Der viertklassige Fleetwood Town hat am Mittwoch nach einem 1:1 nach regulärer Spielzeit im Elfmeterschießen gegen den englischen Meister FC Arsenal eine der größten Überraschungen im League Cup perfekt gemacht und den Premier-League-Spitzenreiter aus dem Turnier geworfen.
Im Achtelfonale des Carabao Cups prallten am Mittwoch zwei völlig verschiedene Welten aufeinander. Auf der einen Seite stand der Premier-League-Champion FC Arsenal, auf der anderen der Tabellen18. der vierten Liga, Fleetwood Town. Getrennt von 84 Positionen im englischen Fußballpyramidensystem schienen die Rollen im heimischen Highbury Stadium, das gerade einmal 5.300 Fans fasst, klar verteilt. Arsenal-Trainer Mikel Arteta schonte Akteure wie Bukayo Saka, Declan Rice und Gabriel, bot jedoch dennoch eine wettbewerbsfähige Startelf auf und verhalf dem 18-jährigen Ceadach O’Neill zu seinem Profidebüt, während Neuzugang Illan Meslier das Tor hütete.
Tore durch Loupalo-Bi und Gyökeres
Die Gastgeber dachten jedoch nicht daran, kampflos aufzugeben. Zwar übernahm Arsenal sofort die Spielkontrolle, biss sich an der tiefen Abwehr des Außenseiters jedoch lange die Zähne aus.
Nachdem Fleetwood erste Annäherungsversuche von Piero Hincapie, Myles Lewis-Skelly und Max Dowman unbeschadet überstanden hatte, schlug der Außenseiter eiskalt zu. Aaron Loupalo-Bi behauptete den Ball in der 21. Minute stark unter Bedrängnis und ließ Schlussmann Meslier mit einem Flachschuss ins rechte untere Eck keine Chance.
Mit der knappen Führung im Rücken verteidigte der Underdog leidenschaftlich bis zur Pause. Arteta reagierte zur Halbzeit mit einem Doppelwechsel und brachte unter anderem Kapitän Martin Ødegaard ins Spiel. Der Norweger brachte sofort neue Ideen, um den dichten Abwehrblock zu durchbrechen. Nur fünf Minuten nach Wiederanpfiff zahlte sich das aus: Viktor Gyökeres stocherte den Ball in der 50. Minute mit etwas Glück zum verdienten 1:1-Ausgleich über die Linie.
Platzverweis für Dowman und Dramatische Schlussphase
In der Schlussphase drängte Arsenal auf den Siegtreffer, doch Fleetwood warf alles nach vorne, um das Elfmeterschießen zu erreichen. Hektik kam in der 86. Minute auf, als das Arsenal-Sturmtalent Max Dowman nach einem Zweikampf mit Harrison Neal die Rote Karte sah, weil er in Richtung des Mittelfeldspielers trat. Der Vorfall sorgte für heftige Diskussionen unter Experten.
Hätten sie den VAR gehabt, hätten sie sich das vielleicht noch einmal angesehen. Der Junge tut mir leid. Er ist 16, hatte nicht den besten Abend, ist etwas frustriert und hat wegetreten.
Paul Merson, Arsenal-Legende, via Nine
Auch der frühere Everton-Mittelfeldspieler Leon Osman äußerte sich zu der Szene und der robusten Gangart:.
Am besten lässt sich das mit einem wuchtigen Tackling aus der League Two und einer Reaktion aus der Premier League darauf beschreiben. Man sieht in der Premier League nicht oft Leute so in Zweikämpfe fliegen. Sie verhalten sich eben auf eine bestimmte Art und Weise. In der League Two gehört das zum Fußballgeschäft dazu.
Leon Osman, ehemaliger Premier-League-Spieler, via Nine
Elfmeterkrimi und Reaktionen zum Historischen Sieg
In Unterzahl drückte Arsenal weiter, doch Fleetwood-Torhüter Jay Lynch parierte stark gegen Ben White und Martin Ødegaard, während ein Kopfball von Kai Havertz knapp am Tor vorbeistrich. Im anschließenden Elfmeterschießen avancierte Lynch zum Matchwinner. Er parierte den vierten Strafstoß von Brasiliens Nationalspieler Bruno Guimarães, ehe der 19-jährige Conor Haughey den entscheidenden Elfmeter verwandelte und den Einzug ins Viertelfinale perfekt machte.
Die Enttäuschung bei den Gunners wog nach der Partie schwer. Auf Seiten des Underdogs herrschte nach dem Schlusspfiff pure Ekstase. Fleetwood-Trainer Matt Lawlor sprach von the biggest night in the club’s history in terms of opposition coming to town, and we’ve managed to beat the champions
. Torhüter Lynch verriet zudem, dass sich das Team an einem anderen legendären Pokal-Coup orientiert hatte: We took heart from Grimsby beating Man United last year. We kind of compared it. Amazing for the club, the town. Honestly, it means everything to everyone.
Ein wirklich trauriger Tag für uns. Wir tragen eine enorme Verantwortung, dieses Wappen auf bestmögliche Weise zu vertreten. Es hatte nichts mit Einsatz, Fleiß oder dem Willen zu tun, das Spiel zu gewinnen, aber uns fehlten andere Dinge.
Mikel Arteta, Arsenal-Trainer, via Nine
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