Die Blockade-Strategie Teherans in der Straße von Hormuz
Das iranische Staatsfernsehen meldete am Mittwoch, dass ein ausländisches Containerschiff mit seiner Ladung aufgrund von flachem Wasser entlang der gewählten Route auf Grund gelaufen und nicht mehr in der Lage war, weiterzusegeln
. Die Botschaft Teherans ist dabei weniger nautischer Natur als vielmehr politisch. Wie die Associated Press berichtet, dient dieser Vorfall als Warnung an die globale Schifffahrt: Wer die von Iran diktierten Routen ignoriert, riskiert den Totalverlust.
Die iranische Revolutionsgarde hat ihre Ansprüche auf die Kontrolle der Meerenge, durch die in Friedenszeiten ein Fünftel des weltweiten Öl- und Erdgasverkehrs fließt, massiv verschärft. Die Marine der Garde hat Kapitäne, Schiffseigner und Vertreter von Reedereien weltweit wiederholt gewarnt, dass jeder Ein- oder Ausstieg über andere Routen als die „Route der Autorität“ im Persischen Golf zu irreparablen Zwischenfällen führen könnte
.
Teheran nutzt die geografische Engstelle als strategisches Druckmittel. In den letzten Tagen kam es bereits zu Angriffen auf zwei weitere Schiffe, die die Straße ohne Erlaubnis verlassen wollten, darunter ein Tanker mit Rohöl aus Katar. Damit signalisiert Iran, dass die internationale Anerkennung der Straße von Hormuz als internationale Wasserstraße für die Führung in Teheran keine Bedeutung hat.
Diplomatisches Tauziehen in Doha
Während die Spannungen auf dem Wasser steigen, versuchen die USA hinter verschlossenen Türen eine Lösung zu finden. Der US-Sondergesandte für den Nahen Osten, Steve Witkoff, und Jared Kushner, der Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, reisten am Dienstag nach Doha, Katar. Dort begannen am Mittwoch technische Gespräche zwischen Diplomaten.
Die Verhandlungen werden als indirekte Verhandlungen
geführt, bei denen die USA und der Iran Nachrichten über katarische Vermittler austauschen. Das katarische Außenministerium bestätigte ein Treffen zwischen den US-Vertretern und Außenminister Sheikh Mohammed bin Abdulrahman Al Thani. In diesem Gespräch ging es um das bestehende Interimsabkommen zusammen mit den Bemühungen zur Förderung von Sicherheit und Stabilität in der Region durch Dialog und Diplomatie
.
Trotz dieser diplomatischen Bemühungen klafft eine Lücke in der Wahrnehmung des Fortschritts. Ein hochrangiger US-Beamter erklärte gegenüber NPR:
nichts wurde abgesagt und die Gespräche sind für die kommenden Tage auf Kurs
Ein hochrangiger US-Beamter, via NPR
Im Gegensatz dazu steht die Haltung Teherans. Der stellvertretende iranische Außenminister Kazem Gharibabadi betonte am Montag, dass technische Gespräche mit den USA für diese Woche nicht geplant seien und erst stattfinden würden, wenn die Bedingungen erfüllt sind
.
Militärische Eskalationen und das Risiko eines Scheiterns
Die diplomatische Annäherung findet vor einem Hintergrund massiver militärischer Spannungen statt. Am vergangenen Wochenende kam es zu einem gefährlichen Schlagabtausch: Die Revolutionsgarde übernahm die Verantwortung für Drohnen- und Raketenangriffe auf Bahrain und Kuwait. Diese Operationen waren eine Reaktion auf neue US-Militäraktionen gegen iranische Ziele.
Diese Gewaltspirale gefährdet die Bemühungen um einen dauerhaften Waffenstillstand und stellt die schwerste Eskalation seit der Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding zu Beginn dieses Monats dar. US-Außenminister Marco Rubio versicherte den Golfstaaten während einer Tour in der Region, dass die wichtige Wasserstraße offen bleiben werde. Dem widersprach der iranische Außenminister Abbas Araghchi mit der Behauptung, die Verantwortung für die Regelungen in der Straße liege ausschließlich beim Iran.
Die aktuelle Lage lässt sich in folgenden Punkten zusammenfassen:
Die Streitfrage über Passiergebühren und Routenhoheit
Ein zentraler Knackpunkt der Verhandlungen ist die finanzielle und administrative Kontrolle über den Schiffsverkehr. Im Rahmen eines Interimsabkommens hatten sich die USA und der Iran darauf geeinigt, Schiffen für 60 Tage die Passage ohne Gebühren zu ermöglichen.
Teheran hat dieses Abkommen jedoch faktisch untergraben, indem es forderte, die Routen der Schiffe kontrollieren zu dürfen und in der Folge Gebühren für die Durchfahrt zu erheben. Dies würde eine jahrzehntelange Praxis der internationalen Schifffahrt beenden. Die USA und viele arabische Golfstaaten lehnen diese Gebühren strikt ab.
Die Instabilität erreichte am letzten Wochenende einen Höhepunkt, als ein Versuch von Oman und einer UN-Agentur, eine neue Route nahe der omanischen Küste zu etablieren, Angriffe im gesamten Nahen Osten auslöste. Der Vorfall mit dem auf Grund gelaufenen Containerschiff ist somit kein isolierter Navigationsfehler, sondern Teil eines kalkulierten Druckmittels.
Für die kommenden 30 Tage bleibt die entscheidende Frage, ob die technischen Gespräche in Doha die Differenzen über die Hoheit der Straße von Hormuz und die Situation im Libanon überbrücken können. Sollten die „Bedingungen“, von denen Teheran spricht, nicht erfüllt werden, droht die diplomatische Initiative an den Forderungen Irans nach einer vollständigen Kontrolle über eine der wichtigsten Handelsadern der Welt zu scheitern.