Wo liegt dein Smartphone, wenn du mit jemandem sprichst? Eine Debatte auf TikTok und aktuelle Einschätzungen von Fachleuten zeigen, dass die Geste des Umdrehens polarisiert. Während einige dahinter ein Warnsignal oder verheimlichte Absichten vermuten, werten andere es als bewussten Respektbeweis für das Gegenüber.
Ein Tiktok-Clip des Podcasters Steven Bartlett und des Kommunikationsexperten Jefferson Fisher brachte das Thema auf, bei dem User völlig unterschiedliche Ansichten vertraten. Was verrät die Position des Smartphones darüber, wie präsent jemand in einem Gespräch ist? Ob das Gerät in der Hosentasche verschwindet, im Auto bleibt oder mit dem Display nach unten auf dem Tisch liegt, sorgt für kontroverse Diskussionen.
Meinungen prallen im Netz aufeinander
In der Kommentarspalte unter dem Video prallen die Meinungen heftig aufeinander. Dein Handy zeigt mit dem Display nach unten? Ich denke, du verheimlichst etwas
, schrieb ein User, während ein anderer die Ausrichtung als klares Warnsignal bezeichnete.

Demgegenüber stehen Stimmen, die genau das Gegenteil empfinden. Ich drehe mein Handy immer mit dem Display nach unten, habe aber nichts zu verbergen. Ich schenke der Person vor mir meine Aufmerksamkeit
, hält ein Nutzer dagegen. Andere finden grundsätzlich, dass ein Mobiltelefon bei einer Unterhaltung gar nichts auf dem Tisch zu suchen hat.
Auch junge Erwachsene auf der Strasse beurteilen die Geste differenziert. Für Giorgio (17), Imim (18), Gabriel (16) und Julian (17) kommt es stark auf den Kontext an. Wer wirklich etwas verbergen wolle, würde das Gerät schliesslich direkt in der Hosentasche lassen. Bei einem ersten Treffen sei die Position nebensächlich, wobei ein nach unten gerichteter Bildschirm durchaus als Zeichen erhöhter Präsenz gedeutet werden könne. Inori (22) bezeichnet den umgedrehten Bildschirm als Green Flag
, weil ein sichtbares Display schnell ablenke. Nunsi (19) sieht darin jedoch erst dann eine rote Flagge, wenn das Gerät bei einer eingehenden Nachricht extra umgedreht wird.
Psychologen Ordnen die Geste ein
Dr. Lilian Suter, Dozentin für Angewandte Psychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), relativiert den pauschalen Störfaktor des Geräts. Zwar legten frühere Studien nahe, dass allein die sichtbare Präsenz die Intimität eines Gesprächs mindere, doch neuere Untersuchungen zeichnen ein differenzierteres Bild.
Entscheidend ist weniger, wo das Handy liegt, sondern ob die Gesprächspartner es bewusst wahrnehmen oder während des Gesprächs benutzen. Bleibt es unbeachtet, verändert es die Gesprächsdynamik in der Regel kaum.
Dr. Lilian Suter, Dozentin für Angewandte Psychologie an der ZHAW
Laut Suter vermittelt auch die Ausrichtung eine klare Botschaft. Ein Display nach oben signalisiere ständige Erreichbarkeit, wodurch digitale Kontakte mit dem aktuellen Gespräch konkurrieren können. Wird das Gerät nach einer Benachrichtigung hingegen bewusst umgedreht, werten das Fachleute überwiegend als nonverbales Zeichen der Rücksichtnahme. Es drückt aus, dass der Anwesende Vorrang vor digitalen Ablenkungen hat, auch wenn im Einzelfall Inhalte abgeschottet werden sollen
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