Eine neue Untersuchung der University of Pennsylvania zeigt, dass die Anwendung von GLP-1-Präparaten das Risiko für Brustkrebs bei Frauen zwischen 45 und 80 Jahren um bis zu 35,1 Prozent senken kann. Die im Fachjournal JCO Oncology Practice veröffentlichten Daten legen einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Medikation und der verringerten Inzidenz nahe.
Brustkrebsrisiko sinkt durch GLP-1-Therapie signifikant
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Die Ergebnisse einer groß angelegten retrospektiven Analyse deuten darauf hin, dass GLP-1-Rezeptoragonisten mit einer deutlich geringeren Inzidenz von Brustkrebs assoziiert sind. Die Untersuchung wertete Gesundheitsdaten von 111.646 Frauen im Alter zwischen 45 und 80 Jahren aus, die einen Body-Mass-Index (BMI) von 25 oder höher aufwiesen. Von diesen Frauen erhielten 15.264 dokumentierte Verschreibungen für GLP-1-Medikamente.
In der Gesamtanalyse der Kohorte sank die Wahrscheinlichkeit einer Brustkrebserkrankung bei den Anwenderinnen um 35,1 Prozent. Um Verzerrungen durch Faktoren wie Alter, Ethnie, BMI oder Brustdichte zu minimieren, untersuchten Forscher zudem eine gematchte Kontrollgruppe von 30.528 Frauen. In diesem spezifischen Vergleich blieb der Effekt mit einer Reduktion von 30,5 Prozent weiterhin deutlich messbar.
Auch eine zweite Studie der UT Health San Antonio stützt diesen Trend. Bei rund 80.000 Frauen mit einem erhöhten Risikoprofil sank die Inzidenz um 16 Prozent. Dr. Elizabeth McDonald, Professorin für Radiologie an der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania, stellte die Ergebnisse auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vor.
„Obwohl es sich bei unserer Studie um eine Beobachtungsstudie handelt, die keinen endgültigen Beweis für einen Zusammenhang zwischen GLP-1-Medikamenten und einer verringerten Brustkrebsinzidenz liefert, untermauert sie die wachsende Zahl von Hinweisen darauf, dass es sich lohnt, diese Medikamente zur Gewichtsreduktion als potenzielle Mittel zur Krebsprävention zu untersuchen.“ Dr. Elizabeth McDonald, Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania
Gewichtsverlust oder direkte Entzündungshemmung?
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In der medizinischen Fachwelt wird derzeit debattiert, ob der protektive Effekt primär auf die Reduktion des Körpergewichts oder auf direkte biologische Mechanismen zurückzuführen ist. Frühere Daten zeigen, dass ein Gewichtsverlust von mehr als neun Kilogramm das Krebsrisiko bereits um etwa 32 Prozent senken kann. Dennoch vermuten Experten, dass GLP-1-Wirkstoffe auch direkt auf entzündungshemmende Signalwege einwirken könnten, die mit der Krebsentstehung in Verbindung stehen.
Onkologin Coral Omene fordert angesichts dieser Beobachtungen dringend randomisierte klinische Studien, um die exakten Mechanismen zu isolieren. Die aktuelle Datenlage ist vielversprechend, aber noch nicht abschließend geklärt.
Dr. Daniel Drucker mahnt jedoch zur wissenschaftlichen Vorsicht und warnt vor einem übermäßigen Hype. Er betont, dass kontrollierte klinische Prüfungen notwendig sind, um die beobachteten Korrelationen als kausale Zusammenhänge zu bestätigen.
„Kontrollierte klinische Prüfungen seien dringend nötig.“ Dr. Daniel Drucker, via news.google.com
Neue Effizienz bei der Gewichtsreduktion in der Menopause
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Parallel zur Krebsprävention liefern neue Daten zur Wirksamkeit von GLP-1-Wirkstoffen in der Menopause entscheidende Erkenntnisse. Die ATTAIN-Studien zeigen, dass der orale Wirkstoff Orforglipron über alle Menopausephasen hinweg effektiv bleibt. Frauen in der Perimenopause verloren im Durchschnitt 14,4 Prozent ihres Körpergewichts, während der Wert bei postmenopausalen Frauen bei 14,1 Prozent lag.
