Die Stadt Zug hat eine kostenlose Gartenberatung für naturnahe Gartengestaltung eingeführt, um der sinkenden Biodiversität entgegenzuwirken. Während die Gemeinden Cham und Hünenberg dieses Angebot bereits seit 2017 praktizieren, stößt die Ausweitung auf die Stadt Zug auf scharfe Kritik der SVP, die darin eine übermäßige staatliche Einflussnahme sieht.
Die Stadt Zug erweitert ihr kommunales Angebot um eine kostenlose Beratung für die Gestaltung von Privatgärten. Im Rahmen der Aktion Natur-Kur Zug
sollen Einwohner dabei unterstützt werden, ihre Außenflächen naturnah zu gestalten. Ziel der Maßnahme ist es, dem kontinuierlichen Rückgang der biologischen Vielfalt entgegenzuwirken.
Das Konzept ist im Kanton Zug nicht neu. In den Gemeinden Cham und Hünenberg wird eine entsprechende Gartenberatung bereits seit 2017 angeboten. Die Ausweitung auf die Stadt Zug markiert den nächsten Schritt in einer regionalen Strategie zur ökologischen Aufwertung privater Grünflächen.
Die Initiative „Natur-Kur Zug“ zur Biodiversitätsförderung
Die theoretische Grundlage für das Beratungsangebot ist die Erkenntnis, dass private Gärten eine wesentliche Rolle beim Erhalt lokaler Artenvielfalt spielen. Durch gezielte Anpassungen in der Bepflanzung und Pflege können diese Flächen als wichtige Lebensräume für Insekten und Vögel fungieren.
Stéphanie Suter, Fachperson Umwelt der Gemeinde Hünenberg
Die Beratung richtet sich an Gartenbesitzer, die unsicher sind, wie sie ihre Flächen nachhaltig umgestalten können. Durch die kostenlose Bereitstellung des Fachwissens versucht die Verwaltung, die Hemmschwelle für eine ökologische Umgestaltung zu senken und so eine breite Beteiligung der Bevölkerung zu erreichen.
SVP warnt vor „vereinnahmender“ Stadtverwaltung
Die Einführung des Angebots in der Stadt Zug hat eine politische Debatte ausgelöst. Die Schweizerische Volkspartei (SVP) lehnt die staatliche Intervention in die private Gartengestaltung entschieden ab. Im Zentrum der Kritik steht die Frage nach der Eigenverantwortung der Bürger und dem Erhalt des Wettbewerbs.
Roman Küng, Fraktionschef der Zuger SVP, hat die Maßnahme in einem parlamentarischen Vorstoss scharf angegriffen. Aus seiner Sicht stellt die kostenlose Beratung einen problematischen Trend in der lokalen Governance dar.
Roman Küng, SVP-Fraktionschef
Die SVP argumentiert, dass die Gestaltung privater Grundstücke in der Verantwortung der Eigentümer liege und staatliche Subventionen in Form von Gratis-Dienstleistungen hier fehl am Platz seien. Die Partei sieht darin eine schleichende Ausweitung staatlicher Aufgaben, die über die notwendigen Kernfunktionen der Verwaltung hinausgehe.
Finanzielle Diskrepanzen im Kanton Zug
Die politische Auseinandersetzung über die Gartenberatung findet vor dem Hintergrund der besonderen finanziellen Situation des Kantons Zug statt. Während Zug oft als steuergünstiges Paradies wahrgenommen wird, zeigen die aktuellen Zahlen eine hohe staatliche Ausgabenbereitschaft und eine starke Rolle im nationalen solidarischen Gefüge.
Im Jahr 2025 leistete Zug mit 3350 Franken pro Person den höchsten Beitrag zum nationalen Finanzausgleich. Zum Vergleich: Der Kanton Jura bezog im gleichen Zeitraum 2043 Franken pro Einwohner. Diese Transferzahlungen folgen der Grundidee des eidgenössischen Finanzdepartements, dass wirtschaftlich starke Kantone und der Bund finanziell schwächere Regionen unterstützen.
Auch im Gesundheitswesen setzt der Kanton auf massive finanzielle Entlastungen für seine Bewohner. Im Jahr 2024 stellte der Kanton 220 Millionen Franken bereit, um die Krankenkassenprämien für die Jahre 2026 und 2027 zu senken. Darüber hinaus werden in diesem Zeitraum 99 Prozent der Spitalkosten vom Kanton übernommen, obwohl gesetzlich nur 55 Prozent vorgeschrieben sind.
Diese finanziellen Spielräume ermöglichen einerseits die Einführung von Programmen wie der Natur-Kur Zug
, befeuern andererseits aber die ideologische Debatte der SVP. Für die Kritiker ist gerade die hohe finanzielle Kapazität des Kantons kein Argument für mehr Staatsleistungen, sondern ein Grund, die Eigenverantwortung der Bürger zu stärken und staatliche Interventionen zu begrenzen.