaufläche eine neue Perspektive erhalten und die regionale Versorgung gesichert wird.

Regionale Partner retten Anbauflächen im Marchfeld

Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) übernimmt eine zentrale Rolle in der neuen Struktur. Durch neue Partner aus Österreich können künftig schätzungsweise bis zu 2.000 Hektar Land mit Erdäpfeln, Sojabohnen, Edamame, Kräutern wie Koriander, Dill und Petersilie sowie Blatt- und Wurzelgemüse bestellt werden. Zudem prüft die ETG den zusätzlichen Aufbau einer eigenen Blattgemüse- und Innovationen-Verarbeitungslinie. Neben dem ETG-Vorstandsmitglied Johann Lugmayr und ETG-Geschäftsführer Norbert Friedrich sind auch ETG-Obmann Robert Kriegl sowie Georg Maier als Bezirksbauernkammerobmann von Gänserndorf an den Entwicklungen beteiligt. Auch Johann Blatt von der Tiefkühlgemüse Marchfeld (TGM) begrüßt die getroffene Einigung.

Als Abnehmer und Verarbeiter wurden in den letzten Wochen mehrere heimische Betriebe gewonnen, darunter das Produktionsunternehmen Waldland. Auch Schneiders Gemüseland aus Groß-Enzersdorf mit Thomas Schneider, Josef Schneider und Barbara Kargl weitet seine Verarbeitungskapazitäten deutlich aus, berichtet Kurier. Der slowakische Tiefkühlgemüseproduzent Equus mit Vorstandsmitglied Tomas Jamriska wurde als alternative Option betrachtet. Dieser liegt im Süden der Slowakei in Vinica rund 200 Kilometer entfernt und wird von der ETG auf seine Eignung geprüft. Zusätzliche Aussagen und Einschätzungen zum Schutz der regionalen Landwirtschaft und den getroffenen Schritten kamen unter anderem von der regionalen ÖVP-Nationalratsabgeordneten Angela Baumgartner aus dem Bezirk Gänserndorf sowie von FPÖ-Nationalrat Peter Schmiedlechner.

Lösung für Marchfelder Tiefkühlgemüse nach Ardo-Schließung gefunden
Foto: Der Standard

Politiker loben Einigung als Erfolg für Niederösterreich

Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf und der designierte Landwirtschaftskammer-Präsident Lorenz Mayr betonten den Wert der regionalen Kooperation. Unterm Strich könne damit am Ende sogar mehr Gemüse im Marchfeld angebaut werden als vorher. An den Gesprächen und Verhandlungen über Wochen und Monate waren neben der Politik auch zahlreiche weitere Beteiligte beteiligt.

Das Ziel lautet: Möglichst viel Gemüseproduktion im Marchfeld sichern und möglichst viel heimische Gemüseprodukte im Handel sichern. Für die Versorgungssicherheit der Österreicherinnen und Österreicher und für die Produktion am Standort Niederösterreich

Stephan Pernkopf und Lorenz Mayr

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner äußerten sich ebenfalls erfreut über die Einigung. Diese gibt den landwirtschaftlichen Betrieben Planungssicherheit und gesicherte Absatzwege. Rückfragen zu den Schritten beantworteten zudem Pressesprecher Jürgen Maier-Neuhold für Landesrat Pernkopf sowie Pressesprecherin Christina Spangl für die Landwirtschaftskammer Niederösterreich.

Lösung für Marchfelder Tiefkühlgemüse nach Ardo-Schließung gefunden
Foto: Landwirtschaftskammer NÖ

Hintergründe zur Ardo-Schließung und neue Gespräche

Die belgische Ardo-Gruppe hatte im September des vergangenen Jahres mitgeteilt, ihre Produktionsstätte in Groß-Enzersdorf per Ende August 2027 aufzugeben. Ardo Austria erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 einen Gewinn von 1,9 Millionen Euro. In den Jahren davor lag der Gewinn jeweils bei rund einer Million Euro. Begründet wurde der Schritt jedoch mit anfallenden Modernisierungskosten von über 100 Millionen Euro sowie günstigeren Produktionsbedingungen anderswo. Zuvor hatte der Konzern öffentliche Förderungen erhalten, darunter 777.668 Euro an Energiekostenzuschuss in drei Tranchen im Jahr 2023 sowie zwischen 2023 und 2025 ein bis zwei Millionen Euro aus der Energieabgabenvergütung laut EU-Beihilfetransparenzdaten. An dem Standort im Bezirk Gänserndorf, der unter anderem für iglo sowie die Tiefkühleigenmarken von Billa, Hofer und Spar produziert, waren zuletzt 190 Beschäftigte festangestellt, hinzu kamen 50 Leiharbeitskräfte. Ardo verarbeitete 2025 in Niederösterreich eigenen Angaben zufolge die Erzeugnisse von rund 270 Bauern, während die ETG 500 Mitgliedsbetriebe zählt.

Die für Freitag geplante Verhandlungsrunde in Sachen Sozialplan fand indes nicht statt. Sie wurde auf Donnerstag verschoben. PRO-GE-Landesgeschäftsführer Patrick Slacik stellte auch das Anrufen der Schlichtungsstelle beim Arbeits- und Sozialgericht in Korneuburg in den Raum. Ein Sprecher von Ardo Austria Frost teilte mit, dass das Unternehmen an der Unterstützung der Mitarbeiter durch einen Sozialplan festhalte. Die Arbeitnehmervertreter wurden zu neuen Verhandlungen eingeladen, um so rasch wie möglich Klarheit zu schaffen. Unterdessen kritisierte der Vorsitzende des Arbeiterbetriebsrates von Ardo, Dietmar Breiner, dass genannte Sozialplansummen nicht mit dem Betriebsrat verhandelt oder von diesem unterschrieben worden seien und warnte vor einer Spaltung der Belegschaft. Sprechen werden dabei unter anderem die Bundesvorsitzenden Reinhold Binder (PRO-GE) und Barbara Teiber (GPA) sowie Markus Wieser als Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich und Vorsitzender des ÖGB NÖ.

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Foto: Kurier
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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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