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Welt

Greenpeace fordert Baustopp für neue Rechenzentren in der Schweiz

Das globale Wettrüsten um digitale Infrastruktur hat am Freitag und Samstag, dem 6. und 7. November 2026, europaweit Proteste ausgelöst, wobei Aktivisten auch in der Schweiz vor unregulierten Grossprojekten warnten. Rund 100 zivilgesellschaftliche Gruppierungen in 15 europäischen Ländern forderten ein sofortiges Moratorium für den Bau neuer Rechenzentren.

Grossflächiger Protest in Beringen

In Beringen im Kanton Schaffhausen entrollten Aktivistinnen und Aktivisten von Greenpeace Schweiz am Freitag ein 26 mal 26 Meter grosses Transparent vor dem Rohbau des US-Unternehmens STACK Infrastructure. Die Installation zeigte Tech-Milliardäre wie Elon Musk und Jeff Bezos beim Aufsaugen von Daten, Wasser und Elektrizität. Die Demonstrierenden kritisierten den rasanten Ausbau von Mega-Datacentern, die den lokalen Ressourcenverbrauch massiv ansteigen lassen.

Mehr als 100 Menschenrechtsorganisationen und zivilgesellschaftliche Gruppen koordinierten die Aktionen an diesem Freitag und Samstag, dem sechsten und siebten November. Laut Owen Espley, Koordinator von StopDirtyDataCentres.eu, markiert dieses Ereignis die Bündelung jahrelanger regionaler Proteste europäischer Bürgerinitiativen auf dem politischen Parkett Europas. Sie forderten politische Führungspersonen auf, auf europäischer, nationaler und lokaler Ebene Moratorien für gross angelegte Rechenzentren zu verhängen, damit ihre Anliegen aufgegriffen und die Auswirkungen gründlich überprüft werden können.

In Europa formiert sich Widerstand gegen neue Rechenzentren. Am Freitag und Samstag kommt es in 16 Ländern
Foto: Watson

Der Rohbau der Firma STACK Infrastructure bedeckt eine Fläche so gross wie ein Fussballfeld und erreicht die Höhe eines achtstöckigen Hochhauses. Ein weiteres Rechenzentrum ist in der gleichen Gemeinde von dem türkischen Energiekonzern Enka geplant. In einer kürzlich eingereichten Petition an den Gemeinderat verlangten 1800 Unterzeichner nebst einem sofortigen Baustopp des Vorhabens auch den Schutz der Wasserreserven, garantierte Netzkapazitäten sowie eine gesetzliche Verpflichtung zur Nutzung von Abwärme. In seiner Stellungnahme entgegnete der Gemeinderat, dass er die Anliegen zwar ernst nehme, einem Baustopp jedoch nicht zustimmen könne. Im Baugesuch ist von einer Investition von 250 Millionen Franken die Rede. Nach der Protestaktion von Greenpeace rückte die Polizei an und führte Personenkontrollen durch. Die Grünen Schaffhausen erwägen eine Volksinitiative, und der neugegründete Verein «Datenzentren Nein Danke» spricht sich für einen sofortigen Planungs- und Baustopp aus. Greenpeace fordert eine gesamtschweizerische Planung sowie verbindliche Regeln, damit Rechenzentren dem Gemeinwohl dienen. Solange diese Voraussetzungen fehlen, verlangt die Organisation einen Planungs- und Baustopp.

Ressourcenverbrauch und politische Debatte

Zahlen des Bundesamtes für Energie (BFE) aus einem im Frühling veröffentlichten Bericht verdeutlichen die Dimensionen der Entwicklung. Für Beringen zeigen Berechnungen, dass einmal in Betrieb die beiden Datenzentren pro Jahr rund anderthalbmal so viel Strom verbrauchen wie der gesamte Kanton Schaffhausen, ergänzt durch grosse Mengen Wasser für die Kühlung, während die Nutzung der Abwärme der Abertausenden von Servern ungelöst ist und Unklarheit darüber herrscht, wer sich einmietet und welche Daten dort durchlaufen.

Greenpeace in der Schweiz: Riesentransparent prangert Big-Tech-Rechenzentren an

Die Schweizer Politik reagiert unterschiedlich auf diese Entwicklung. Grünen-Nationalrat Gerhard Andrey kann Vorbehalte zum Ressourcenverbrauch von Datenzentren nachvollziehen, findet jedoch, dass wer die Gesetze einhalte, grundsätzlich bauen dürfe, auch in Beringen. Sie kritisierte, dass für Rechenzentren bisher nichts Vergleichbares zu den verbindlichen Energieeffizienzvorschriften für Haushalte und Industrie gilt, obwohl sie zu den energieintensivsten Infrastrukturen des Landes gehören. Hinsichtlich des Vorstosses steht eine parlamentarische Entscheidung noch aus, allerdings verwies der Bundesrat bei früheren Interpellationen stets darauf, dass die Zuständigkeit bei den Kantonen liege und eine nationale Regelung nicht als zielführend erachtet werde.

Europäischer Kontext und Investitionsboom

Die Schweizer Aktionen sind Teil einer breit angelegten europäischen Kampagne unter dem Namen Stop Dirty Data Centres. Zur Begründung der Proteste erklärten die Organisatoren, dass weltweit zunehmende Sorgen über die Konsequenzen expandierender Serverfarmen existieren – insbesondere bezüglich der lokalen Infrastruktur, des Verbrauchs von Land, Wasser und Energie, der Auswirkungen auf Wohnungsmarkt, Arbeitsplätze und Lebenshaltungskosten sowie der Belastung der Anwohnerschaft.

Greenpeace demonstrierte am Freitag in Beringen im Kanton Schaffhausen
Foto: Blick

Sowohl US-amerikanische Wähler als auch zahlreiche Menschen in Europa treibt die Sorge um, dass neue Rechenzentrumsprojekte ihren Alltag durch höhere Stromkosten und eine verschärfte Konkurrenz um ohnehin knappe Wasserreserven negativ belasten. Der Boom wird durch den globalen Bedarf an künstlicher Intelligenz und Cloud-Diensten angetrieben.

Positionen der Betreiber

Die betroffenen Unternehmen betonen derweil ihre Nachhaltigkeitsanstrengungen. STACK Infrastructure verweist darauf, dass man unabhängig seit Jahren mit den Schweizer Behörden kooperiere, etwa bei einem bereits betriebenen Datenzentrum in Rafz, und dass die Bemühungen bezüglich CO2-Einsparungen anerkannt seien.

Greenpeace fordert Baustopp für neue Rechenzentren in der Schweiz
Foto: IndexBox

Ob der Bundesrat seine Haltung zur Zuständigkeit der Kantone bei der Regulierung energieintensiver Infrastrukturen im Zuge der anhaltenden Proteste überdenken wird, bleibt unklar.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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