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Heuschnupfen: DGK empfiehlt Antihistaminika und NasenSprays

Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie (DGK) empfiehlt zur Behandlung des Heuschnupfens primär den Einsatz von Antihistaminika und intranasalen Glukokortikoiden. Diese Medikamente lindern Symptome wie Niesen und Juckreiz, während die spezifische Immuntherapie als einzige kausale Behandlung gilt. Die Pollenbelastung in Deutschland nimmt durch klimatische Veränderungen tendenziell zu und verschiebt sich zeitlich.

Die allergische Rhinitis, im Volksmund als Heuschnupfen bekannt, ist eine Überreaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Proteine in Pollen. In Deutschland betrifft diese Erkrankung Millionen von Menschen, wobei die Symptomatik durch steigende Durchschnittstemperaturen und eine verlängerte Vegetationsperiode intensiviert wird. Die medizinische Strategie zur Bewältigung dieser Symptome unterteilt sich in die symptomatische Linderung und die ursächliche Therapie.

Pharmakologische Ansätze zur Symptomkontrolle

Die medikamentöse Behandlung zielt darauf ab, die Entzündungsreaktion in den Schleimhäuten zu unterdrücken. Im Zentrum stehen Antihistaminika, die die Wirkung des Botenstoffs Histamin blockieren. Histamin wird von Mastzellen ausgeschüttet, sobald die IgE-Antikörper des Allergikers ein Allergen erkennen, was zu Gefäßerweiterungen und vermehrter Schleimproduktion führt.

Moderne Antihistaminika der zweiten Generation, wie Cetirizin oder Loratadin, zeichnen sich dadurch aus, dass sie kaum noch die Blut-Hirn-Schranke passieren. Dadurch entfällt die früher typische Sedierung, was die Alltagstauglichkeit erhöht. Für eine schnelle lokale Wirkung werden oft nasal applizierte Antihistaminika eingesetzt, die innerhalb weniger Minuten eine Wirkung entfalten, jedoch eine geringere Dauerwirkung als orale Präparate aufweisen.

Bei einer stärkeren Ausprägung der Symptome, insbesondere bei begleitender Nasenverstopfung, setzen Mediziner auf intranasale Glukokortikoide. Diese steroidalen Wirkstoffe wirken direkt entzündungshemmend an der Nasenschleimhaut. Im Gegensatz zu abschwellenden Nasensprays, die bei längerer Anwendung zu einem Effekt der Abhängigkeit führen können, sind Glukokortikoide für eine mehrwöchige Anwendung während der Pollensaison geeignet.

Die konsequente Anwendung von intranasalen Steroiden ist bei Patienten mit moderater bis schwerer allergischer Rhinitis oft effektiver als die alleinige Gabe von oralen Antihistaminika.

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allergologie (DGK)

Für die Augen werden meist Kombinationspräparate aus Antihistaminika und Mastzellstabilisatoren verwendet. Diese reduzieren das Jucken und Brennen der Bindehaut und verhindern die weitere Freisetzung von Entzündungsmediatoren.

Spezifische Immuntherapie als kausale Heilung

Während Medikamente nur die Symptome bekämpfen, ist die spezifische Immuntherapie (SIT), auch Hyposensibilisierung genannt, der einzige Ansatz, der die zugrunde liegende Allergie modifizieren kann. Das Ziel besteht darin, das Immunsystem an das Allergen zu gewöhnen und die Produktion von IgE-Antikörpern zugunsten von IgG-Antikörpern zu verschieben.

Der Prozess beginnt mit einer präzisen Diagnose mittels Prick-Tests oder spezifischer IgE-Bestimmung im Blut, um die exakten Auslöser zu identifizieren. Die Therapie erfolgt in zwei Phasen: der Aufbauphase, in der die Dosis des Allergens schrittweise gesteigert wird, und der Erhaltungsphase, in der eine konstante Dosis verabreicht wird, um die Toleranz zu stabilisieren.