Besonders effektiv zeigt sich die Kombination verschiedener Therapieansätze. Daten der Endocrine Society vom Juni 2026 belegen, dass die Anwendung von Tirzepatid in Verbindung mit einer Hormonersatztherapie (HRT) einen Gewichtsverlust von bis zu 17 Prozent ermöglicht.
Therapieform
Durchschnittlicher Gewichtsverlust
Orforglipron (Perimenopause)
14,4 %
Orforglipron (Postmenopause)
14,1 %
Tirzepatid (Monotherapie)
14,0 %
Tirzepatid + Hormonersatztherapie
17,0 %
Fast die Hälfte der Probandinnen in der Kombinationsgruppe erreichte einen Gewichtsverlust von mindestens 20 Prozent. Dr. Kelly San Miguel unterstrich die Bedeutung dieser Entwicklungen für die Versorgung der Patientinnen.
„Wir müssen die Menopause entstigmatisieren und den Zugang zu Behandlungen verbessern.“ Dr. Kelly San Miguel, via ad-hoc-news.de
Schutzwirkung über die Krebsprävention hinaus
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Das therapeutische Potenzial der GLP-1-Wirkstoffklasse scheint weit über die Gewichtsregulation und Onkologie hinauszugehen. Eine im Juni 2026 in JAMA veröffentlichte Untersuchung ergab, dass GLP-1-Agonisten das Alzheimer-Risiko bei Diabetikern um 33 Prozent senken können.
Auch für das Herz-Kreislauf-System und die Atemwege gibt es positive Anzeichen. Im Rahmen der STEP-HFpEF-Studie erzielte Semaglutid eine signifikante Verbesserung der Symptome bei Herzinsuffizienz mit erhaltener linksventrikulärer Ejektionsfraktion (HFpEF). Die Teilnehmer erreichten eine durchschnittliche Verbesserung ihrer körperlichen Einschränkungen um 16,6 Punkte im Vergleich zur Placebogruppe.
Schlafapnoe: Der Triple-Agonist Retatrutid reduzierte Atemaussetzer in der TRIUMPH-1-Studie um 60,6 Prozent.
Thromboembolien: Analysen der University of Florida belegen ein um 17 Prozent gesunkenes Risiko für venöse Thromboembolien.
Lungenembolien: Das Risiko sank in der untersuchten Gruppe um 31 Prozent.
Gesamtmortalität: Die allgemeine Sterblichkeit in der untersuchten Gruppe sank um 44 Prozent.
Wissenschaftliche Vorsicht und klinische Forschung im Fokus
Trotz der beeindruckenden Datenlage mahnen Experten zur Vorsicht vor Selbstmedikation. Auf einem Diabetes-Kongress in Düsseldorf am 25. Juni warnten Vertreter des Deutschen Diabetes-Zentrums vor der unkontrollierten Nutzung von sogenannten „Abnehmspritzen“ ohne ärztliche Aufsicht.
Die Forschungsgemeinschaft bereitet sich bereits auf die nächste Phase der Untersuchung vor. Die University of Pennsylvania plant klinische Studien speziell für Hochrisiko-Patientinnen, um den Nutzen der Medikamente gezielt zu untersuchen. Gleichzeitig treiben Unternehmen wie Viking Therapeutics die Entwicklung neuer Wirkstoffe wie VK3019 voran, wobei erste Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 erwartet werden.
Für Frauen, die keine Hormone einnehmen können oder wollen, bietet sich zudem mit Fezolinetant eine neue, hormonfreie Alternative, die am 25. Juni 2026 von der brasilianischen Gesundheitsbehörde ANVISA zugelassen wurde.
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Konsultieren Sie bei Fragen zu Medikamenten oder zur Krebsprävention stets Ihren behandelnden Arzt.
Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.
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