Alte lateinische Texte bergen oft Antworten auf offene Forschungsfragen. Die überlieferten Textmengen sind jedoch so gewaltig, dass sie von einzelnen Forschern oder Teams kaum noch überblickt werden können. Das erklärt der Innsbrucker Philologe Martin Korenjak, der auf die Dimensionen der historischen Bestände verweist.
Das KI-Modell „Latinitas“ für historische Quellen
Um diese Datenflut zu bewältigen, entsteht derzeit das Sprachmodell „Latinitas. Die Künstliche Intelligenz soll dabei helfen, lateinische Texte zu übersetzen, thematisch ähnliche Inhalte zusammenzuführen und lückenhafte Stellen in historischen Quellen zu rekonstruieren. Zudem soll das System große Textsammlungen durchsuchen und Wissen abrufbar bereitstellen, wodurch bislang weitgehend unzugängliche Überlieferungen von der Antike bis zur Neuzeit verständlich werden.
Internationale Zusammenarbeit und Finanzierung
Das auf zwei Jahre angelegte Forschungsvorhaben bringt verschiedene Institutionen und Unternehmen zusammen. Neben der Universität Innsbruck sind Forschende der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) sowie internationale Partner beteiligt, darunter die KI-Unternehmen Mistral AI und SAIL Reply.
Das Institut für klassische Philologie der Universität Innsbruck verantwortet vor allem die philologische Arbeit. Das Team testet das Modell und gibt strukturierte Rückmeldungen an die KI-Experten, um die Software laufend zu verbessern und zu verfeinern.
Ermöglicht wird die Entwicklung durch eine finanzielle Förderung der US-Organisation Schmidt Sciences in Höhe von 810.000 US-Dollar, was umgerechnet rund 722.700 Euro entspricht. Eingeworben hat die Mittel Anna Dolganov, Althistorikerin und Papyrologin am Österreichischen Archäologischen Institut der ÖAW, die bereits die Verantwortung für das Altgriechisch-Projekt trug. Die Initiative wurde von dem ehemaligen Google-CEO Eric Schmidt und seiner Frau Wendy Schmidt ins Leben gerufen.
Perspektiven für den Schulunterricht und weitere Sprachen
Neben der akademischen Forschung blicken die Beteiligten bereits auf mögliche Anwendungen im Bildungsbereich. Korenjak erläuterte, dass im Kollegium darüber nachgedacht wurde, wie die Ergebnisse des Projekts mittelfristig in Schulen getragen werden könnten. Schülerinnen und Schüler könnten dadurch parallel ihre Lateinkenntnisse vertiefen und ihre allgemeinen KI-Kompetenzen ausbauen.
Langfristig zieht das Innsbrucker Team zudem in Betracht, weitere historische Sprachen in das Sprachmodell zu integrieren. Erste Ergebnisse des Projekts werden bereits für das kommende Jahr erwartet.
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