Eine groß angelegte internationale Phase-3-Studie mit über 8.300 Patienten hat gezeigt, dass das experimentelle Herzmedikament Pelacarsen den Blutspiegel des genetisch fixierten Lipoproteins(a) zwar um 78 Prozent senkt, aber dennoch keinen messbaren Schutz vor Herzinfarkten, Schlaganfällen oder kardiovaskulären Todesfällen bietet.
Studie untersucht Pelacarsen an 797 Prüfzentren
Die von dem Schweizer Pharmakonzern Novartis gesponserte und von Ionis Pharmaceuticals mitentwickelte Lp(a)-HORIZON-Studie wurde an 797 Prüfzentren in 42 Ländern durchgeführt. Gestartet im Jahr 2019, wurden insgesamt 8.323 Erwachsene mit bereits bestehender kardiovaskulärer Erkrankung und erhöhten Lipoprotein(a)-Werten im Rahmen einer doppelt blinden, randomisierten und plazebokontrollierten Untersuchung beobachtet. Die Teilnehmer erhielten über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 4,7 Jahren entweder monatliche subkutane Injektionen von 80 Milligramm Pelacarsen oder ein Plazebo.
Novartis today announced that the phase III Lp(a)HORIZON trial of pelacarsen did not meet its primary endpoint of 4-point major adverse cardiovascular events in 8,323 patients with elevated Lp(a) and established CVD. Three things were once said to be certain in life: death,… pic.twitter.com/TYY3Re6eK5
Wie die im New England Journal of Medicine veröffentlichten Daten belegen, senkte das Antisense-Oligonukleotid den Lp(a)-Spiegel nach 12 Monaten im Median von 235,8 nmol/L auf 64,4 nmol/L, verglichen mit einer Veränderung von 233,4 nmol/L in der Plazebogruppe. Das entspricht einer Senkung um 78,4 Prozent. Dennoch traten schwerwiegende unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) bei 12,3 Prozent der Patienten unter Pelacarsen und bei 12,1 Prozent in der Plazebogruppe auf. Auch eine Einschränkung der Auswertung auf Patienten mit noch höheren Ausgangswerten von mindestens 90 mg/dL zeigte keine Differenz zwischen den Behandlungsgruppen.
Keiner der untersuchten MACE-Endpunkte zeigte einen Vorteil für Pelacarsen; so traten dreikomponentige MACE bei 10,2 Prozent der Patienten in der Behandlungsgruppe im Vergleich zu 10,1 Prozent in der Plazebogruppe auf. Die zusammengesetzte Rate inklusive des Todes durch koronare Herzkrankheit lag bei 9,4 Prozent gegenüber 9,7 Prozent.
Dr. Steven Nissen and Dr. C. Michael Gibson discuss the Lp(a) HORIZON trial and its implications for Mendelian randomization: Pelacarsen 80 mg SC monthly lowered Lp(a) but did not significantly alter 4-component MACE rates in established cardiovascular disease populations,… pic.twitter.com/MhDjh6zkW0
Dabei wurde in der Studie ein Dosierungsschema angewendet, das monatlich 80 Milligramm umfasste. In einer früheren Phase-2-Studie waren hingegen bis zu 60 Milligramm monatlich oder 20 Milligramm wöchentlich getestet worden.
Reaktionen von Kardiologen und Forschern auf das Studieneffizienz-Aus
Dr. Steven Nissen, der leitende Prüfarzt der Studie und Chefakademiker am Heart, Vascular & Thoracic Institute der Cleveland Clinic, äußerte sich bestürzt.

I was shocked.
Ich hatte große Hoffnungen auf Erfolg,
sagte Nissen über den Ausgang des Tests. Auch Dr. David Maron, ein Kardiologe an der Stanford University und Präsident der American Society of Preventive Cardiology, äußerte sich ebenfalls betroffen und sprach von einem schweren Schlag. Harlan Krumholz, ein Kardiologe an der Yale University, zeigte sich gleichermaßen enttäuscht.
Daniel Escribano, ein Allgemeinmediziner und Dyslipidämie-Spezialist bei der spanischen Gesellschaft für Familien- und Gemeinschaftsmedizin, sowie Carlos Guijarro, beratender Arzt am Universitätsklinikum Fundación Alcorcón, betonten, dass die Reduktion von Lipoprotein(a) zwar wissenschaftlich logisch erschien, der Kausalzusammenhang jedoch schwer zu beweisen ist. John Wilkins, ein Kardiologe an der Northwestern Medicine und Professor an der Feinberg School of Medicine der Northwestern University, gehört ebenfalls zu den Experten, die nun nach den Ursachen suchen.
And one more big CV study miss for #AHA26 Failure of Novartis $NVS Lp(a) drug raises questions about cardiovascular strategy https://t.co/t0YkJRg6xN via @cooney_liz @matthewherper
Folgen für die Entwicklung weiterer Lp(a)-Senker von Amgen und Eli Lilly
Das Fehlschlagen der Pelacarsen-Studie wirft laut Marktbeobachtern und Kardiologen Schatten auf konkurrierende Wirkstoffe anderer Hersteller. So testen Unternehmen wie Amgen mit dem Kandidaten Olpasiran und Eli Lilly mit Lepodisiran sowie Muvalaplin ebenfalls Substanzen zur Senkung von Lipoprotein(a). Paul Burton, Chief Medical Officer von Amgen, erklärte, dass das Unternehmen die gesammelten Daten aufmerksam verfolgen werde, während Analysten auf die noch ausstehenden Ergebnisse dieser alternativen Moleküle warten.
Angesichts der negativen Daten kündigte Novartis an, die Entwicklung von Pelacarsen für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen einzustellen, die Untersuchung des Wirkstoffs bei kalzifizierender Aortenklappenstenose jedoch fortzuführen.
Today #AHA26 and @NEJM the 2 big trials of secondary prevention of heart disease with an IL-6 antibody and Lp(a) antisense oligonucleotide. No beneficial effect, overall and across all subgroupshttps://t.co/lbsVSUEArahttps://t.co/D021HH9iij pic.twitter.com/lQWqSVWpeb
Fachexperten raten Betroffenen, sich bei Fragen zur eigenen Herzgesundheit stets an qualifizierte Ärzte oder Kardiologen zu wenden, um individuelle Risiken abzuklären.
Lp(a) HORIZON trial: Pelacarsen 80 mg SC monthly yielded similar 4-component MACE rates vs. placebo over a median follow-up of 57 months in patients with established cardiovascular disease and elevated Lp(a), showing neutral effects on cardiovascular outcomes. Download slides… pic.twitter.com/xdouJHgjDU
Verwandte Artikel