Bundesaußenminister Johann Wadephul hat sich am Rande der UN-Generaldebatte in New York überraschend mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow getroffen. Das rund zwanzigminütige Gespräch war das erste bilaterale Treffen auf dieser Ebene seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Jahr 2022 und drehte sich um Getreideexporte, den Drohnenvorfall von Leipzig und die deutsche Unterstützung für die Ukraine.
Johann Wadephuls überraschendes Treffen mit Sergej Lawrow in New York
Am Rande der Vereinten Nationen in New York ist es zu einer unerwarteten diplomatischen Begegnung gekommen. Der deutsche Bundesaußenminister Johann Wadephul und der russische Außenminister Sergej Lawrow trafen am Samstagmorgen in einem Verhandlungsraum des UN-Gebäudes zusammen. Das etwa zwanzigminütige Gespräch markiert das erste direkte Treffen der Chefdiplomaten beider Länder seit Januar 2022, als die damalige Außenministerin Annalena Baerbock nach Moskau gereist war.
Die Initiative für die Zusammenkunft ging nach Angaben aus Berlin von der deutschen Seite aus, nachdem Russland über dritte Staaten Bereitschaft zu Gesprächen signalisiert hatte. Aus der deutschen Delegation verlautete, dass Wadephul von zahlreichen internationalen Kollegen darum gebeten worden war, den Kontakt zu suchen. Ich bin von zahlreichen Kollegen aus anderen Ländern angesprochen worden, und mir ist gesagt worden, Russland wäre bereit zu einem Gespräch
, erklärte der Bundesaußenminister im Interview mit den tagesthemen. Gleichzeitig spielte das Bestreben eine Rolle, Europa bei möglichen Friedensgesprächen nicht gänzlich außen vor zu lassen, nachdem der US-amerikanische Präsident Donald Trump den russischen Präsidenten Wladimir Putin zum G20-Gipfel nach Miami eingeladen hatte.
Kritik an Getreideexporten und dem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle
In der Sache blieben die Positionen der beiden Minister weit auseinander. Dennoch nutzte Wadephul die Gelegenheit, konkrete Konfliktpunkte direkt anzusprechen. Im Mittelpunkt standen dabei die globalen Getreideexporte aus der Ukraine und Russland, um drohenden Hungersnöten beispielsweise in Ägypten entgegenzuwirken. Ein weiteres Hauptthema war der versuchte Anschlag mit einer Sprengstoffdrohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle Anfang August, für den die Bundesregierung den russischen Geheimdienst GRU verantwortlich macht.
„Eine Drohne, die wirklich hätte Flugzeuge zum Absturz bringen können, ist durch russische Hände dort in den Einsatz gebracht worden.“
Johann Wadephul, Bundesaußenminister, via Tagesschau
Wadephul machte gegenüber Lawrow unmissverständlich klar, dass damit eine rote Linie überschritten worden sei. Die Bundesregierung erwarte, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederhole, und behalte sich jederzeit Gegenreaktionen vor. Das Treffen fand vor dem Hintergrund stark belasteter bilateraler Beziehungen statt; erst kurz zuvor hatte Berlin als Reaktion auf den Drohnenvorfall das russische Konsulat in Bonn geschlossen.
Sergej Lawrows Reaktionen und die Debatte um die deutsche Ukraine-Politik
Die russische Seite bewertete das Treffen im Anschluss als wenig ergebnisreich. Lawrow äußerte sich vor der UN-Vollversammlung und in Pressekonferenzen kritisch über Berlin, warf Deutschland Militarismus und Revanchismus vor und lehnte einen ständigen Sitz Deutschlands im UN-Sicherheitsrat ab. Zudem kritisierte er die deutsche Reaktion auf den Vorfall in Leipzig und die Schließung der Konsulatsstellen am Rhein.

In der deutschen Innenpolitik wurde das Treffen auch als Signal in Richtung der oppositionellen AfD wahrgenommen, die regelmäßig eine stärkere diplomatische Annäherung an Moskau einfordert. Wadephul betonte jedoch, dass die Unterstützung der Ukraine durch die Bundesregierung völlig ungebrochen bleibe und Russland von seinem Vorgehen ablassen müsse.
„Es gibt keine Rechtfertigung für diesen Krieg, der zahllose Opfer fordert, übrigens auch russische Opfer, aber vor allen Dingen bei den Zivilisten in der Ukraine.“
Johann Wadephul, Bundesaußenminister, via Tagesschau
Trotz des ausbleibenden Durchbruchs verteidigte der deutsche Außenminister den Schritt, das Gespräch gesucht zu haben. Wissen Sie, mit Freunden muss man nicht verhandeln, mit Gegnern muss man verhandeln
, sagte Wadephul in den tagesthemen. Ob es in Zukunft weitere direkte Kontakte auf dieser Ebene geben wird, hängt nach Einschätzung des Auswärtigen Amtes nun im Wesentlichen davon ab, ob Moskau zu konstruktiven Schritten bereit ist.
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