Zum Inhalt springen
Nachrichten

Heute“ machte den Test – Statt Arztgerät – neue Smartwatch misst sogar Blutdruck

Die Huawei Watch D2 und das Hilo Band etablieren im Mai 2026 unterschiedliche technische Ansätze zur Blutdruckmessung am Handgelenk. Während die Huawei-Uhr auf eine integrierte oszillometrische Manschette setzt, nutzt das als Medizinprodukt der Klasse IIa zertifizierte Hilo Band eine manschettenlose Überwachung für bis zu 25 Messungen pro Tag.

Die Integration der Blutdruckmessung in Wearables gilt seit Jahren als der heilige Gral der Konsumentenelektronik. Lange Zeit beschränkten sich Smartwatches auf die Schätzung von Werten mittels optischer Sensoren, die jedoch klinisch kaum belastbar waren. Im Frühjahr 2026 zeigt sich eine deutliche Differenzierung zwischen Lifestyle-Produkten und zertifizierten Medizinprodukten.

Oszillometrie gegen PPG-Algorithmen

Die technische Herausforderung bei der Blutdruckmessung am Handgelenk liegt in der Anatomie. Klassische Oberarmmessgeräte nutzen die Oszillometrie, bei der eine Manschette den Arm kurzzeitig abschnürt, um den Blutfluss zu stoppen und die anschließende Druckwelle zu messen. Die Huawei Watch D2 integriert dieses Prinzip direkt in das Armband. Sie ist laut aktuellen Marktanalysen die einzige Smartwatch, die eine echte oszillometrische Manschette im Gehäuse führt, um physischen Druck auszuüben.

Die Mehrheit der anderen Fitness-Tracker setzt hingegen auf die Photoplethysmographie (PPG). Hierbei analysieren optische Sensoren die Lichtreflexion des Blutes in den Gefäßen. Ein Algorithmus berechnet daraus den geschätzten Blutdruck. Dieser Ansatz ist komfortabler, da er keine mechanische Kompression erfordert, leidet jedoch unter einer signifikanten mangelnden Präzision. Die wissenschaftliche Evidenz ist hier eindeutig: Eine im Jahr 2025 veröffentlichte Meta-Studie in der Fachzeitschrift JAMA Cardiology kommt zu dem Ergebnis, dass bislang kein manschettenloses Gerät die strengen Genauigkeitsprüfungen klassischer Oberarmgeräte bestanden hat.

Zertifizierungen und das Scheitern der Galaxy Watch 7

Für den medizinischen Einsatz ist die CE-Kennzeichnung als Medizinprodukt der Klasse IIa entscheidend. Nur Geräte mit dieser Zertifizierung haben ihre Messgenauigkeit nach internationalen Standards, wie etwa der ISO 81060-2, nachgewiesen. Das Hilo Band positioniert sich hier als klinisch validierte Alternative, die eine kontinuierliche 24/7-Überwachung ermöglicht, auch während der Nachtstunden.

Im Gegensatz dazu stehen Produkte, die die Blutdruckfunktion als Wellness-Feature vermarkten. Ein prominentes Beispiel ist die Samsung Galaxy Watch 7. In einem 28-Tage-Test der Stiftung Warentest fiel die Funktion der Uhr durch. Die Ergebnisse zeigten, dass das Gerät nahezu konstante Werte lieferte und die natürlichen Blutdruckschwankungen des Nutzers nicht erfassen konnte. Dies unterstreicht die Gefahr von Geräten, die lediglich Schätzwerte liefern, anstatt echte Messungen durchzuführen.

Die klinische Relevanz von kontinuierlichen Daten

Der Übergang von der punktuellen Messung beim Arzt hin zur kontinuierlichen Überwachung am Handgelenk bietet theoretisch enorme Vorteile für die Prävention von Hypertonie. Das Hilo Band ermöglicht beispielsweise bis zu 25 automatische Messungen pro Tag. Solche Datenreihen können Ärzten helfen, den sogenannten Weißkittel-Effekt – den Anstieg des Blutdrucks in einer Stresssituation beim Arztbesuch – auszuschließen.

Dennoch bleibt die technische Hürde der Validierung bestehen. Die Diskrepanz zwischen einem Lifestyle-Gadget und einem Medizinprodukt ist nicht nur eine Frage des Marketings, sondern der regulatorischen Haftung. Während ein Wellness-Feature lediglich Trends aufzeigen darf, muss ein Medizinprodukt verlässliche Werte für diagnostische Entscheidungen liefern.

Ausblick auf die diagnostische Zukunft

Die Entwicklung zeigt, dass die Industrie zwei Wege beschreitet. Der eine Weg führt über die Miniaturisierung bestehender Technik, wie bei der Huawei Watch D2, wo die mechanische Manschette beibehalten wird. Der zweite Weg versucht, die Physik der Blutdruckmessung durch Sensorik und KI zu ersetzen, wie beim Hilo Band.

Ob die manschettenlose Messung jemals die absolute Goldstandard-Genauigkeit der Oberarmmessung erreicht, bleibt fraglich. Solange die in der JAMA Cardiology 2025 beschriebenen Defizite bestehen, bleiben Smartwatches ergänzende Werkzeuge zur Trendbeobachtung, aber kein vollständiger Ersatz für klinische Geräte. Nutzer sollten daher bei der Wahl ihres Geräts strikt zwischen CE-zertifizierten Medizinprodukten und reinen Fitness-Trackern unterscheiden, um Fehlinterpretationen ihrer gesundheitlichen Daten zu vermeiden.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.