Die Produzenten Jason Blum und James Wan erklärten am 30. Mai 2026 auf der Produced By Conference, dass die Erfolgswellen der Low-Budget-Horrorfilme Obsession und Backrooms ein starkes Comeback der Kinokultur einläuten. Diese von YouTube-Schöpfern geführten Projekte brechen historische Rekorde und locken die Generation Z zurück in die Kinosäle.
Rekorde aus der YouTube-Ära: Die Zahlen von Obsession und Backrooms
Die aktuelle Dynamik am Kinokassenmarkt wird derzeit von zwei Titeln dominiert, die eine völlig neue Herkunft haben: das Internet. Laut einem Bericht von The Hollywood Reporter ist Obsession, geschrieben und inszeniert vom 26-jährigen YouTuber Curry Barker, ein finanzielles Phänomen. Mit einem Budget von nur 750.000 $ hat der Film die 100-Millionen-Dollar-Marke geknackt und ist damit der erfolgreichste nationale Release des Speziallabels Focus Features von Universal.

Die statistische Kurve von Obsession ist dabei fast beispiellos. Der Film verzeichnete in seinem dritten Wochenende einen Anstieg von 20 Prozent gegenüber der Vorwoche, nachdem er im zweiten Wochenende bereits um 30 Prozent gewachsen war. Damit ist er der erste Film außerhalb der Weihnachtszeit seit 1982, dessen Einspielergebnisse in zwei aufeinanderfolgenden Wochen nach dem Start gestiegen sind.
Parallel dazu startet Backrooms, eine Adaption der viralen YouTube-Kurzfilmserie des 20-jährigen Kane Parsons, in sein erstes Wochenende. Der mit 10 Millionen $ co-finanzierte Film von A24 und Chernin Entertainment wird mit einem potenziellen Einspielergebnis von bis zu 90 Millionen $ erwartet und könnte das größte Opening in der Geschichte von A24 markieren.
| Film | Budget | Regisseur / Alter | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Obsession | 750.000 $ | Curry Barker (26) | Über 100 Mio. $ Einspielung; Rekordtrend seit 1982 |
| Backrooms | 10 Mio. $ | Kane Parsons (20) | Potenzial von 90 Mio. $; Fokus auf liminale Räume |
Die Rückkehr der „Edgy Movies“ und das iPad-Phänomen
Jason Blum sieht in diesem Trend eine Parallele zur Ära der 1970er Jahre, als junge Filmemacher mit provokanten, unkonventionellen Stoffen in den Horrorfilm einbrachen. Er analysiert dies als direkte Reaktion auf die Mediennutzung der Generation Z. Viele junge Menschen seien in einer Zeit aufgewachsen, in der der Kinobesuch nicht selbstverständlich war oder ihnen schlichtweg die passenden Inhalte fehlten, um ihre iPads beiseitezulegen.

Seit COVID gibt es dieses lethargische Gefühl in Bezug auf das Kino, und man fragt sich, ob es überhaupt noch relevant ist und ob es überleben wird. Und was ich an Obsession und Backrooms so unglaublich finde, ist, dass sie eine neue Art von Film sind. Sie werden von nicht-traditionellen Regisseuren gemacht, Regisseuren, die ihre Fähigkeiten als Schöpfer im Internet perfektioniert haben.
Jason Blum, Produzent
Dieser neue Typus von Filmemacher bringe eine Energie zurück, die Blum als „edgy, weird and fucking nuts“ beschreibt. Es gehe nicht mehr nur um das bloße Kopieren von Formeln, sondern um eine neue Form des Storytellings, die direkt aus der digitalen Kultur kommt.
Ein neuer Blick auf Test-Screenings: YouTube gegen die Tradition
Interessant ist die unterschiedliche Herangehensweise an die Feedback-Kultur. Während traditionell ausgebildete Regisseure, etwa von der NYU, Test-Screenings oft als schmerzhafte Erfahrung empfanden – Blum verglich dies mit dem „Schlucken von Glasscherben“ –, gehen Internet-Schöpfer völlig anders damit um, wie Deadline berichtet.
Die YouTube-Generation ist es gewohnt, in Echtzeit auf Daten und Zuschauerreaktionen zu reagieren. Anstatt das Feedback zu fürchten, sitzen diese Regisseure in der ersten Reihe und filmen das Publikum, um jede Reaktion genauestens zu analysieren. Diese Obsession mit der Zuschauerresonanz sei ein entscheidender Grund, warum Filme wie Obsession so präzise die Nerven eines jungen Publikums treffen.
Blumhouse und Atomic Monster: Die Strategie hinter dem „Disney des Horrors“
Hinter diesen Erfolgen steht eine strategische Allianz. Die Fusion der Firmen Blumhouse und Atomic Monster, die vor über zwei Jahren abgeschlossen wurde, schafft eine Struktur, die als eine Art „Disney des Horrors“ fungieren soll. Blum und James Wan verfolgen dabei ein Modell von zwei Labels unter einem gemeinsamen Dach.

Die Synergie beruht auf einer klaren Arbeitsteilung: Während Wan als der kreative Kopf gilt, agiert Blum primär als der geschäftliche Kopf der Operation. Diese Kombination ermöglicht es ihnen, sowohl hochkarätige Produktionen als auch extrem risikoreiche Low-Budget-Experimente zu steuern.
Für James Wan ist das Horrorgenre weit mehr als nur eine lukrative Nische. Laut Variety sieht er das Genre als den entscheidenden Faktor für das Überleben der gesamten Branche. Wan, der seine Inspiration aus den Werken von John Carpenter und Wes Craven zieht, betont, dass Horror die Fähigkeit besitzt, Menschen physisch in die Kinos zu locken, wenn andere Genres scheitern.
Ich sage das jedem, der mir zuhört: Das Horrorgenre rettet unsere Industrie immer wieder.
James Wan, Produzent und Regisseur
Die Strategie, Talente direkt aus den sozialen Medien zu rekrutieren, wird fortgesetzt. Ein weiteres Projekt in der Pipeline ist ein Reboot des Blair Witch Project, bei dem Dylan Clark die Regie übernimmt – ein weiterer Schöpfer, der seine Karriere online begann.
Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die Grenze zwischen „Internet-Content“ und „Kino-Film“ endgültig gefallen ist. Wenn 20-jährige YouTuber in der Lage sind, die Box-Office-Historie von A24 oder Focus Features neu zu schreiben, verschiebt sich die Machtbalance in Hollywood weg von den klassischen Filmhochschulen hin zu den Plattformen, auf denen die Zielgruppe tatsächlich lebt.