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Technik und Wissenschaft

Isar Aerospace: Spectrum-Rakete erreicht erstmals die Erdumlaufbahn

Die vom deutschen Start-up Isar Aerospace entwickelte Spectrum-Rakete hat bei ihrem zweiten Testflug erstmals die Erdumlaufbahn erreicht. Das 28 Meter lange und zweistufige Trägerfahrzeug hob um 22.12 Uhr vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya ab, der nördlich des Polarkreises liegt. Nach Angaben des Unternehmens handelte es sich um den ersten erfolgreichen Flug einer privat entwickelten Rakete vom europäischen Kontinent in die Erdumlaufbahn.

Erfolgreicher Start von Isar Aerospace: Spectrum-Rakete erreicht Erdumlaufbahn

Nach rund zehn Minuten Flugzeit riss die Videoübertragung zum Boden ab, da die Rakete die maximale Reichweite der Verbindung überschritten hatte. An Bord befanden sich fünf wissenschaftliche Satelliten mehrerer Universitäten sowie ein wissenschaftliches beziehungsweise technologisches Experiment. Ob die Satelliten erfolgreich in der Umlaufbahn ausgesetzt wurden, war zunächst nicht unmittelbar klar. Der erste Versuch des Unternehmens vor 18 Monaten war gescheitert, als die Rakete nach kurzer Zeit ins Meer gestürzt war. Dem erfolgreichen Start waren monatelange Verzögerungen vorausgegangen, die unter anderem durch ein defektes Ventil, ein Boot eines norwegischen Fischers in der Sicherheitszone, einen leckenden Druckbehälter sowie weitere Probleme verursacht worden waren.

Strategische Bedeutung für Europa und Reduzierung der Abhängigkeit von US-Technik

Der Erfolg gilt als bedeutender Schritt für die europäische Raumfahrtindustrie, die den Anschluss an globale Wettbewerber sucht. Da Europa bislang überwiegend auf US-Technik und den Anbieter SpaceX angewiesen ist, soll die heimische Entwicklung die Abhängigkeit verringern. Laut Isar Aerospace starteten die USA im vergangenen Jahr 198 Raketen, während Europa lediglich acht verzeichnete.

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Photo: br.de

Bundeskanzler Friedrich Merz gratulierte dem in Ottobrunn bei München ansässigen Unternehmen und bezeichnete den Erfolg als den Beginn einer neuen Ära. Auch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Space lobte den Meilenstein. Die norwegische Handels- und Industrierministerin Cecilie Myrseth betonte zudem, dass die Möglichkeit, Satelliten von Andøya aus zu starten, die norwegische und europäische Sicherheit stärke. Das im Jahr 2018 gegründete Jungunternehmen hat bislang über eine halbe Milliarde Euro an Investorengeldern eingeworben und einen Vertrag über 200 Millionen Euro mit der Europäischen Weltraumbehörde ESA unterzeichnet.

Zukunftspläne, Serienproduktion und Marktausrichtung

Nach der künftigen Serienreife soll die Spectrum-Rakete zivile und militärische Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen wenige hundert Kilometer über dem Erdboden transportieren. Das Unternehmen plant die Produktion von rund 40 Raketen pro Jahr, wobei eine Fabrik bei München mehr als 30 Einheiten jährlich fertigen soll. Obwohl sich die Rakete noch nicht in der Serienproduktion befindet, ist Isar Aerospace nach eigenen Angaben bereits mit Aufträgen im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar bis zum Jahr 2028 ausgebucht. Nach Angaben des Vorstandschefs Daniel Metzler stammen mittlerweile rund 60 Prozent der Anfragen aus dem militärischen Bereich.

Isar Aerospace: Spectrum-Rakete erreicht erstmals die Erdumlaufbahn
Photo: NZZ

Grössere Höhen oder geostationäre Umlaufbahnen in rund 36.000 Kilometern Höhe wird die Spectrum-Rakete auch nach Erreichen der Serienreife nicht ansteuern können. Für solche schweren Nutzlasten ist stattdessen die französisch-deutsche ArianeGroup mit ihrer Trägerrakete Ariane 6 zuständig. Neben dem Standort in Norwegen arbeitet Isar Aerospace zudem an der Entwicklung eines zweiten Startplatzes in Kanada.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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