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Technik und Wissenschaft

FASD verursacht in Baden-Württemberg Milliardenkosten pro Jahrgang

Fötale Alkoholspektrumstörungen verursachen in Baden-Württemberg für einen einzigen Geburtsjahrgang geschätzte Lebenszeitkosten von bis zu 53,1 Milliarden Euro. Die von der AOK Baden-Württemberg unabhängig ermittelten Zahlen unterstreichen die enorme wirtschaftliche Tragweite von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft für die gesamte Gesellschaft.

Milliardenschwere Gesamtkosten für einen einzigen Geburtsjahrgang

Die AOK Baden-Württemberg hat erstmals die Lebenszeitkosten von Fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD) wissenschaftlich untersuchen und durch eine unabhängige Hochrechnung ermitteln lassen. Demnach belaufen sich die Gesamtkosten für einen einzigen betroffenen Geburtsjahrgang auf schätzungsweise 49,6 bis 53,1 Milliarden Euro. Heruntergebrochen auf eine einzelne Person bedeutet dies Kosten von rund 3,9 Millionen Euro über die gesamte Lebensdauer.

Um diese Ausgaben in einer aktuellen Modellrechnung abzubilden, werden in der Zukunft entstehende Kosten auf einen heutigen Vergleichswert umgerechnet, wobei spätere Beträge geringer gewichtet werden. Unter diesen Annahmen ergibt sich eine Spannbreite von rund 0,9 bis 1,5 Millionen Euro pro betroffenen Menschen beziehungsweise 11,1 bis 19,8 Milliarden Euro für einen gesamten Geburtsjahrgang. Selbst unter vorsichtigen Berechnungen bleibt die wirtschaftliche Belastung für die Gesellschaft damit erheblich, wie die AOK Baden-Württemberg in ihrer Veröffentlichung darlegt.

Wirtschaftliche Faktoren und fehlende Posten in der Modellrechnung

In das zugrundeliegende Kostenmodell flossen vor allem spezifische Ausgaben für unterstütztes Wohnen, sonderpädagogische Förderung, psychiatrische Versorgung, alkoholbezogene Folgeerkrankungen sowie Produktivitätsverluste ein. Dennoch deckt diese Summe bei weitem nicht alle Bereiche ab. Zahlreiche weitere potenzielle Kostenfaktoren blieben bei der Erhebung unberücksichtigt.

Die tatsächliche gesellschaftliche Belastung dürfte nach Einschätzung der Verantwortlichen noch höher liegen.

  • Allgemeine medizinische Versorgung
  • Pflege durch Angehörige
  • Vorzeitige Sterblichkeit
  • Einschränkungen der Lebensqualität

Alkohol in der Schwangerschaft zählt zu den häufigsten vermeidbaren Ursachen für lebenslange gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Kindern. Umso wichtiger sei eine frühzeitige Prävention bereits vor und während der Schwangerschaft, betont Gordana Marsic laut der Pressemitteilung der Krankenkasse. Die AOK verfügt mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart über eine breite Basis. Grundlage der Berechnungen sind unter anderem Daten aus dem AOK-Programm „Familienglück Plus, das Frauen bereits bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft strukturiert berät und begleitet.

Dunkelziffern und internationale Vergleiche zum Alkoholkonsum

Das tatsächliche Ausmaß des Alkoholkonsum in der Schwangerschaft lässt sich nur schwer exakt beziffern, jedoch deuten verschiedene Untersuchungen auf eine erhebliche Dunkelziffer hin. Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) liegt der Anteil schwangerer Frauen, die Alkohol konsumieren, in einigen deutschen Regionen bei bis zu 38 Prozent.

Wie stark die Wahrnehmung von der Realität abweichen kann, verdeutlicht eine Untersuchung von Siedentopf und Kollegen: Damals gab lediglich eine von 125 befragten Schwangeren an, Alkohol zu trinken. Eine begleitende Urinanalyse wies jedoch bei neun Frauen das Vorhandensein von Ethanol nach – das entspricht gut 7 Prozent. International schätzen Popova und Kollegen zudem, dass weltweit etwa 9,8 Prozent der Schwangeren Alkohol konsumieren und von diesen Frauen im Schnitt jede 67. ein Kind mit dem Vollbild des Fetalen Alkoholsyndroms (FAS) zur Welt bringt.

„Diese Zahlen machen auf eindrückliche Weise sichtbar, was für uns als Krankenkasse jeden Tag selbstverständliche Praxis ist: Prävention lohnt sich – gesundheitlich für die Kinder und ihre Familien, aber eben auch gesellschaftlich und ökonomisch.“

Gordana Marsic, Vorsitzende des Vorstands der AOK Baden-Württemberg

Nationale Maßnahmen zur Prävention und kindlichen Entwicklung

Zur Bekämpfung und Aufklärung unterstützt das CDC ein Netzwerk nationaler Partnerorganisationen für den Zeitraum vom 30. September 2022 bis zum 29. September 2027 im Rahmen des Programms CDC-RFA-DD22-2201.

Zudem widmete sich ein als Machbarkeitsprojekt angelegtes Vorhaben namens I-FASD (CDC-RFA-DD22-2202) der Aufgabe, klinische Daten zu verstehen und Wege zur Überwachung von Kindern mit Fetalen Alkoholspektrumstörungen zu finden, wozu auch Institutionen wie Emory University und das Gesundheitsministerium von Minnesota (Minnesota Department of Health) als Empfänger für den Zeitraum vom 1. September 2022 bis zum 31. August 2025 beitrugen. Ein weiteres Projekt in Zusammenarbeit mit dem Administration for Children and Families (ACF) Children’s Bureau zielte darauf ab, die Gesundheits- und Entwicklungsergebnisse von Kindern im Jugendfürsorgesystem zu verbessern, die vor ihrer Geburt Alkohol und anderen Drogen ausgesetzt waren. Die Bundesbehörde stellt hierzu online Hilfsmittel bereit, um Fachkräfte, Familien und kommunale Anbieter bei der Unterstützung betroffener Kinder zu schulen.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.