Kleinwagen sind in Deutschland kaum noch als bezahlbare Einstiegsmodelle zu haben. Eine im September 2026 veröffentlichte Marktanalyse zeigt, dass ein neuer Benziner im Schnitt rund 24.100 Euro kostet – etwa 80 Prozent mehr als vor einem Jahrzehnt. Gleichzeitig sinkt das Angebot an Verbrennern auf historische Tiefststände, während Hersteller zunehmend auf größere, margenstärkere Fahrzeuge setzen.
Wer heute nach einem neuen Kleinwagen mit Verbrennungsmotor sucht, muss tief in die Tasche greifen. Wie eine aktuelle Auswertung des ADAC belegt, hat sich die Preisspirale in den vergangenen zehn Jahren drastisch nach oben gedreht. Im Durchschnitt kostet ein neu zugelassener Kleinwagen mit Benzinmotor heute rund 24.100 Euro beziehungsweise knapp 24.117 Euro, was einem Preissprung von fast 80 Prozent im Vergleich zum Jahr 2013 entspricht. Noch drastischer fällt die Entwicklung bei einzelnen Volumenmodellen aus: Der Basispreis eines Opel Corsa kletterte im selben Zeitraum von 11.980 Euro auf 22.890 Euro, was einer Verteuerung von rund 95 Prozent entspricht.
Schrumpfendes Verbrenner-Angebot und historische Tiefststände bei Modellen
Nicht nur die Preise, auch die Auswahl schrumpft spürbar. Im Segment der Verbrenner ist das Modellangebot auf einen neuen Tiefstand von nur noch 46 Baureihen gesunken. Klassische Dieselmotoren werden in dieser Fahrzeugklasse überhaupt nicht mehr angeboten. Zwar gab es im vergangenen Jahr über alle Antriebe hinweg kurzzeitig wieder eine größere Vielfalt mit mehr als 80 Modellen – ein Niveau, das zuletzt 2017 erreicht wurde –, doch der Preissprung bleibt enorm. Über alle Antriebsarten hinweg lag der Durchschnittspreis eines Kleinwagens im Jahr 2026 bei rund 26.600 Euro, was einem Anstieg von mehr als 10.000 Euro gegenüber 2017 entspricht, als der Schnitt noch bei 14.630 Euro lag.
Die Gründe für diese Entwicklung gehen nach Einschätzung der Marktexperten weit über die allgemeine Inflation hinaus. Zwar verweisen Hersteller regelmäßig auf gestiegene Kosten durch verschärfte Sicherheitsanforderungen und die Teuerungsraten der Nach-Corona-Jahre mit Lieferkettenengpässen. Doch der Automobilclub kritisiert diese Begründung als unzureichend, da die Preissteigerungen die offizielle Verbraucherpreisinflation und den Preisindex des Statistischen Bundesamtes deutlich übersteigen. Vielmehr konzentrieren sich die Konzerne gezielt auf größere und gewinnträchtigere Autos, da dort die Gewinnmargen deutlich höher ausfallen. Um bei Kleinwagen dennoch die gewünschten Erträge zu sichern, treiben die Hersteller die Preise der verbliebenen Modelle konsequent nach oben.
Elektro-Kleinwagen unter 30.000 Euro und der Druck aus Fernost
Etwas Dynamik zeigt sich hingegen im Segment der elektrischen Kleinwagen. Der Durchschnittspreis für ein E-Modell sank gegenüber dem Jahr 2024 um mehr als neun Prozent und liegt inzwischen bei rund 29.700 Euro. Der ADAC-Autokatalog listet in dieser Kategorie inzwischen fast 40 verschiedene Modelle auf. Im Zehnjahresvergleich müssen Käufer allerdings auch für einen vollelektrischen Kleinwagen rund 5.000 Euro mehr aufbringen als in der Anfangsphase, als es allerdings weniger als zehn Modelle am Markt gab.

Dass günstigere Einstiegsstromer technisch und preislich machbar sind, beweisen aktuelle Angebote am Markt. So bietet Dacia den Spring ab 16.900 Euro an, den Leapmotor T03 gibt es ab 18.900 Euro und der Citroën ë-C3 startet bei 23.450 Euro. Zusätzlichen Druck auf die etablierten europäischen Hersteller wie Volkswagen, Renault und Stellantis könnte in den kommenden Jahren aus Asien erwachsen. Der chinesische Branchenriese BYD entwickelt derzeit auf Basis japanischer Kei-Car-Technologien eine globale Kleinwagen-Plattform, die durch hochintegrierte Komponentenarchitekturen die Produktionskosten spürbar senken soll.
Forderungen nach Komfort-Verzicht und bezahlbarer Mobilität
Angesichts der finanziellen Belastungen der Verbraucher in den vergangenen Jahren sieht der Automobilclub akuten Handlungsbedarf bei den Herstellern. Kritisiert wird vor allem, dass Kleinwagen zunehmend serienmäßig mit aufwendigen Komfort- und Unterhaltungsfunktionen vollgestopft werden, die ein preisbewusstes Publikum weder fordert noch bezahlen möchte. Hier existiert nach Club-Ansicht ein erhebliches Einsparpotenzial. Statt immer höhere Basisausstattungen als Preistreiber anzuführen, sollte die Industrie einfache und kreative Lösungen für eine moderne Einstiegsmobilität anbieten.

Als konkrete Alternativen nennen die Analysten den Verzicht auf komplexe Infotainmentsysteme zugunsten einer unkomplizierten Smartphone-Anbindung, den Griff zur manuellen Klimaanlage anstelle vollautomatischer Systeme sowie den Einsatz kleinerer, kostengünstigerer Batterien, die für den reinen Stadtbetrieb völlig ausreichen. Ob sich die Automobilindustrie von diesen Appellen beeindrucken lässt, bleibt allerdings fraglich. Solange das bisherige Angebot auf den für die Unternehmen profitabelsten Wegen mit der kaufkräftigen Nachfrage harmoniert, sehen sich die Konzerne in ihrer Strategie bestätigt.