Nach einem tödlichen Anschlag auf einen israelischen Kontrollpunkt leitet das israelische Militär eine umfassende Operation in Hebron im Westjordanland ein. Dabei wurden rund 1.200 Menschen vertrieben, Häuser und Geschäfte zerstört und die Stadt vollständig abgeriegelt – nur wenige Tage vor den Parlamentswahlen in Israel.
Der Schusswaffenangriff und die militärische Abriegelung Hebrons
Am Freitagmorgen eröffneten zwei palästinensische Angreifer an einem Kontrollpunkt in der Nähe von Hebron das Feuer auf israelische Soldaten. Bei dem Schusswechsel wurden zwei israelische Soldaten getötet und drei weitere Personen leicht verletzt, während die beiden Angreifer ebenfalls starben nach Angaben der israelischen Streitkräfte. Die Angreifer waren nach Angaben aus dem Sicherheitsapparat mit einer M4-Maschinenpistole und einer Pistole unterwegs und hatten erhebliche Mengen Munition dabei.
Als Reaktion ordnete Premierminister Benjamin Netanyahu umgehend an, die Stadt Hebron abzuriegeln und Ein- sowie Ausreisen im gesamten Westjordanland zu sperren. Die Stadt mit ihren rund 320.000 Einwohnern wurde an allen Zufahrtspunkten versiegelt, was jeglichen Personenverkehr zum Erliegen brachte. Nach Angaben der IDF und des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, die zusammen mit der Grenzpolizei den Einsatz leiteten, wurden die Viertel Farsh al-Hawa und Ein Deir Baha ins Visier genommen. Die israelische Armee gab bekannt, dass die Verdächtigen Hamouda und Firas Jua’ba hießen und beide 27 Jahre alt waren. Laut Berichten von Army Radio stammten die beiden Männer aus derselben Familie in Hebron, waren jeweils verheiratet und hatten zwei Kinder. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kündigte an, eine weitreichende Militäroperation im Westjordanland zu starten, wie sie seit dem Sechstagekrieg von 1967 nicht mehr stattgefunden habe. Finanzminister Bezalel Smotrich forderte im Rahmen des Einsatzes ein Vorgehen genau wie im Gazastreifen oder im Libanon. Die Nichtregierungsorganisation des palästinensischen Gefangenenclubs berichtete, dass israelische Streitkräfte am Freitag und Samstag rund 70 Palästinenser festgenommen hätten, während offizielle Stellen der Armee dazu zunächst keine Kommentare abgaben.
Zwangsräumungen und Zerstörungen in den Vierteln
Unmittelbar nach dem Angriff begannen israelische Bulldozer und Truppen damit, Gebäude und Infrastruktur in den westlichen Vierteln Hebrons niederzureißen. Die Stadtverwaltung von Hebron sowie Menschenrechtsorganisationen berichteten, dass zahlreiche Wohnungen, Geschäfte, Industrieanlagen und Straßen in den Vierteln Ein Deir Baha und Al-Jalada zerstört wurden.
Schätzungen lokaler Behörden und Organisationen zufolge wurden rund 1.200 bis 1.500 palästinensische Bewohner vertrieben; palästinensische Stellen befürchten eine Ausweitung auf bis zu 2.500 Betroffene. Viele Familien mussten ihre Unterkünfte innerhalb kürzester Zeit verlassen und die Nacht im Freien oder in provisorischen Notunterkünften verbringen. Der Bürgermeister von Hebrons Gemeinde, Yousef Zouhair Al-Jabari, erklärte, dass etwa 1.300 weitere Personen von der Vertreibung bedroht seien. Auch der stellvertretende Bürgermeister Khaled al-Qawasmi gab an, dass die Militäroperation gegen Mitternacht begann und den Bewohnern teilweise nur eine Stunde Zeit zum Verlassen ihrer Häuser gelassen wurde. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete ebenfalls über geplante Vertreibungen von weiteren 2.500 Personen. Menschenrechtsorganisationen wie B’Tselem kritisierten das Vorgehen scharf, wobei die Exekudivdirektorin Yuli Novak erklärte, Israel kündige seine nächsten Verbrechen im Voraus an. Der palästinensische Gouverneur und andere lokale Quellen verwiesen darauf, dass mindestens 200 Familien direkt betroffen und obdachlos geworden sind.
The situation is very difficult.
Mur, via Reuters
Politischer Druck vor den Wahlen und internationale Reaktionen
Beobachter und lokale Politiker verknüpfen den massiven Militäreinsatz direkt mit den bevorstehenden Parlamentswahlen in Israel am kommenden Dienstag. In den Umfragen liegen Netanyahu und sein Hauptkonkurrent Kopf an Kopf, und Beobachter bewerten den harten Kurs als Versuch, Wähler aus dem nationalistischen Lager zu mobilisieren. Der Bürgermeister Al-Jabari warf Netanyahu und radikalen Ministern offen vor, mit den Maßnahmen Stimmen von Siedlern gewinnen zu wollen. Auch Analysten und Kommentatoren bewerteten den Zeitpunkt als politisches Manöver, um den Druck von Netanjahus Koalition abzufedern und Wählerinteressen zu bedienen.

Benjamin Netanyahu erklärte laut CNN: „Wir werden die Bewohner evakuieren, von Haus zu Haus gehen, die Waffen einsammeln, die wir dort finden, und jegliche terroristische Infrastruktur bekämpfen und zerstören.
Die Palästinensische Autonomiebehörde kritisierte das Vorgehen scharf als kollektive Bestrafung. Auch israelische Organisationen wie B’Tselem verurteilten die Vertreibungen und Zerstörungen als schwere Rechtsverletzungen. Der Generalstabschef der israelischen Armee, Eyal Zamir, verteidigte die Maßnahmen hingegen als notwendige Reaktion zur Zerschlagung terroristischer Strukturen. Das UN-Menschenrechtsbüro für die besetzten palästinensischen Gebiete äußerte ebenfalls tiefe Besorgnis und bezeichnete die Vorfälle als eine neue Stufe der Entmenschlichung der palästinensischen Bevölkerung.
Offene Fragen und die Situation vor Ort
Ob die Zerstörungen in Hebron dauerhaft bleiben und wie sich die humanitäre Lage der vertriebenen Familien in den kommenden Tagen entwickelt, ist unklar. Die Militäroperation und die strikten Abriegelungen dauern an, während Hilfsorganisationen und die Gemeindeverwaltung versuchen, Notquartiere bereitzustellen. Weder das genaue Ausmaß der langfristigen Umsiedelungen noch der exakte Zeitpunkt für eine Aufhebung der Straßensperren wurden von offizieller Seite beziffert.

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