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Gesundheit

Forscher entdecken überraschenden Effekt bei Mückenspray

Forscher der Universität Tours in Frankreich haben nachgewiesen, dass Gelbfiebermücken den Wirkstoff DEET durch Konditionierung mit Nahrung verknüpfen können. In einer im „Journal of Experimental Biology“ veröffentlichten Studie lernten die Insekten, den eigentlich abschreckenden Geruch des Mückensprays als Signal für eine Blutmahlzeit zu interpretieren, was die Schutzwirkung unter speziellen Bedingungen aufhebt.

Die Pawlow-Methode im Labor: Wie Mücken lernen

Die biologische Abwehr gegen Stechinsekten basierte bisher auf der Annahme, dass bestimmte chemische Reize eine instinktive Fluchtreaktion auslösen. Doch ein Forschungsteam der Universität Tours in Frankreich und der Virginia Tech in den USA hat dieses Paradigma in Frage gestellt. Wie science.ORF.at berichtet, untersuchten die Wissenschaftler, ob die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) in der Lage ist, ihre natürliche Abneigung gegen den Wirkstoff DEET zu überwinden.Die Methodik orientierte sich an den klassischen Experimenten von Iwan Pawlow. In einem kontrollierten Setting wurden weibliche Mücken hinter einem feinmaschigen Netz fixiert. Vor ihnen befand sich ein Beutel mit warmem Schafsblut. Während die Insekten fütterten, setzten die Forscher in den letzten zehn Sekunden der Mahlzeit gezielt den Geruch von DEET in das Gehege. Dieser Prozess wurde mehrfach wiederholt, um eine feste neuronale Verknüpfung zwischen dem chemischen Reiz und der Belohnung – dem Blut – herzustellen.

Wenn der Schutz zum Lockstoff wird

Wenn der Schutz zum Lockstoff wird
cluster (priority): Spiegel
Die Ergebnisse der Konditionierung waren drastisch. Nachdem die Mücken lediglich vier Durchgänge dieser Trainingseinheiten absolviert hatten, änderte sich ihr Verhalten grundlegend. In Tests, bei denen nur der Geruch von DEET ohne die Anwesenheit von Blut präsentiert wurde, versuchten fast 60 Prozent der Tiere, zuzustechen.Besonders aufschlussreich war ein Experiment mit menschlichen Händen. Während untrainierte Mücken die mit DEET behandelte Hand konsequent mieden, stürzten sich die konditionierten Tiere gezielt auf die besprühte Hand. Laut Berichten von web.de ließen die Insekten sich durch den Geruch des Insektensprays förmlich „verrückt spielen“. Die Forscher konnten diesen Effekt sogar auf zuckerhaltige Belohnungen übertragen, was beweist, dass es sich um einen allgemeinen Lernmechanismus und nicht um eine spezifische Reaktion auf Blut handelt.

Der Paradoxon des Goldstandards

Der Paradoxon des Goldstandards
cluster (priority): science.ORF.at
Für viele Nutzer mag diese Entdeckung alarmierend wirken: Zieht mein Mückenspray die Plagegeister erst recht an? Die Antwort der Wissenschaft lautet: In der freien Natur ist dies höchst unwahrscheinlich. DEET gilt seit 80 Jahren als einer der effektivsten Wirkstoffe weltweit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt ihn nach wie vor für Reisen in Regionen, in denen Malaria, Dengue oder Zika grassieren.Wie SWR3 in einem Faktencheck erläutert, handelt es sich bei den Beobachtungen um reine Laborergebnisse. Die Verhaltensumkehr wurde unter extrem spezifischen Bedingungen provoziert, die im Alltag so nicht vorkommen. In der Natur gibt es keine konsistente Kopplung von DEET-Geruch und einer garantierten Blutmahlzeit, die eine solche Konditionierung in großem Stil auslösen würde.„Unsere Versuche wurden im Labor unter ganz bestimmten Bedingungen durchgeführt, die darauf abzielten, diese Art der Verhaltensumkehr hervorzurufen.“ Claudio Lazzari, Forscher an der Universität Tours

Die langfristige Wirksamkeit und ihre Grenzen

Die langfristige Wirksamkeit und ihre Grenzen
cluster (priority): SWR3
Trotz der Entwarnung für den Alltag liefert die Studie einen wichtigen theoretischen Beitrag zum Verständnis der Insektenintelligenz. Sie zeigt, dass Mücken wesentlich lernfähiger sind, als die Wissenschaft bisher annahm. Die Implikation ist klar: Die Wirksamkeit eines Repellents ist kein statischer Zustand, sondern kann durch wiederholte Exposition und entsprechende Reize sinken.Wie der Spiegel berichtet, führt die wiederholte Interaktion mit dem Wirkstoff unter bestimmten Umständen dazu, dass die abschreckende Wirkung schwindet.„Wenn Mücken wiederholt mit DEET in Kontakt kommen, verliert es seine abwehrende Wirkung“ Claudio Lazzari, Forscher an der Universität ToursDiese Erkenntnis könnte langfristig dazu führen, dass die Strategien zur Insektenabwehr diversifiziert werden. Anstatt sich auf einen einzigen Wirkstoff zu verlassen, könnte ein Wechsel der Repellents oder die Kombination verschiedener Schutzmaßnahmen die Wahrscheinlichkeit einer lokalen „Gewöhnung“ oder Konditionierung der Insektenpopulationen verringern.Für den Moment bleibt die Empfehlung bestehen: DEET ist weiterhin ein zuverlässiger Schutz. Die Studie warnt nicht vor dem Produkt, sondern illustriert die Anpassungsfähigkeit der Natur. Wer in Risikogebieten reist, sollte weiterhin auf die Empfehlungen der Gesundheitsbehörden setzen und bei Unsicherheiten bezüglich der Wirksamkeit einen Arzt oder Tropenmediziner konsultieren.
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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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