Neue Daten aus den USA zeigen, dass GLP-1-Rezeptoragonisten bei Menschen mit Prädiabetes und Adipositas das Risiko für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Ereignisse stärker senken können als das Standardmedikament Metformin. Das wurde auf den Scientific Sessions 2026 der American Heart Association in Chicago präsentiert, die vom 6. bis 9. Juni 2026 stattfanden.
Auswertung von über 250.000 Patientenakten in den USA
Im Rahmen einer groß angelegten Untersuchung analysierten US-Forschende die elektronischen Gesundheitsakten von 256.492 Erwachsenen mit Prädiabetes und Adipositas. Das durchschnittliche Alter der Teilnehmer lag bei 52 Jahren, und rund 76 Prozent der Untersuchten waren Frauen.
Etwa die Hälfte der Patienten erhielt zu Beginn ein GLP-1-Medikament mit den Wirkstoffen Semaglutid (bekannt unter Markennamen wie Ozempic und Wegovy), Tirzepatid (Mounjaro und Zepbound), Liraglutid (Victoza und Saxenda) oder Dulaglutid (Trulicity).
Insgesamt wird geschätzt, dass 115 Millionen Erwachsene in den Vereinigten Staaten von Prädiabetes betroffen sind. Hinsichtlich der Gesamtzahl an Diabetesfällen in den USA wird von etwa 40 Millionen Menschen ausgegangen, wobei über 90 Prozent dieser Fälle auf Typ-2-Diabetes entfallen.

Geringeres Risiko für Typ-2-Diabetes und Herzinfarkte
Die Auswertung ergab, dass Patienten unter einer GLP-1-Therapie eine etwa 1,5-mal höhere Chance hatten, ihre erhöhten Blutzuckerwerte wieder auf ein normales Niveau zu senken. Zudem war ihr Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, um 31 Prozent niedriger als in der Vergleichsgruppe mit Metformin. Auch das Sterberisiko aus jeglicher Ursache sank im Beobachtungszeitraum um 41 Prozent.
Neben dem Stoffwechsel profitierten die Patienten auch beim Herz-Kreislauf-System. Nach Angaben der Forschenden waren die GLP-1-Präparate im Vergleich zu Metformin mit 15 Prozent weniger Herzinfarkten, 20 Prozent weniger Schlaganfällen, 25 Prozent weniger Fällen von Herzschwäche und 8 Prozent weniger Vorhofflimmern verbunden.

Einordnung durch Mediziner und offizielle Fachgesellschaften
Nach Ansicht von Vinicius de Souza Barzom Ceha, einem Forscher in der kardiovaskulären Medizin an der Mayo Clinic in den Vereinigten Staaten, bestätigen die Untersuchungen, dass entsprechende Medikamente das Risiko einer Progression verringern. Er wird die Ergebnisse auf den genannten Kongressen präsentieren. Da es sich jedoch um eine retrospektive und auf elektronischen Gesundheitsakten basierende Beobachtungsstudie handelt, lässt sich kein direkter kausaler Zusammenhang zwischen den Wirkstoffen und einer Diabetesprävention belegen.
Dennoch betonen Experten, dass Metformin weiterhin eine wichtige Rolle einnimmt. Als Rat wird hervorgehoben, dass Betroffene auf Gewichtsmanagement und Bewegung achten sollten, bevor eine medikamentöse Behandlung in Erwägung gezogen wird.
Eckel erklärte in einer Mitteilung, dass GLP-1-Präparate eine zusätzliche Behandlungsoption darstellen könnten.