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Welt

Gaza: ein Jahr Waffenstillstand und anhaltende Krise

Ein Jahr nach dem von den USA vermittelten Waffenstillstand in Gaza ziehen Hilfsorganisationen und palästinensische Bewohner eine bittere Bilanz. Trotz des im Oktober 2025 vereinbarten Abkommens sterben weiterhin Menschen bei israelischen Angriffen, während die humanitäre Krise und die Zerstörung der Infrastruktur anhalten.

Vor genau einem Jahr wurde ein Waffenstillstand unter Vermittlung der Vereinigten Staaten vereinbart, der den verheerenden Krieg im Gazastreifen beenden sollte. Doch die Realität nach zwölf Monaten hat mit den damaligen Versprechungen wenig gemein. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums sind seit dem Inkrafttreten der Feuerpause mehr als 1.400 Menschen bei israelischen Angriffen getötet worden wie AP News berichtet.

Das Board of Peace und die ungelöste Machtfrage im Gazastreifen

Im Zentrum des diplomatischen Rahmens stand das im Herbst 2025 von US-Präsident Donald Trump ins Leben gerufene Gremium namens Board of Peace. Dieses sollte als Aufsichtsbehörde den Waffenstillstand überwachen und den Übergang der Regierungsgeschäfte regeln.

Parallel dazu hat das israelische Militär seine Präsenz im Küstengebiet ausgedehnt. Während das ursprüngliche Abkommen einen Rückzug der Truppen auf etwa 50 Prozent des Gazastreifens vorsah, kontrollieren israelische Einheiten mittlerweile erheblich mehr Gebiet.

Zerstörte Infrastruktur und täglicher Überlebenskampf für Millionen Menschen

Die humanitäre Lage im Küstenstreifen bleibt katastrophal. Satellitenbilder und offizielle Berichte verdeutlichen das Ausmaß der Zerstörung. Laut Angaben der Vereinten Nationen sind etwa 82 Prozent aller Gebäude im Gazastreifen beschädigt oder zerstört.

Die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und funktionierender medizinischer Versorgung bricht immer wieder zusammen. Von den ehemals 36 Krankenhäusern arbeiten lediglich 19 teilweise.

Gaza: ein Jahr Waffenstillstand und anhaltende Krise
Foto: NBC News

Vom Moment des Aufwachens bis zum Schlafengehen dreht sich bei uns alles nur um grundlegende Überlebensaufgaben: Wasser sammeln, Essen finden, am Leben bleiben und dann schlafen.

Zweifel und offene Rechnungen zwischen den Konfliktparteien

Auf israelischer Seite verweist die Regierung auf anhaltende Sicherheitsrisiken und wirft der Hamas vor, den Entwaffnungsverpflichtungen nicht nachzukommen. Die israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) erklärten, dass militärische Operationen notwendig seien, um den militärischen Wiederaufbau bewaffneter Gruppen im Streifen zu verhindern. Gleichzeitig warnen Beobachter wie der Jerusalem Center for Security and Foreign Affairs, dass die grundlegenden Konfliktfragen nach wie vor ungelöst sind.

Für die Zivilbevölkerung vor Ort bedeutet der Jahrestag des Abkommens vor allem eine Fortsetzung der Ungewissheit. Tausende Vertriebene harren in provisorischen Lagern aus, während die Schätzungen internationaler Institutionen wie der Weltbank und der EU von Kosten in Höhe von über 70 Milliarden US-Dollar für einen vollständigen Wiederaufbau ausgehen.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.