Versteckte menschliche Fußabdrücke im White Sands National Park im US-Bundesstaat New Mexico belegen, dass Menschen Nordamerika bereits vor rund 21.000 bis 23.000 Jahren während der letzten Kaltzeit und damit deutlich früher als bislang angenommen erreichten. Eine Studie verknüpft diese archäologischen Funde erstmals direkt mit urzeitlichen Klimadaten.
Die ersten Menschen in Amerika mussten sich während der letzten Eiszeit an extreme Umweltumschwünge anpassen. Das zeigt eine Untersuchung, die im Fachblatt Science Advances erschienen ist und von Forschern unter anderem der University of Arizona und des United States Geological Survey (USGS) vorgelegt wurde (University of Arizona News). Im Mittelpunkt stehen dabei jene versteinerten Spuren im White Sands National Park, deren Datierung auf ein Alter zwischen 23.000 und 21.000 Jahren (University of Arizona News) die herkömmliche Chronologie der Besiedlung des Kontinents seit Jahren herausfordert.
Klimawandel im menschlichen Zeitfenster am Lake Otero
Die neue Analyse geht der Frage nach, in welcher Welt diese frühen Gruppen lebten (University of Reading). Dazu entnahm ein Forschungsteam Sedimentsproben, die alten Blütenstaub sowie organische Moleküle wie Blattwachse und Membranlipide von Mikroorganismen enthielten (University of Reading). Diese Daten erlaubten es den Geowissenschaftlern, Temperatur, Niederschlag und die Trockenheit der Region zu rekonstruieren.

Jessica Tierney erklärte laut University of Arizona News, dass dies zeige, dass die lokalen Veränderungen der Trockenheit in White Sands sehr groß waren und den globalen Klimaveränderungen folgten.
Der damalige Lake Otero war ein großes Gewässer an von Nadelbäumen bestandenen Bergen (University of Reading). Innerhalb von etwa 2000 Jahren wandelte sich die Vegetation durch einen plötzlichen Temperaturanstieg von dichten Föhrenwäldern zu Eichen und Salbeibüschen (University of Arizona News), (University of Reading).
Parallele Gen-Daten und die Grenzen der DNA-Archive
Zeitlich parallel untersuchte eine andere Forschergruppe um Bethany Potter und Savannah Hay von der University of Kansas bereits veröffentlichte Daten zu alter DNA und archäologischen Befunden (Foxnews). Diese im Dezember 2026 im Fachjournal Current Opinion in Genetics & Development erscheinende Übersicht kommt zu dem Ergebnis, dass Gen-Daten eine Einwanderung nach Amerika am stärksten für das Zeitfenster zwischen 14.000 und 20.000 Jahren stützen (Foxnews). Die jahrzehntelang als Dogma geltende Clovis-First-Theorie, die eine Besiedlung erst vor rund 13.500 Jahren annahm (Foxnews), gerät dadurch weiter ins Wanken.
Dennoch klafft zwischen den genetischen Modellen und den jahrtausendealten Fußspuren weiterhin eine Lücke. Weil das genetische Archiv lückenhaft ist, könnten frühe Populationen zu Linien gehören, von denen heute keine Nachkommen mehr existieren oder deren DNA schlicht nicht im Fundgut erfasst wurde (New York Post). Die Fußabdrücke liefern deshalb Belege, die in keinem Stammbaum direkt verzeichnet sind: Menschen waren nachweislich vor Ort, während sich ihr Lebensraum rasant veränderte (Zmescience).
Einblicke in die Lebenswelt der Eiszeitmenschen
Aus Sicht der beteiligten Wissenschaftler verdeutlichen die Funde, dass die frühen Bewohner der Region Zeugen von Umwälzungen waren, die sich innerhalb eines einzigen Menschenlebens abspielten (University of Reading). Das schrumpfende Wasser des Lake Otero und der ansteigende Salzgehalt könnten dabei sogar Tiere und Pflanzen konzentriert und so den Menschen Nahrung geboten haben (University of Reading).

Laut University of Arizona News gingen während dieser gesamten Abfolge Menschen dort umher und hinterließen ihre Spuren neben denen von Mammuts, Riesenfaultieren und Schattenwölfen.
Die Spuren zeigen Menschen, die sich den extremen Bedingungen der letzten Kaltzeit anpassten und parallel zu ausgestorbenen Großtieren wie Mammuts und Riesenfaultieren wanderten (University of Arizona News). Für die Nachfahren der indigenen Bevölkerungen untermauern diese wissenschaftlichen Einblicke die mündlichen Überlieferungen und die jahrtausendealte Präsenz auf dem Kontinent (University of Arizona News).