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Welt

Jan Marsalek behauptet Beteiligung am Sturz von Sebastian Kurz

Der flüchtige Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek hat in einer Nachricht aus dem Oktober 2021 behauptet, am Sturz des früheren österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz beteiligt gewesen zu sein. Das geht aus Ermittlungsunterlagen hervor, die dem Axel Springer Global Reporters Network vorliegen.

In einer am 22. Oktober 2021 verschickten Nachricht erklärte der seit dem Zusammenbruch des Zahlungsdienstleisters im Juni 2020 flüchtige Jan Marsalek, dass „wir den damaligen Regierungschef „erfolgreich gestürzt hätten, berichtet BILD. Kurz hatte 13 Tage vor dieser Nachricht seinen Rücktritt angekündigt, nachdem im Oktober 2021 Durchsuchungen im Bundeskanzleramt, im Finanzministerium und in der ÖVP-Parteizentrale stattgefunden hatten. Ermittler gingen dem Verdacht nach, dass Steuergeld für politisch vorteilhafte Umfragen und Medienberichte verwendet worden war.

Verbindungen zu einem britischen Spionagenetzwerk

Marsaleks Nachricht war an Orlin Roussev gerichtet, der eine in Großbritannien im Auftrag Russlands agierende Spionagegruppe anführte. Roussev wurde später zu zehn Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Nach Erkenntnissen britischer Ermittler erhielt er Anweisungen von Marsalek, der unter dem Decknamen „Rupert Ticz kommunizierte. Bei der Festnahme der Gruppe stellte die britische Polizei Hunderttausende Nachrichten sicher, deren Inhalte teilweise an österreichische Behörden übermittelt wurden.

Jan Marsalek behauptet Beteiligung am Sturz von Sebastian Kurz
Foto: BILD

In der Konversation behauptete Marsalek, die Operation sei durch die Beschlagnahme eines Mobiltelefons eines Freundes des Politikers gelungen, welcher die geheime Wahlkampffinanzierung verwaltet habe. Zudem verwies er auf einen Artikel über Korruptionsvorwürfe und das Mobiltelefon von Thomas Schmid, einem engen Vertrauten des Kanzlers und früheren Spitzenbeamten des Finanzministeriums. Österreichische Ermittler hatten Schmids Handy allerdings bereits am 12. November 2019 und damit fast zwei Jahre vor Marsaleks Nachricht beschlagnahmt. Über die übrigen Chats erklärte Marsalek im englischen Original, dass sie den Kanzler politisch gekillt hätten.

Reaktionen von Politikern und Behörden

Aus dem Kreis des ehemaligen Regierungschefs verlautete, Sebastian Kurz habe die Anschuldigungen gegen ihn stets als politisch motiviert angesehen und sei bestürzt gewesen, als er von einer möglichen Russland-Verbindung erfuhr. Ein Sprecher des Innenministeriums in Österreich teilte mit, zu den laufenden Nachforschungen über Marsaleks Netzwerk könne keine Auskunft gegeben werden, während das Bundeskriminalamt sich zu einzelnen Personen grundsätzlich nicht äußere.

Jan Marsalek behauptet Beteiligung am Sturz von Sebastian Kurz
Foto: Heute

Der russische Geheimdienstchef Orlin Roussev, der in Großbritannien wegen Spionage inhaftiert wurde, soll laut vorliegenden Dokumenten ebenfalls behauptet haben, zu dem Sturz von Sebastian Kurz beigetragen zu haben. Der damalige Kanzler trat im selben Jahr nach Korruptionsvorwürfen zurück. Britische Abgeordnete betonen, dass diese Vorwürfe äußerst ernst genommen werden müssten, da Sicherheitsbehörden vor langjährigen Versuchen des Kremls warnen, europäische Regierungen zu destabilisieren.

Ob Jan Marsalek mit seinen Aussagen dieselbe Person oder Organisation wie zuvor meinte, bleibt in den Berichten der Ermittler offen. Gleichzeitig wird untersucht, ob inländische Spione sensible Informationen an den flüchtigen Wirecard-Manager und damit an Russland weitergegeben haben könnten. Weder das österreichische Innenministerium noch Sebastian Kurz selbst wollten zu dem Medienbericht Stellung nehmen.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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