Die Welt blickt mit angehaltenem Atem nach Islamabad, doch an der Wall Street ist die erste Euphorie längst verflogen. Während die reichsten Menschen der Welt in den letzten Tagen Milliarden an Vermögen scheffelten, regiert nun die Nervosität. Ein fragiler Waffenstillstand im Iran-Krieg hat die Märkte zwar kurzzeitig beflügelt, doch die eigentliche Entscheidung fällt am Wochenende in Pakistan. Im Zentrum steht eine einzige, strategisch kritische Wasserstraße: die Straße von Hormus.
Zwischen Milliarden-Rallye und plötzlicher Vorsicht
Die Nachricht vom Waffenstillstand löste zunächst eine massive Erholungsrallye aus. Die zehn reichsten Menschen der Welt legten laut Bloomberg-Liste zusammen 52 Milliarden Dollar zu. Mark Zuckerberg führte diese Liste an und steigerte sein Vermögen an einem einzigen Tag um fast 13 Milliarden Dollar. Meta profitierte dabei nicht nur vom geopolitischen Aufatmer, sondern auch von der Begeisterung über das neue KI-Modell Muse Spark. Auch Bernard Arnault und die Alphabet-Gründer Larry Page und Sergey Brin verbuchten Milliardenplus.
Doch dieser Optimismus hat Risse bekommen. Elon Musk war einer der wenigen Top-50-Milliardäre, der am Mittwoch Verluste hinnehmen musste, da die Tesla-Aktie um ein Prozent fiel. Für viele Superreiche bleibt das Jahr trotz der jüngsten Gewinne im Minus. Geopolitische Risiken und Unsicherheiten im Bereich der Künstlichen Intelligenz haben die Kurse über Monate belastet. Larry Ellison und Bernard Arnault büßten im bisherigen Jahresverlauf jeweils gewaltige Summen ein.
Das Hormuz-Dilemma und die Inflationsgefahr
Die Anleger fürchten nun, dass die Schifffahrt in der Straße von Hormus blockiert bleibt. Das hätte fatale Folgen für die globale Wirtschaft. Hohe Energiepreise könnten die Inflation dauerhaft über das Zwei-Prozent-Ziel der US-Notenbank heben. Marktstratege Jason Pride von Glenmede warnt vor diesem realen Risiko, da die Ölpreise bereits deutlich über dem Vorkriegsniveau liegen. Brent Crude sank zwar zuletzt leicht auf 94,32 Dollar, doch die Lage bleibt volatil.
Teheran hat zwar laut der UN-Schifffahrtsorganisation (IMO) die Meerenge für „nicht-feindliche“ Schiffe wieder freigegeben. Das bedeutet, dass Schiffe, die nicht an Aggressionen gegen den Iran teilnehmen, die Passage nach Abstimmung mit den Behörden nutzen dürfen. Ein thailändischer Öltanker der Bangchak Corporation passierte die Straße bereits ohne Zahlung. Auch der chinesische Konzern Cosco nimmt wieder Buchungen für Transporte in die Golfregion an. Dennoch räumte US-Präsident Donald Trump ein, dass der Iran in Bezug auf internationale Wasserstraßen weiterhin „Trümpfe“ hält.
Die Gefahr der Stagflation in den USA
Die US-Notenbank Fed steckt in einem schwierigen Zinsdilemma. Die Verbraucherpreise im März zogen zwar deutlich an, lagen aber noch im Rahmen der Erwartungen. Das eigentliche Problem ist die Stimmung der US-Verbraucher, die im April auf ein Rekordtief stürzte. Ökonomen sehen hier die Anzeichen eines Stagflationsumfelds: eine Kombination aus hoher Inflation und schwachen Konjunkturdaten.
Die Börsen spiegeln diese Unsicherheit wider. Der Dow Jones gab zuletzt 0,6 Prozent auf rund 47.917 Punkte ab, belastet vor allem durch Software-Titel. Der S&P 500 bewegte sich kaum von der Stelle, während der Nasdaq mit 0,4 Prozent leicht zulegte. Die Anleger warten nun auf die Ergebnisse der Gespräche in Islamabad.
Was passiert derzeit in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran?
Unterhändler beider Seiten treffen sich am Samstag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Im Zentrum der Gespräche steht die vollständige Öffnung der Straße von Hormus und ein dauerhafter Friede in der Region. Die Aussichten gelten als trübe, da beide Seiten Forderungen stellen, die die Gegenseite strikt ablehnt. Zudem erschweren neue israelische Angriffe auf den Libanon die Situation, da Teheran eine Waffenruhe zwischen Israel und Libanon als Bedingung für die Verhandlungen sieht.
Wer profitierte am meisten von der kurzzeitigen Börsenrallye?
Meta-Chef Mark Zuckerberg war der größte Gewinner mit einem Vermögenszuwachs von fast 13 Milliarden Dollar an einem einzigen Tag. Seine Aktien stiegen um 6,5 Prozent, befeuert durch die allgemeine Markterholung und die Vorstellung des KI-Modells Muse Spark. Ebenfalls stark profitierten Bernard Arnault (LVMH), Larry Page sowie Sergey Brin (Alphabet) und Amancio Ortega (Inditex).
Warum ist die Straße von Hormus so entscheidend für die Inflation?
Die Straße von Hormus ist einer der wichtigsten Handelswege der Welt für Energie. Wenn dieser Weg blockiert ist, steigen die Preise für Erdöl und Flüssigerdgas weltweit sprunghaft an. Da Energie ein Grundbaustein fast jeder Produktion und jedes Transports ist, steigen daraufhin die Preise für zahlreiche andere Güter. Dies führt zu einem Inflationsdruck, den die Zentralbanken nur schwer kontrollieren können, ohne die Wirtschaft durch Zinserhöhungen massiv zu bremsen.