Die Applikationsformen variieren zwischen subkutanen Injektionen (Spritzen) und sublingualen Tabletten oder Tropfen. Letztere bieten den Vorteil der Heimanwendung, erfordern jedoch eine strikte Disziplin bei der täglichen Einnahme. Die Dauer einer erfolgreichen Immuntherapie beträgt in der Regel drei Jahre. Die Erfolgsraten hängen stark von der gewählten Substanz und der individuellen Reaktion des Patienten ab, wobei eine signifikante Reduktion der Symptomlast bei einem Großteil der Patienten erreicht wird.

Nicht-medikamentöse Methoden und Allergenvermeidung

Die Reduktion der Allergenexposition ist eine grundlegende Säule der Therapie. Da Pollen jedoch allgegenwärtig sind, konzentrieren sich präventive Maßnahmen auf die Minimierung der Partikelkonzentration in der unmittelbaren Umgebung des Patienten.

Antihistaminika, Kortison, uvm. – Arzneimittel bei Heuschnupfen und Allergie erklärt von Jan Reuter

Die Nasendusche mit isotonischer Kochsalzlösung ist eine wissenschaftlich anerkannte Methode, um Pollen mechanisch aus der Nasenschleimhaut zu spülen. Dies reduziert die Antigenlast und kann die Wirksamkeit nachfolgend applizierter Medikamente steigern. Ebenso wird empfohlen, die Haare vor dem Schlafengehen zu waschen, um zu verhindern, dass Pollen auf das Kopfkissen gelangen und über Nacht die Schleimhäute reizen.

In Innenräumen können Luftreiniger mit HEPA-Filtern (High Efficiency Particulate Air) der Klasse H13 oder H14 eine messbare Entlastung bieten. Diese Filter sind in der Lage, Partikel im Mikrometerbereich, zu denen auch Pollen gehören, effizient aus der Luft zu filtern. Die Effektivität steigt, wenn Fenster während der Spitzenflugzeiten geschlossen bleiben und die Luftfeuchtigkeit moderat gehalten wird.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) stellt detaillierte Pollenvorhersagen bereit, die es Betroffenen ermöglichen, ihre Aktivitäten an die aktuelle Belastung anzupassen. Besonders in den frühen Morgenstunden ist die Pollenkonzentration oft am höchsten, weshalb körperliche Aktivitäten im Freien in die späteren Stunden oder nach Regenfällen verlegt werden sollten.

Klimawandel und die Verschiebung der Pollensaison

Die Dynamik des Heuschnupfens in Deutschland wird maßgeblich durch klimatische Veränderungen beeinflusst. Steigende Temperaturen führen dazu, dass die Pollenflugsaison früher beginnt und sich länger in das Jahr hineinzieht. Dies verlängert das Zeitfenster, in dem Patienten unter Symptomen leiden.

Klimawandel und die Verschiebung der Pollensaison
Patienten

Ein kritisches Phänomen ist die Zunahme von CO2 in der Atmosphäre, welche die Pollenproduktion vieler Pflanzen stimuliert. Die Pollenkonzentration pro Pflanze steigt, was die Intensität der allergischen Reaktionen erhöhen kann. Zudem verschieben sich die Areale, in denen bestimmte Pflanzen gedeihen.

Ein Beispiel ist die Ausbreitung der Ambrosia, einer invasiven Art aus Nordamerika, die hochallergene Pollen produziert. Während sie früher nur in wenigen Regionen Süddeutschlands vorkam, ist sie nun in weiten Teilen des Landes präsent. Die Bekämpfung dieser Pflanze durch landwirtschaftliche und kommunale Stellen ist eine zentrale Maßnahme des öffentlichen Gesundheitsschutzes, um die Belastung für die Bevölkerung zu senken.

Die zukünftige Herausforderung für die Allergologie liegt in der Personalisierung der Therapie. Da die Kombination aus verschiedenen Pollenarten und einer längeren Saison die Symptome komplexer macht, rücken präzisere Diagnoseverfahren und biologische Therapien (Biologika) für Patienten mit schweren Verläufen, die auf Standardmedikamente nicht ansprechen, stärker in den Fokus.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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