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Welt

KI-Kameras im Schwimmbad: Männedorf setzt auf Sicherheit

Rund 250 Schwimmbecken in Deutschland nutzen derzeit Künstliche Intelligenz zur Überwachung, um Badeunfälle zu verhindern. Während Einrichtungen wie das Moselbad Koblenz bereits Warnungen via Smartwatch einsetzen, planen Städte wie Cloppenburg und Wuppertal Investitionen von bis zu 200.000 Euro, um die Sicherheit durch automatisierte Detektionssysteme zu erhöhen.

Die Farbcodes des Hallenbad Männedorf

In der Schweiz setzt das Hallenbad Männedorf bereits seit 2016 auf ein Detektionssystem der Firma Jomatec. Die Technologie nutzt Unterwasserkameras und einen KI-Erkennungsmodus, um Personen in Not zu identifizieren. Nach einem Update im Jahr 2019 sank die Zahl der Fehlalarme deutlich; laut dem Chef-Badmeister Tim Grossenbacher treten mittlerweile weniger als fünf Alarme pro Tag auf, wie 20 Minuten berichtet.

Die Farbcodes des Hallenbad Männedorf
Photo: SWR
  • Violetter Rahmen: Die KI erkennt eine ungewöhnliche Schwimmweise.
  • Oranger Rahmen: Eine Person sinkt schnell in die Tiefe.
  • Roter Rahmen: Nach zehn Sekunden wird der Zustand als lebensgefährlich eingestuft.

„Das System ist wirklich toll und erleichtert uns die Arbeit.

Tim Grossenbacher, Chef-Badmeister in Männedorf, via 20 Minuten

Trotz der technischen Unterstützung gibt es blinde Flecken. In Männedorf konnten die Kameras aus technischen Gründen nicht im Nichtschwimmerbecken installiert werden. Zudem betont die Badleitung, dass die Aufsichtspflicht primär bei den Eltern liegt, wobei Grossenbacher eine Zunahme an Unaufmerksamkeit bei den Erziehungsberechtigten in den letzten Jahren beobachtet.

Kosten und technische Umsetzung in Deutschland

In Deutschland variieren die Implementierungskosten je nach Umfang der Anlage erheblich. Das Moselbad in Koblenz investierte rund 100.000 Euro in die Installation und kalkuliert jährliche Kosten für Wartung und Software-Updates zwischen 10.000 und 12.000 Euro. Laut SWR deckt das Bad diese Ausgaben durch den Verzicht auf eine zusätzliche Badeaufsicht. Die Warnungen gelangen dabei direkt per Smartwatch an das Personal, inklusive der genauen Position des Notfalls im Becken.

Kosten und technische Umsetzung in Deutschland
Photo: Wuppertaler Rundschau

Andere Kommunen planen deutlich höhere Budgets. Die Stadt Cloppenburg hat für das Soestebad 200.000 Euro im aktuellen Haushalt eingestellt. Das geplante System soll eine Kombination aus Unterwasserkameras und Kameras an der Hallendecke sowie im Außenbereich umfassen. Ähnlich verhält es sich in Wuppertal, wo die Einführung eines Systems des israelischen Unternehmens Lynxight ebenfalls mit 200.000 Euro veranschlagt wird.

EinrichtungInvestitionskostenBesonderheit
Moselbad Koblenz100.000 €Warnung via Smartwatch
Soestebad Cloppenburg200.000 €Mix aus Ober- und Unterwasserkameras
Wuppertaler Schwimmoper200.000 € (geplant)Technologie von Lynxight

Technische Hürden und politische Widerstände

Die Implementierung von KI-Systemen stößt insbesondere in Freibädern auf physikalische Grenzen. In Kaiserslautern scheiterte die geplante Einführung im Freibad Waschmühle, da für die Überwachung des langen Beckens mindestens zehn sechs Meter hohe Masten nötig gewesen wären. Diese müssten extrem stabil sein, um windbedingte Schwankungen zu vermeiden, die zu falschen Daten führen würden. Mehrere Anbieter lehnten das Projekt deshalb ab.

Sicherheit im Schwimmbad: KI überwacht Badegäste

Neben der Technik gibt es politische Debatten über die Priorisierung von Geldern. In Wuppertal äußert die Partei Die Linke Bedenken gegen die Investition. Laut der Wuppertaler Rundschau plädierte die Fraktion dafür, die 200.000 Euro lieber in präventive Maßnahmen wie kostenlose Schwimmkurse, barrierefreie Ausstattung oder ein sozial gestaffeltes Eintrittssystem zu investieren.

Kritiker hinterfragen zudem die Datenschutzlage und die Eigentumsverhältnisse an der Technologie. Es wird gewarnt, dass geschultes Personal nicht durch KI ersetzt werden dürfe, da Fehlalarme oder nicht erkannte Notfälle gefährliche Situationen schaffen könnten.

Die Rolle der KI als Assistenzsystem

Die Befürworter der Technologie betonen, dass die KI keine eigenständige Rettungskraft ist, sondern eine Lücke in der menschlichen Wahrnehmung schließt. In Mainz berichtet das Taubertsbergbad ein Jahr nach der Einführung von einer „Riesen-Unterstützung“ für das Personal. Christian Kuhn, Sprecher der Bäderallianz Deutschland, bestätigt, dass die Systeme auch dabei helfen können, eine Überfüllung der Becken zu registrieren, was die Aufsicht dazu veranlasst, bestimmte Bereiche genauer zu beobachten.

Die Rolle der KI als Assistenzsystem
Christian Kuhn, Bäderallianz Deutschland, via SWR

Um den Datenschutz zu gewährleisten, beschränken sich die Systeme in Rheinland-Pfalz auf die Erfassung von Personen innerhalb des Wassers. Außerhalb der Becken ist eine Überwachung laut Landesdatenschutzgesetz untersagt. Zudem werden keine Klarbilder der Personen auf die Smartwatches der Aufsicht übertragen, sondern lediglich schematische Darstellungen der Notfälle.

Trotz des technologischen Fortschritts bleibt die menschliche Komponente zentral. Kuhn weist darauf hin, dass die effektivste Sicherheitsmaßnahme weiterhin die frühzeitige Ausbildung der Kinder im Schwimmen sei. Die KI fungiert somit als letzte Sicherheitsinstanz in einem System, das auf Prävention, geschultem Personal und technischer Überwachung basiert.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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