Ein US-Vizepräsident landet mitten in einem politischen Erdbeben in Budapest. J.D. Vance ist nicht für einen diplomatischen Routinebesuch nach Ungarn gereist, sondern um Viktor Orbán in einer seiner schwächsten Phasen seit fast zwei Jahrzehnten zu stützen. Nur wenige Tage vor den Wahlen am 12. April wirkt der ungarische Regierungschef isolierter denn je. Die Umfragen zeichnen ein düsteres Bild für die Fidesz-Partei: Orbán liegt zwischen 10 und 20 Prozentpunkten hinter seinem Herausforderer Péter Magyar zurück. In dieser Situation setzt Donald Trump auf seine zweite Nummer, um den „großartigen Führer“ über die Ziellinie zu hieven.
Die Maus und der Löwe: Ein Telefonat mit Folgen
Kurz vor Vances Ankunft erschütterte ein Leak das ungarische Lager. Bloomberg veröffentlichte ein Telefonat, das die tiefe Abhängigkeit Orbáns vom Kreml offenlegt. In dem Gespräch bot der ungarische Premier Wladimir Putin seine Unterstützung „in jeder Hinsicht“ an. Die Wortwahl war dabei beinahe unterwürfig. Orbán verglich sich selbst mit einer „Maus“, die dem russischen „Löwen“ helfe – eine Anspielung auf eine Fabel, in der ein kleines Tier einen mächtigen Räuber befreit.
Dieses Telefonat ist mehr als nur ein rhetorisches Detail. Es belegt die Strategie Orbáns, der über Jahre hinweg Kredite für die Ukraine blockierte und deren EU-Beitritt torpedierte. Während Orbán in Budapest als nationalistischer Verteidiger auftritt, zeigt das Transkript ein anderes Bild. Putin reagierte auf die „Maus-Metapher“ mit einem Lachen. Für viele Ungarn ist dieses Lachen das Symbol einer Beziehung, in der Budapest kaum noch eine eigene Stimme hat.
Vance als rhetorisches Schutzschild
J.D. Vance versuchte bei seinem Besuch in Budapest, das Narrativ radikal zu drehen. Er bezeichnete Orbán und Trump als die wichtigsten Partner für den Frieden in der Ukraine weltweit. Damit ignorierte Vance die Tatsache, dass Orbáns Nähe zu Moskau in Europa für tiefe Risse gesorgt hat. Stattdessen inszenierte er den ungarischen Premier als Verteidiger der „westlichen Zivilisation“. Vor über 1.000 Anhängern in einer Budapester Sportarena forderte Vance die Menge offen auf, Orbán wiedersetzen zu lassen.
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Der US-Vizepräsident suchte zudem einen Sündenbock für die wirtschaftlichen Probleme Ungarns. Er griff die „Bürokraten in Brüssel“ frontal an. Laut Vance versuche die EU-Kommission, die ungarische Wirtschaft zu zerstören und eine „digitale Zensur“ einzuführen, um Wähler zu manipulieren. Vance lieferte für diese Vorwürfe der Wahlbeeinflussung jedoch keine Beweise. Er nutzt eine bewährte Taktik: Er externalisiert die Probleme und macht aus einem innenpolitischen Absturz einen Kampf gegen eine übergriffige europäische Elite.
Ein System am Limit
Orbán regiert seit 2010 fast ungehindert. Er hat das Wahlsystem massiv zu seinen Gunsten verändert, die freie Presse eingeschränkt und die Justiz unter Kontrolle gebracht. Doch dieses perfekt austarierte System scheint gegen Péter Magyar nicht mehr zu wirken. Magyar reagierte auf Vances Besuch mit einer klaren Ansage: Die Geschichte Ungarns werde nicht in Washington, Moskau oder Brüssel geschrieben.
Die Unterstützung aus den USA ist massiv. Zuvor reiste bereits Außenminister Marco Rubio nach Budapest. Trump und Vance setzen alles auf eine Karte, weil Orbán als europäischer Ankerpunkt ihrer Ideologie dient. Wenn Orbán fällt, verliert die MAGA-Bewegung ihren wichtigsten Verbündeten in der Europäischen Union. Vance betonte deshalb, dass er keinen wirtschaftlichen Druck ausübe, sondern lediglich „so viel helfen möchte, wie er kann“.
Ob die amerikanische Show-Präsenz und die Rhetorik gegen Brüssel ausreichen, bleibt fraglich. Die Kombination aus wirtschaftlichem Niedergang und dem Image des „Maus-Premiers“ könnte Orbáns 16-jährige Ära beenden. Die Wähler entscheiden am Sonntag, ob sie dem „Löwen“ in Moskau und dem Schutzschild aus Washington glauben oder einen neuen Weg wählen.
Warum besucht J.D. Vance Ungarn ausgerechnet jetzt?
Vance reiste kurz vor den Wahlen am 12. April nach Budapest, weil Viktor Orbán in den Umfragen massiv zurückliegt. Er soll Orbán durch eine prominente US-Unterstützung stabilisieren und ihn als Verteidiger westlicher Werte positionieren, um die Wähler zurückzugewinnen.
Was war der Inhalt des belastenden Telefonats?
In einem durchgesickerten Telefonat, das Bloomberg veröffentlichte, bot Orbán Wladimir Putin seine volle Unterstützung an. Er verglich sich dabei mit einer „Maus“, die dem russischen „Löwen“ helfe, was seine unterwürfige Haltung gegenüber dem Kreml verdeutlicht.
Welche Folgen könnte eine Niederlage Orbáns haben?
Eine Niederlage würde das Ende einer 16-jährigen Regierungsperiode bedeuten und das politische System Ungarns grundlegend verändern. International würde Donald Trump einen seiner engsten Verbündeten in Europa verlieren, während das Verhältnis Ungarns zur EU wahrscheinlich eine Entspannung erfahren könnte.