Florian Lipowitz belegt am ersten Ruhetag der Tour de France 2026 den siebten Platz in der Gesamtwertung, mit einem Rückstand von vier Minuten auf Tadej Pogacar. Trotz einer starken Position kämpft sein Team Red Bull-Bora-hansgrohe mit einer unklaren Rollenverteilung zwischen Lipowitz und Co-Kapitän Remco Evenepoel sowie einem schwachen Helfer-System.
Die isolierte Doppelspitze im Zentralmassiv
Die neunte Etappe der Tour de France offenbarte strategische Lücken im Kader von Red Bull-Bora-hansgrohe. Während Konkurrenten wie Tadej Pogacar von fünf UAE-Domestiken und Jonas Vingegaard von drei Visma-Kollegen unterstützt wurden, waren Florian Lipowitz und Remco Evenepoel über weite Strecken auf sich allein gestellt, berichtet radsport-news.com.

Das Team versagte bei der Absicherung seiner Kapitäne. Nico Denz, Jan Tratnik, Jai Hindley und Mattia Cattaneo erreichten das Ziel in Ussel mit einem Rückstand von mehr als 17 Minuten. Tim van Dijke und Maxim Van Gils verloren sogar fast 27 Minuten. Die Folge war ein improvisierter Logistikbetrieb auf der Straße: Lipowitz musste persönlich zum Teamwagen zurückkehren, um Wasserflaschen für sich und Evenepoel zu holen.
Florian Lipowitz sagte dazu: „Wenn die Flaschen leer sind, muss eben jemand nach hinten.
Teamchef Ralph Denk bezeichnete die Situation als „doof ausgeschaut“ und forderte die Fahrer und die sportliche Leitung auf, die Fehler am Ruhetag aufzuarbeiten, wie sport1.de berichtet.
Interne Spannungen und die Kritik von Remco Evenepoel
Hinter der diplomatischen Fassade gibt es Risse. Nach der sechsten Etappe in den Pyrenäen kam es zu einem offenen Konflikt zwischen Evenepoel und Lipowitz. Der Belgier kritisierte öffentlich die mangelnde Unterstützung seines deutschen Teamkollegen, insbesondere während der Verfolgungsjagd nach der Abfahrt vom Tourmalet. Evenepoel hatte Lipowitz um Führungsarbeit gebeten, was dieser jedoch nicht in dem gewünschten Maße leistete.
Remco Evenepoel erklärte: „Ich habe um einen Kilometer Führungsarbeit gebeten, aber das ging nicht. Das hat mich geärgert, und das ist etwas, das wir heute Abend gründlich besprechen müssen.
Die Wogen glätteten sich laut nordkurier.de vor dem Start der siebten Etappe. Teamchef Ralph Denk und Sportchef Zak Dempster versuchten, den Vorfall zu relativieren.
Podest-Chancen und die strategische Gefahr
Trotz der internen Turbulenzen ist Lipowitz sportlich im Plan. Mit 33 Sekunden Rückstand auf den dritten Platz (Isaac del Toro) bleibt ein Podium theoretisch erreichbar. Lipowitz selbst zeigt sich optimistisch und blickt auf die kommenden schweren Etappen, bei denen er seine Stärken im Hochgebirge ausspielen will.
| Fahrer | Platz | Rückstand auf Pogacar |
|---|---|---|
| Tadej Pogacar | 1 | – |
| Jonas Vingegaard | 2 | 1:18 Min |
| Isaac del Toro | 3 | ~ 3:27 Min |
| Remco Evenepoel | 4 | 3:30 Min |
| Florian Lipowitz | 7 | 4:00 Min |
Die Gefahr der Doppelspitze liegt laut faz.net darin, dass nur ein Fahrer den Gesamtsieg einfahren kann. Die ungeklärte Hierarchie könnte in der zweiten und dritten Woche zu weiteren Konflikten führen, insbesondere wenn Lipowitz in den Alpen stärker auftritt als Evenepoel.
Die Fehlbesetzung des Helfer-Kaders
Ein zentrales Problem ist die Zusammensetzung des Teams. Die deutsche Tour-Legende Jens Voigt kritisierte in einem Interview mit sport1.de, dass die Rollenverteilung nicht präzise geklärt sei und die Helfer-Auswahl falsch zusammengestellt wirke.
Besonders kritisch wird die Form von Jai Hindley gesehen. Obwohl er als wichtigster Berghelfer mitgenommen wurde, scheint ihm sein dritter Platz beim Giro d’Italia noch in den Knochen zu stecken. Dass er und Jan Tratnik mit 17 Minuten Rückstand ins Ziel kamen, unterstreicht die Isolation der Kapitäne.
Lipowitz versuchte, die Stimmung öffentlich zu retten und betonte gegenüber der ARD, dass das Team die ganze Woche einen super Job gemacht habe. Dennoch bleibt die Frage, wie ein Team, das um Podiumsplätze kämpft, es zulassen kann, dass seine Stars in entscheidenden Phasen ohne Unterstützung pedalieren.
Die entscheidenden Etappen bis Le Markstein
Für Lipowitz beginnt nun die Phase, in der er die Konkurrenz unter Druck setzen kann. Laut sportbild.bild.de erwartet er gegen Ende der Woche bei der Fahrt Richtung Le Markstein eine starke Selektion im Gesamtklassement.
Zwei besonders harte Etappen durch die Vogesen und das Juragebirge mit jeweils fast 4.000 Höhenmetern stehen bevor. Zuvor wartet bereits am Dienstag eine Kletteretappe nach Le Lioran mit sieben Bergwertungen. Lipowitz hofft, dass die zunehmende Härte der Etappen ihm einen Vorteil gegenüber Konkurrenten wie Paul Seixas, Juan Ayuso oder Isaac del Toro verschafft.
Ob die interne Harmonie zwischen dem impulsiven Evenepoel und dem eher ruhigen Lipowitz bis in die Alpen hält, bleibt die zentrale Ungewissheit für Red Bull-Bora-hansgrohe.
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