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Technik und Wissenschaft

Kontaktabbruch nach Trennung: Kritik an PAS-Konzept und Entfremdung

Bis zu 15 Prozent der Kinder brechen nach einer Trennung ihrer Eltern den Kontakt zu einem Elternteil ab, wie größere Studien zeigen.

Größere Studien zu Trennung und Scheidung belegen, dass bis zu 15 Prozent der Kinder keinen Kontakt mehr zum getrennt lebenden Elternteil haben, wie das Magazin Stern berichtet. Meist liegt dies allerdings daran, dass dieser Elternteil selbst kein Interesse am Kontakt hat. Ob die Kinder ihn gern sehen würden, bleibt oft unklar. Die Verweigerung eines Kindes wird meist erst dann bekannt, wenn der getrennt lebende Elternteil den Kontakt sucht und der Streit vor Gericht landet.

Normative Annahmen in hochstrittigen Trennungsverfahren

In hochstrittigen Trennungen wird häufig der Begriff der Eltern-Kind-Entfremdung genutzt, um eine Kontaktverweigerung zu erklären. Der Begriff transportiert normative Annahmen darüber, wer mit wem vertraut sein sollte, und ist laut Stern hochgradig problematisch. Oft war der Elternteil, zu dem der Kontakt abbricht, dem Kind ohnehin nie wirklich nahe.

Das wissenschaftlich haltlose Erbe von Richard Gardner

Zudem steht der Begriff oft mit dem Parental Alienation Syndrome (PAS) in Verbindung, das der US-amerikanische Psychiater Richard Gardner in den 1980er-Jahren prägte. Gardners Konzept ist wissenschaftlich nicht haltbar und basiert lediglich auf eigenen klinischen Beobachtungen. Unter anderem behauptete er in überzogener Weise, Mütter beschuldigten Väter häufig fälschlich des sexuellen Missbrauchs. Das PAS-Konzept wird weder von der WHO noch von großen psychologischen Fachverbänden als eigenständige Diagnose anerkannt. Fachleute plädieren daher für neutrale Begriffe wie Eltern-Kind-Kontaktprobleme oder Kontaktabbruch.

Zwei wesentliche Fehlschlüsse in der juristischen Praxis

Zum anderen ist der Schluss falsch, aus der Kontaktverweigerung drohten zwangsläufig psychische Probleme.

Voraussetzungen für gelingende Kontaktversuche

Studien zeigen hingegen, dass ein Kind, das sich gut um ein Kind kümmert, ebenso gute Chancen auf ein glückliches und erfolgreiches Leben haben kann wie ein Kind, das mit beiden Elternteilen aufwächst. Kontaktversuche müssen sorgfältig vorbereitet werden und dürfen keine Trophäe sein. Wenn Kinder ihren Willen mehrfach geäußert haben und sich nicht ernst genommen fühlen, verhärtet sich die Ablehnung meist nur.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.