Das US-Repräsentantenhaus hat mit einer Mehrheit von 215 zu 208 Stimmen eine Resolution verabschiedet, die Präsident Donald Trump die Fortsetzung des Krieges gegen den Iran ohne Zustimmung des Kongresses untersagt. Die Abstimmung fordert den Abzug amerikanischer Truppen und erhöht den politischen Druck auf das Weiße Haus inmitten einer neuen militärischen Eskalation im Golf.
Die Abstimmung markiert einen ungewöhnlichen Bruch innerhalb der republikanischen Mehrheit im Kongress. Dass eine von den Demokraten eingebrachte Resolution überhaupt eine Mehrheit finden konnte, ist das Resultat einer wachsenden Unzufriedenheit über den seit Februar andauernden Konflikt. Laut einem Bericht von DIE ZEIT fordert das Papier eine formelle Kriegserklärung durch den Kongress als zwingende Voraussetzung für weitere Kampfeinsätze.
Die Meuterei der Republikaner: Vier Abweichler entscheiden die Abstimmung
Der knappe Sieg der Resolution wurde durch vier republikanische Abgeordnete ermöglicht, die die Linie ihrer Partei brachen. Es handelt sich dabei um Tom Barrett aus Michigan, Brian Fitzpatrick aus Pennsylvania, Warren Davidson aus Ohio und Thomas Massie aus Kentucky. Diese Gruppe ist jedoch kein homogener Block, sondern spiegelt die tiefen Risse innerhalb der GOP wider.
Während Zentristen wie Brian Fitzpatrick vermutlich aus elektoralem Kalkül handeln – insbesondere im Hinblick auf die anstehenden Zwischenwahlen in umkämpften Distrikten –, treiben Libertäre und Isolationisten wie Thomas Massie und Warren Davidson eine grundsätzliche Skepsis gegenüber militärischen Interventionen voran. Davidson betonte in diesem Zusammenhang, dass es die rechtmäßige Aufgabe des Kongresses sei, über Krieg und Frieden zu entscheiden.
Die politische Stimmung im Land spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Meinungsumfragen deuten darauf hin, dass sowohl der Krieg als auch die dadurch befeuerte Inflation die Popularität von Präsident Trump spürbar geschmälert haben.
Symbolik gegen Realpolitik: Die Hürden des War Powers Act
cluster (priority): DIE ZEIT
Trotz des symbolischen Gewinns für die Demokraten bleibt die tatsächliche rechtliche Wirkung der Resolution fragwürdig. Die Grundlage für die Abstimmungen ist der War Powers Act von 1973, der besagt, dass ein Präsident Kriegshandlungen nach 60 Tagen einstellen muss, sofern der Kongress keine offizielle Kriegserklärung abgegeben hat.
In der Praxis ist der Weg zur Durchsetzung dieser Resolution steinig:
Die Resolution muss auch den Senat passieren.
Um ein fast sicheres Veto von Präsident Trump zu überstimmen, wäre eine Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern des Kongresses erforderlich.
Ein Großteil der Republikaner akzeptiert weiterhin die Argumentation der Regierung, die die aktuellen Einsätze als notwendig erachtet.
Dennoch ist die Dynamik in Washington im Wandel. Während frühere Versuche, die Befugnisse des Präsidenten einzuschränken, in diesem Jahr noch blockiert wurden, stimmten die Senatoren bereits vor rund zwei Wochen für eine stärkere Kontrolle der Kriegsführung im Iran.
Eskalation im Golf: Raketenangriffe und Vergeltungsschläge
US-Repräsentantenhaus stimmt für Begrenzung von Trumps Befugnissen für Militäraktionen gegen Iran
Während im Capitol über rechtliche Befugnisse gestritten wird, hat sich die militärische Lage in der Golfregion drastisch zugespitzt. Wie 20min.ch berichtet, wies das US-Militär (Centcom) in der vergangenen Nacht einen größeren Angriff des Irans ab, bei dem mehrere ballistische Raketen und Drohnen abgefangen wurden.
Die Angriffe richteten sich primär gegen Ziele in Kuwait und Bahrain, Staaten, die strategisch wichtige US-Militärstützpunkte beherbergen. Als direkte Reaktion führten die USA Selbstverteidigungsschläge gegen eine iranische Militäreinrichtung auf der Insel Qeschm in der Straße von Hormus durch. Zudem wurden drei iranische Drohnen abgeschossen, die auf zivile Schiffe in der Region abgefeuert worden waren.
Der Auslöser für diesen Schlagabtausch scheint ein US-Einsatz vom Dienstag gewesen zu sein. Das US-Militär griff einen unbeladenen Öltanker mit einer Rakete an, der versucht hatte, einen iranischen Hafen nahe der für den Ölexport kritischen Insel Kharg anzulaufen.
Dass jede Aggression eine andere und entschiedenere Reaktion nach sich ziehen würde, und wir haben diese auch umgesetzt. Diese Reaktionen sollten eine Lehre sein.
Ein iranischer Militärsprecher, via 20min.ch
Dieser Kreislauf aus Angriff und Vergeltung untergräbt die aktuelle Waffenruhe und gefährdet die Stabilität der Straße von Hormus, einer der weltweit wichtigsten Handelsrouten.
Diplomatischer Optimismus versus politische Isolation
cluster (priority): news.google.com
Die Diskrepanz zwischen der militärischen Realität und der politischen Rhetorik im Weißen Haus ist eklatant. Unmittelbar vor der Sitzung des Repräsentantenhauses zeigte sich Präsident Trump optimistisch und erklärte, dass die Verhandlungen mit dem Iran sehr gut liefen.
Doch die Abstimmung im Repräsentantenhaus sendet ein Signal, das über die rein rechtliche Ebene hinausgeht. Trump verliert die absolute Kontrolle über seine eigene Basis im Kongress. Die Tatsache, dass vier Republikaner bereit waren, sich mit den Demokraten zu verbünden, zeigt, dass die Kriegsmüdigkeit innerhalb der Partei einen kritischen Punkt erreicht hat.
Für die nächsten Wochen bedeutet dies ein erhöhtes Risiko für das Weiße Haus. Sollte die militärische Eskalation im Golf anhalten, könnten weitere republikanische Abgeordnete aus Angst vor den Zwischenwahlen die Seiten wechseln. Die symbolische Niederlage im Repräsentantenhaus könnte somit zum Vorboten einer realen Einschränkung der präsidialen Macht werden, falls der politische Preis für den Krieg im Iran zu hoch wird.
Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.
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