Johnny Knoxville beendet mit dem heute, am 25. Juni 2026, erscheinenden Film „Jackass: Einer geht noch“ (Originaltitel: „Best and Last“) die Ära der Selbstverletzungs-Stunts. Der 55-jährige Knoxville zieht aufgrund gesundheitlicher Probleme und seines Alters einen Schlussstrich unter das Franchise, das seit 1996 die Popkultur mit absurden Mutproben prägte.
Das Ablaufdatum der Stuntmen
Photo: tv-media.at
Körperliche Grenzen sind in der Welt von „Jackass“ bisher immer nur als Hindernisse betrachtet worden, die es zu überwinden galt. Doch für Johnny Knoxville ist die Rechnung nun aufgegangen. Wie FM4 berichtet, begründet Knoxville das Ende der Reihe mit einer nüchternen Erkenntnis über die Biologie des Risikos.
Johnny Knoxville
Die gesundheitlichen Kosten waren in den letzten Jahren massiv. Während der Dreharbeiten zum Film „Jackass Forever“ im Jahr 2022 kollidierte Knoxville mit einem Stier. Die Folgen waren gravierend: eine schwere Gehirnerschütterung sowie eine Hirnblutung. Laut dem Kurier kann sich Knoxville eine weitere Gehirnerschütterung schlichtweg nicht mehr leisten.
In dem neuen Abschiedsfilm schlüpft er daher verstärkt in die Rolle des Beobachters. Er steuert das Geschehen und sieht lachend zu, wie seine Kollegen leiden, während er seine eigene angeschlagene Gesundheit schont.
Zwischen Archivmaterial und neuen Mutproben
Photo: Der Standard
„Jackass: Einer geht noch“ ist weniger ein klassischer Spielfilm als vielmehr eine kuratierte „Greatest-Hits“-Mischung. Die Produktion setzt auf eine Strategie der Risikominimierung: Nur eine Handvoll neuer Sketches wurde gefilmt, der Großteil besteht aus Archivaufnahmen.
Dabei werden sowohl bekannte Klassiker als auch bisher unveröffentlichtes Material präsentiert. Zu den Highlights gehören:
Der „Poo Cocktail Supreme“: Steve-O wird in einer gefüllten Dixi-Toilette festgeschnallt und mit einem Bungee-Seil durch die Fäkalien geschossen.
Robotik-Experimente: Ein humanoider Roboter namens Larry führt eine rektale Untersuchung an Steve-O durch, wobei der Greifarm durch ein Kondom geschützt ist.
Unveröffentlichte Knoxville-Stunts: Eine Szene, in der Knoxville sich mit einer kugelsicheren Weste in die Brust schießt, sowie ein Clip, in dem er in einer gepolsterten Kiste eine Treppe hinuntergeworfen wird.
Klassiker: Die Inszenierung einer Entführung von Brad Pitt und Knoxvilles Flug auf einer Rakete.
Besonders die Treppen-Szene blieb lange im Archiv, da sie laut Quellen zu leicht nachahmbar gewesen wäre. Das Finale des Films bietet einen nostalgischen Abschluss: Die Crew wirbelt in einem riesigen Einkaufswagen zur Musik von Frank Sinatra durch die Luft.
Vom Journalismus zum MTV-Phänomen
Johnny Knoxville Breaks Down Every Injury of His Career | Vanity Fair
Die Wurzeln dieses Chaos liegen weit vor der ersten Kameraaufzeichnung für das Fernsehen. Wie Der Standard rekonstruiert, begann alles Mitte der 1990er Jahre mit Philip John Clapp, dem Mann, der später als Johnny Knoxville weltberühmt wurde.
Clapp wollte ursprünglich Schauspieler werden und testete in Nebenjobs Selbstverteidigungswaffen wie Pfefferspray und Elektroschocker an sich selbst. Diese Erfahrungen hielt er im Gonzo-Stil fest, um sie an Magazine zu verkaufen. Ein Video, in dem er eine kugelsichere Weste mit einem Revolver testete, markierte den Startpunkt für das, was später zum „Jackass“-Franchise wurde.
Zusammen mit Jeff Tremaine und Spike Jonze traf Knoxville Ende der 90er den Zeitgeist zwischen Generation X und Millennials. Die Show startete 2000 auf MTV und lief bis 2002, bevor sie aus Imagegründen abgesetzt wurde, da Jugendliche die gefährlichen Stunts trotz Warnungen nachahmten. Dennoch entwickelte sich die Marke zu einem globalen Phänomen mit sechs Kinofilmen, Computerspielen und Podcasts.
Ein Finale mit Hintertür
Die Inszenierung des Films als definitives Ende ist konsequent, lässt aber Raum für Zweifel. Während der Film mit Sinatra-Hymnen ein emotionales Ende suggeriert, schließt er mit dem Song „We’ll Meet Again“. Diese Wahl lässt vermuten, dass das „Finale“ selbst ein letzter Prank sein könnte.
Die kommerzielle Komponente ist ebenfalls nicht zu übersehen. Neben der nostalgischen Verabschiedung dient der Film als letzte Chance, die Marke zu monetarisieren, während die Beteiligten ein Alter erreicht haben, in dem die physischen Risiken die Belohnungen übersteigen. Dass der Film laut tv-media.at genau heute in die Kinos kommt, markiert den offiziellen Endpunkt einer 25-jährigen Geschichte der kontrollierten Selbstzerstörung.
Ob die Crew tatsächlich in Pension geht oder ob die „Best and Last“-Formel nur eine Pause einleitet, bleibt offen. Fest steht: Die Ära, in der man für den Weltruhm in eine Dixi-Toilette geschossen wurde, erreicht mit Knoxville heute ihren logischen, schmerzhaften und absurden Höhepunkt.
Sophie Krueger leitet das Unterhaltungsressort von Germanic Nachrichten. Ihr Schwerpunkt liegt auf Film, Streaming, Popkultur und prominenten Entwicklungen mit redaktioneller Einordnung und sauberer Quellenlage.
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