Das Bundeskartellamt hat der Übernahme von 178 Tegut-Supermärkten durch Edeka mit Auflagen zugestimmt, während 24 Standorte vorerst von dem Deal ausgeschlossen bleiben. Die Schweizer Migros trennt sich damit von dem Großteil ihrer deutschen Kette, während die Monopolkommission vor einer wachsenden Marktkonzentration der großen vier Handelsriesen warnt.
Das Bundeskartellamt genehmigt 178 Tegut-Märkte mit Auflagen
Der Edeka-Verbund darf einen Großteil der hessischen Supermarktkette Tegut übernehmen. Das Bundeskartellamt in Bonn gab grünes Licht für den Übergang von 178 Filialen. Ursprünglich hatte Edeka angestrebt, 202 der rund 300 Standorte zu kaufen. Die Wettbewerbshüter äußerten jedoch in mehreren Regionen marktstrukturelle Bedenken, weshalb das Vorhaben im Vorfeld angepasst werden musste.

Zu dem genehmigten Paket gehören neben den Supermärkten auch das Tegut-Logistikzentrum in Hünfeld-Michelsrombach, die Herzberger Bäckerei sowie 41 personallose Teo-Minimärkte. Die Schweizer Genossenschaft Migros Zürich, die Tegut seit 2013 im Portfolio hielt, setzt damit ihren im März angekündigten Rückzug aus dem deutschen Markt planmäßig um, wie die Fuldaer Zeitung berichtet. Das 1947 in Fulda gegründete Traditionsunternehmen beschäftigt nach Angaben der Migros knapp 7.500 Menschen, wobei die traditionsreiche Marke im Zuge des Verkaufs aufgegeben werden soll. Rund 160 der insgesamt etwa 300 Standorte befinden sich in Hessen, wo ein signifikanter Teil der Märkte in ländlichen Regionen mit weniger als 5.000 Einwohnern angesiedelt ist.
Vier-Jahres-Frist für 24 gesperrte Filialen und offene Standorte in Osthessen
Um eine zu hohe Marktmacht in bestimmten Regionen zu verhindern, erließ die Behörde ein zeitlich befristetes Kaufverbot. Edeka verpflichtete sich, 24 der ursprünglich vorgesehenen Standorte für einen Zeitraum von vier Jahren nicht zu erwerben.
Mehr als ein Drittel dieser gesperrten 24 Standorte befindet sich in Hessen – konkret elf an der Zahl, darunter Filialen in Hünfeld, Neuhof, Alsfeld, Schotten-Rainrod, Lichtenfels-Sachsenberg, Haina-Löhlbach und Geisa. Für den Tegut-Markt am Niedertor in Hünfeld oder die Filiale an der Hanauer Straße 1 in Neuhof bedeutet dies vorerst Ungewissheit über den künftigen Betreiber. Der Eintrag auf der Sperrliste stellt zwar keine Schließungsverfügung dar, verbietet jedoch eine Übernahme durch Edeka. Neben Edeka zeigen auch andere Marktteilnehmer Interesse: Die Smart-Store-Kette Tante Enso erhielt bereits im Juni die Freigabe für 36 Supermärkte und übernimmt 16 frühere Tegut-Filialen in Hessen, während die Lüning-Gruppe in Lichtenfels-Sachsenberg und Haina-Löhlbach eine Lösung fand.
Reaktionen der Unternehmensspitze und Sorgen der Monopolkommission
„Wir freuen uns auf die 178 Tegut-Standorte, die wir jetzt nach der Freigabe durch das Kartellamt in die EDEKA-Familie aufnehmen können. Das bedeutet für mehr als 3.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 190 Auszubildende, eine wirklich verlässliche Zukunftsperspektive, und wir stellen damit sicher, dass die Menschen in den betroffenen Regionen ihre Nahversorgung mit hochwertigen Lebensmitteln nicht verlieren“, sagt Edeka-Chef Markus Mosa.
Markus Mosa, Edeka-Chef
Gleichzeitig äußerte das Unternehmen Bedauern darüber, auf zahlreiche Standorte aufgrund des verschärften Prüfungsmaßstabs des Bundeskartellamts verzichten zu müssen, bleibt jedoch zuversichtlich, auch für die übrigen Märkte wesentliche Arbeitsplätze sichern zu können. Kritische Töne kamen derweil von der Monopolkommission.

Dies könne zu Nachteilen für Lieferanten und Verbraucher führen, weshalb die Behörden noch intensiver darauf achten müssten, dass die großen Vier die Preise nicht hochtreiben oder Innovationen verhindern. Parallel dazu läuft das Prüfungsverfahren für weitere Übernahmewünsche der Rewe-Gruppe, die bis zu 40 Filialen erwerben möchte; hierfür wurde die Prüffrist bis Ende Oktober verlängert.
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