Die Vorstellung ist für Eltern kaum zu ertragen: Zellen, die bereits vor der Geburt eines Kindes den Keim für eine Leukämie in sich tragen. Diese präleukämischen Zellen bleiben oft über Jahre hinweg unsichtbar, da das Immunsystem sie schlicht nicht erkennt. Erst spätere genetische Veränderungen lösen den eigentlichen Ausbruch der Krebserkrankung aus. Doch genau in dieser Zeitspanne, diesem stillen Fenster zwischen der Entstehung der Vorstufe und der eigentlichen Krankheit, liegt heute die größte Hoffnung der Forschung.
Das Zeitfenster der Prävention nutzen
Mediziner am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) arbeiten intensiv daran, dieses Zeitfenster für präventive Maßnahmen und gezielte Frühinterventionen nutzbar zu machen. Bisher fehlen jedoch die technologischen Werkzeuge, um eine risikoadaptierte Früherkennung im klinischen Alltag flächendeckend umzusetzen. Die Forschung hinkt der biologischen Realität hinterher, doch es gibt konkrete Ansätze, um diese Lücke zu schließen.
Dr. Ute Fischer leitet in diesem Zusammenhang das internationale Forschungsnetzwerk EDI-4-ALL. Das Projekt konzentriert sich auf die Akute Lymphatische Leukämie (ALL), die häufigste Krebserkrankung im Kindesalter. Das Team entwickelt neue Analysemethoden, die eine Früherkennung ermöglichen sollen, bevor die Krankheit voll ausbricht. Ein solcher Durchbruch könnte die Behandlung grundlegend verändern, da man nicht mehr nur auf die Reaktion nach der Diagnose setzt, sondern aktiv interveniert.
Was Eltern heute schon tun können
Während die High-Tech-Diagnostik noch in der Entwicklung steckt, gibt es bereits fundierte Erkenntnisse über die Reduzierung von Risiken. Die Wissenschaft zeigt auf, dass einfache, natürliche Faktoren das Immunsystem stärken und so möglicherweise vor einer Leukämie schützen können. Das Stillen spielt hierbei eine wesentliche Rolle. Auch Infektionen im frühen Kindesalter, die das Immunsystem „trainieren“, scheinen einen schützenden Effekt zu haben.
Diese Erkenntnisse stehen im Zentrum des kommenden Patientenkongresses „Krebs im Kindesalter: Schutz, Behandlung, Nachsorge“. Prof. Dr. Arndt Borkhardt, Direktor der Klinik, und die Forschungsreferentin Dr. Melina Mescher möchten werdenden Eltern und betroffenen Familien praxisnahe Informationen liefern. Es geht nicht nur um die Theorie, sondern um konkrete Möglichkeiten der Prävention, die bereits vor der Geburt ansetzen.
Ein Zentrum mit spezialisierter Expertise
Das UKD ist nicht nur das größte Krankenhaus Düsseldorfs, sondern ein zentraler Pfeiler der medizinischen Versorgung in Nordrhein-Westfalen. Mit rund 9.300 Mitarbeitern betreut das Haus jährlich über 45.000 stationäre Patienten. Die Klinik für Kinder-Onkologie, -Hämatologie und klinische Immunologie ist seit dem 24. März 2018 offiziell als „Kinderonkologisches Zentrum“ durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert.
Das Spektrum der Behandlungen ist breit gefächert. Die Spezialisten behandeln alle Erkrankungen des blutbildenden Systems, von Anämien und Leukämien bis hin zu Gerinnungsstörungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der pädiatrischen Stammzelltherapie sowie der Behandlung von angeborenen oder erworbenen Immundefekten. Diese interdisziplinäre Herangehensweise, oft in Kooperation mit der Gesellschaft für pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH), sichert eine moderne Versorgung für Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche.
Teilnahme und Unterstützung
Die Teilnahme an der Veranstaltung am 20. Mai ist kostenlos. Interessierte müssen sich jedoch formlos über den Link ukd.congress-registration.com anmelden. Um die Hürden für betroffene Familien so niedrig wie möglich zu halten, bietet das UKD vor Ort eine Kinderbetreuung an. Die Deutsche Krebshilfe fördert den Kongress finanziell. Zudem unterstützt der Förderverein Löwenstern, der sich speziell für krebskranke Kinder am UKD einsetzt, die Durchführung der Veranstaltung.
Kann man eine Kindersleukämie komplett verhindern?
Eine vollständige Garantie gibt es nicht. Die Forschung arbeitet jedoch an Wegen, das Risiko durch die Früherkennung von präleukämischen Zellen zu senken. Aktuelle Erkenntnisse legen nahe, dass Faktoren wie das Stillen und die natürliche Stärkung des Immunsystems im frühen Kindesalter das Risiko reduzieren können.
Wann und wo findet die Informationsveranstaltung statt?
Der Kongress findet am Mittwoch, den 20. Mai 2026, von 14:00 bis 17:45 Uhr im Haus der Universität am Schadowplatz in Düsseldorf statt. Eine Anmeldung ist über ukd.congress-registration.com erforderlich.
Welche Bedeutung hat das Projekt EDI-4-ALL für die Zukunft?
Das Projekt EDI-4-ALL zielt darauf ab, neue Analysemethoden für die Früherkennung der Akuten Lymphatischen Leukämie (ALL) zu entwickeln. Wenn es gelingt, diese Methoden in den klinischen Alltag zu integrieren, könnten Ärzte riskierte Kinder identifizieren und präventiv handeln, bevor die Krankheit voll ausbricht.