Deutsche Industrieproduktion wächst überraschend im September 2026 um 0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat, gestützt vor allem durch ein kräftiges Plus in der Automobilindustrie und der Pharmabranche, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Daten mitteilte.
Automobilindustrie treibt den September-Anstieg an
Entgegen den Erwartungen von Volkswirten, die im Schnitt mit einem leichten Rückgang von 0,1 Prozent gerechnet hatten, legte das Verarbeitende Gewerbe im September zu. Ohne Energie und Baugewerbe betrug das Plus im Monatsvergleich sogar 1,7 Prozent, berichtet die Tagesschau. Maßgeblich für diesen Zuwachs war die Automobilindustrie, in der die Produktion um 17,1 Prozent anstieg.
Das Statistische Bundesamt erklärte dazu: In diesem Bereich hatte die Produktion in den beiden Monaten zuvor unter anderem aufgrund von Produktionsumstellungen und Werksferien auf einem niedrigen Niveau gelegen.
Der starke September-Wert stellt somit eine direkte Gegenbewegung zu den schwachen Sommemonaten dar. Auch die Pharmaindustrie verzeichnete ein Wachstum von 8,0 Prozent, während die Bauproduktion mit einem Minus von 2,6 Prozent und der Maschinenbau mit einem Rückgang von 6,5 Prozent dämpfend wirkten.

Statistisches Bundesamt korrigiert August-Daten nach unten
Das Statistische Bundesamt korrigierte das Produktionswachstum für August deutlich von zunächst gemeldeten zwei Prozent auf ein Prozent nach unten. Grund dafür waren ergänzte Angaben von Unternehmen im Baugewerbe zu Umsatzsteuervoranmeldungen, wie die Rhein Zeitung berichtete.
Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank kommentierte diese Entwicklung mit den Worten:
Da der Vormonatswert deutlich nach unten revidiert wurde, muss der positive Produktionszuwachs im September etwas relativiert werden
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank
Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich lag die Produktion im dritten Quartal zudem um 0,4 Prozent unter dem Niveau des zweiten Quartals.
Dullien sieht die Erholung der deutschen Wirtschaft als intakt an
Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), erklärte:
Der heute veröffentlichte Anstieg der Industrieproduktion zeigt: Die Erholung der deutschen Industrie und damit der deutschen Wirtschaft ist intakt
Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK)
Dullien wies zugleich darauf hin, dass die Wahlergebnisse in den USA und politische Veränderungen bezüglich des Baus von Rechenzentren die deutschen Exporte von elektronischer Ausrüstung und Ausrüstungen für die Energieversorgung dämpfen könnten, da hiesige Betriebe stark vom dortigen KI-Boom profitiert hatten, wie n-tv berichtete.
Das Bundeswirtschaftsministerium verwies auf eine Stimmungsaufhellung, hohe Auftragsbestände und das Auslaufen produktionshemmender Sondereffekte als Signale für eine Belebung zum Jahresende. Dennoch betonte das Ministerium laut Angaben von Tagesschau und n-tv: Angesichts des nach wie vor schwierigen geopolitischen Umfelds und der zwischenzeitlich erneut deutlich gestiegenen Weltmarktpreise für Energie bleibt die Erholung jedoch mit Risiken behaftet.
KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher erklärte laut Tagesschau, es gebe weiterhin eine lange Liste an Risikofaktoren, die den Aufschwung in der Industrie beenden könnten, bevor er überhaupt richtig ins Rollen gekommen ist.

Zugleich hob Marc Schattenberg hervor.
Volkswirt Marc Schattenberg bei Deutsche Bank Research, hervor:
Robuste Auftragseingänge und die in verschiedenen Industriezweigen bereits prall gefüllten Orderbücher dürften ein gutes Fundament für eine weitere Stabilisierung der Produktion sein
Marc Schattenberg, Volkswirt bei Deutsche Bank Research
Thomas Gitzel von der VP Bank blickt ebenfalls voraus und schätzt ein:
Die Produktion wird in den kommenden Quartalen das Wirtschaftswachstum in Deutschland stützen
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank
und damit trotz der bestehenden konjunkturellen Unsicherheiten einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung leisten wird.