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Welt

Frankreich: Hälfte Million Menschen demonstrieren gegen hohe Lebenshaltungskosten

Mehr als eine halbe Million Menschen haben am Samstag in ganz Frankreich gegen hohe Lebenshaltungskosten und unzureichende Schulen demonstriert. Die Proteste eskalierten in schweren Städten zu gewaltsamen Ausschreitungen, Brandstiftungen und Plünderungen, bei denen landesweit 1.200 Personen festgenommen wurden.

Die landesweiten Märkte begannen am Samstag friedlich, wurden jedoch rasch von gewaltsamen Zwischenfällen überschattet. Gewaltsame Gruppen zielten auf öffentliche Gebäude, plünderten Luxusboutiquen und Supermärkte und griffen Polizeifahrzeuge an (ABC News). Nach Angaben von Innenminister Laurent Nunez beteiligten sich schätzungsweise 550.000 Menschen an den Kundgebungen in rund 110 Städten (ABC News). Gewerkschaften und Studentenorganisationen bezifferten die Teilnehmerzahl sogar auf 800.000 (ABC News). Die Unruhen bilden den bisher heftigsten Höhepunkt einer wochenlangen Welle von Schülerprotesten, die im September an Oberschulen wegen Lehrermangels und maroder Einrichtungen begonnen hatten (CNN). Neben den Märkten in der Hauptstadt und zahlreichen weiteren Städten wie Marseille, Nizza, Nantes, Bordeaux, Limoges, Lille, Toulouse und Strasbourg verzeichneten die Behörden massive Ausschreitungen, bei denen unter anderem Supermärkte, Apotheken, Luxusboutiquen, Bekleidungsgeschäfte, Optiker, Kosmetikläden und Elektronikgeschäfte geplündert wurden.

Firefighters extinguish a burning car along the Canal Saint-Martin
Foto: DW.com

Zerstörte Rathäuser und brennende Touristenbüros in den Städten

Die Zerstörungen erstreckten sich über zahlreiche französische Regionen. In der zentralfranzösischen Stadt Limoges wurde das historische Rathaus aus dem Jahr 1883 durch einen von Randalierern gelegten Brand schwer beschädigt. Der lokale Präfekt Maurice Barate erklärte gegenüber AFP, dass das Dach eingestürzt sei und zwei Drittel der Außenfassade vernichtet wurden (Fox News). In Marseille drangen Vermummte in das Rathaus ein, verwüsteten Räume und beschädigten Symbole (New York Post), während in Lyon das städtische Fremdenverkehrsamt in Flammen aufging (CNN).

In Paris ging die Polizei mit Tränengas gegen Gruppen vor, die auf dem Place de la République Steine und Feuerwerkskörper warfen (Fox News). Plünderer brachen zudem in Geschäfte im Zentrum ein (AFP). Premierminister Sébastien Lecornu verurteilte die Ausschreitungen scharf und gab bekannt, dass 150 Polizeibeamte verletzt und 1.200 Personen festgenommen wurden (Deutsche Welle). Innenminister Laurent Nunez wies die Verantwortung für die Unruhen extrem linken Gruppen zu und betonte, dass an den Kundgebungen in etwa 110 Städten rund 550.000 Menschen teilgenommen hatten.

Wer Vandalismus begangen, Verwaltungsgebäude oder Unternehmen angegriffen oder geplündert hat – selbst in unseren Rathäusern –, wird strafrechtlich verfolgt und bestraft.

Präsident Emmanuel Macron, via AFP

Hintergrund der Proteste und politische Reaktionen

Die Demonstrationen wurden von der Gewerkschaft CGT, Studentenverbänden und Unterstützern der vor acht Jahren entstandenen Gelbwesten-Bewegung getragen (AFP) (ABC News). Auslöser sind neben Schulproblemen vor allem die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten, angetrieben durch Energie-, Benzin- und Lebensmittelpreise (ABC News). Etwa 45 Prozent der Franzosen sorgen sich Umfragen zufolge um ihre Kaufkraft (ABC News). Gleichzeitig blickt das Land auf bevorstehende Wahlen in sechs Monaten, bei denen über die Nachfolge von Präsident Emmanuel Macron entschieden wird, während in mehreren europäischen Ländern wie Belgien, Portugal und Italien ebenfalls Proteste gegen steigende Lebenshaltungskosten verzeichnet wurden.

Die politische Opposition reagierte unmittelbar auf die Ereignisse. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen, die in den Umfragen für die Präsidentschaftswahl führt, positionierte ihre Partei National Rally an der Seite der Polizei. Konservative Politiker wie der ehemalige Premierminister Edouard Philippe verurteilten ebenfalls scharf diejenigen, die Dinge zerstören, in Brand setzen oder Menschen angreifen.

Frankreich: Hälfte Million Menschen demonstrieren gegen hohe Lebenshaltungskosten
Foto: ABC News & Headlines

Kritik an Polizeieinsätzen und Verletzte bei Demonstrationen

Neben den Randalen steht auch das Vorgehen der Sicherheitskräfte in der Kritik. Die Polizeiaufsicht untersucht mindestens zwei Dutzend Vorfälle mutmaßlicher unverhältnismäßiger Polizeigewalt (The Times of Israel) (ABC News). Unter anderem verlor ein Jugendlicher im Laufe der anhaltenden Proteste eine Hand durch eine Polizeigranate, was das Innenministerium zur teilweisen Aussetzung bestimmter Blendgranaten veranlasste (CBS News). Auch am Samstag kam es Berichten zufolge zu schweren Verletzungen bei Demonstranten, während die Unruhen im Vorfeld der in sechs Monaten anstehenden Präsidentschaftswahlen das politische Klima im Land weiter anspannen (AFP) (CNN). Premierminister Sebastien Lecornu erklärte hierzu, dass bei Protesten bereits Polizeibeamte verletzt worden waren und die aktuellen Märkte von einer harten Konfrontation zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten geprägt wurden.

Frankreich: Hälfte Million Menschen demonstrieren gegen hohe Lebenshaltungskosten
Foto: Aljazeera
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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