Die Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder verlangt seit 2026 von Universitäten, die um Spitzenförderung als Exzellenzuniversität oder -cluster bewerben, besonders hohe Standards bei Diversity und Gleichstellung nachzuweisen.
Neuausrichtung der Exzellenzstrategie durch Diversitätskriterien
Seit der Neuausschreibung der Exzellenzstrategie im Jahr 2024 hat sich der Fokus der Förderung deutlich verschoben: Neben wissenschaftlicher Exzellenz und internationaler Wettbewerbsfähigkeit sind nun auch strukturelle Merkmale wie Diversität und Gleichstellung zu den entscheidenden Kriterien geworden. Die Exzellenzstrategie ist das größte deutsche Forschungsprogramm und wird gemeinsam vom Bund und den Ländern finanziert, um die Spitzenforschung in Deutschland zu stärken und die Sichtbarkeit der Universitäten im globalen Wettbewerb zu erhöhen.
Laut den aktuellen Ausschreibungsunterlagen des Wissenschaftsrats müssen Universitäten und Verbünde, die um die Aufnahme in die Förderlinie Exzellenzuniversitäten bewerben, nachweisen, dass sie gezielte Maßnahmen zur Förderung von Chancengleichheit und Vielfalt in Forschung und Lehre umsetzen. In diesem Prozess arbeitet der Wissenschaftsrat eng mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zusammen, wobei der Wissenschaftsrat die inhaltliche Begutachtung der Anträge übernimmt. Die Frist für die Einreichung von Neuanträgen lief im November 2025 ab, und die Entscheidungen über die Aufnahme neuer Standorte stehen für Oktober 2026 an.
Wissenschaftliche Innovationskraft durch kognitive Vielfalt
Die Exzellenzstrategie zielt darauf ab, deutsche Universitäten als globale Spitzenreiter zu etablieren. Doch wie die Universität Konstanz in ihrem Konzept „Universität Konstanz – creative.together“ zeigt, sind Gleichstellungsprogramme längst kein optionales Beiwerk mehr, sondern eine tragende Säule erfolgreicher Anträge. Die Universität Konstanz betont, dass ihre Gleichstellungsmaßnahmen nicht nur der gesetzlichen Verpflichtung entsprechen, sondern auch die wissenschaftliche Qualität und Innovationskraft der Forschung stärken. „Gleichstellung ist kein Selbstzweck, sondern ein Erfolgsfaktor für die Exzellenzinitiative“, heißt es in den Unterlagen des Gleichstellungsreferats der Universität Konstanz.
Dieser Ansatz basiert auf der Erkenntnis, dass Diversität die kognitive Vielfalt innerhalb von Forschungsteams erhöht, was wiederum die Problemlösungskompetenz und die Kreativität in der Wissenschaft steigert. Für eine Reformuniversität wie Konstanz bedeutet dies, dass die Öffnung der Institution für verschiedene Lebensentwürfe und Hintergründe direkt mit dem Ziel der interdisziplinären Spitzenforschung verknüpft wird.
Die aktuelle Ausschreibung des Wissenschaftsrats unterstreicht diese Entwicklung: Universitäten müssen nachweisen, dass sie gezielt Benachteiligungen abbauen, Karrierewege für unterrepräsentierte Gruppen öffnen und eine Kultur der Vielfalt in Forschung und Lehre etablieren. Dies umfasst etwa die Förderung von Frauen in Führungspositionen, die Unterstützung von Wissenschaftler:innen mit Migrationshintergrund oder die Schaffung inklusiver Arbeitsbedingungen für Menschen mit Behinderungen. Dabei wird insbesondere auf die Durchlässigkeit der Karrierewege geachtet, um den sogenannten „Leaky Pipeline“-Effekt zu bekämpfen, bei dem qualifizierte Frauen und Minderheiten in den höheren Karrierestufen der Wissenschaft unterrepräsentiert sind.
Herausforderungen der strukturellen Implementierung an Hochschulen
Die Anforderungen an Diversität und Gleichstellung sind für viele Hochschulen eine Herausforderung. Während einige, wie die Universität Konstanz, bereits seit Jahren systematisch Gleichstellungsarbeit betreiben, müssen andere ihre Strukturen kurzfristig umbauen. Die aktuelle Runde der Exzellenzstrategie sieht vor, dass Universitäten nicht nur statistische Daten vorlegen, sondern auch konkrete Maßnahmen und deren Wirkung nachweisen müssen. Dies umfasst etwa die Einrichtung von Gleichstellungsbeauftragten, die Entwicklung von Mentoring-Programmen für Nachwuchswissenschaftler:innen oder die Schaffung von familienfreundlichen Arbeitsbedingungen.
Zu den geforderten Nachweisen gehören oft detaillierte Konzepte zum Gender-Mainstreaming sowie Strategien zur Barrierefreiheit. Hochschulen müssen darlegen, wie sie bei Berufungsverfahren sicherstellen, dass Diversitätskriterien nicht nur formal, sondern effektiv berücksichtigt werden. Dies kann die Implementierung von Tenure-Track-Systemen beinhalten, die eine transparentere und fairere Karriereplanung ermöglichen, oder die Einführung von spezifischen Förderprogrammen für Wissenschaftler:innen, die Erwerbsbiografien mit Betreuungszeiten aufweisen.
Die Universität Konstanz zeigt, wie Gleichstellung und Diversität in die strategische Ausrichtung einer Hochschule integriert werden können. Ihr Konzept „creative.together“ verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit sozialer Verantwortung und hat bereits in der Vergangenheit zu erfolgreichen Anträgen in der Exzellenzinitiative beigetragen. Für andere Hochschulen könnte dies ein Vorbild sein, wie sie die neuen Anforderungen der Exzellenzstrategie umsetzen können, indem sie Diversität als integralen Bestandteil ihrer wissenschaftlichen Identität begreifen und nicht als reine Compliance-Aufgabe.
Zukunftsfähigkeit des deutschen Wissenschaftsstandorts im globalen Wettbewerb
Was kommt als Nächstes?
Die Entscheidungen über die Aufnahme neuer Exzellenzuniversitäten und -cluster stehen für den 2. Oktober 2026 an. Dann wird sich zeigen, welche Hochschulen die hohen Anforderungen an wissenschaftliche Exzellenz und strukturelle Vielfalt erfüllen konnten. Besonders spannend wird sein, wie sich die neuen Kriterien auf die Zusammensetzung der geförderten Standorte auswirken. Während einige Universitäten bereits seit Jahren auf dem Weg sind, andere müssen sich kurzfristig anpassen – eine Entwicklung, die den deutschen Wissenschaftsstandort nachhaltig prägen wird.
Die Exzellenzstrategie ist damit nicht nur ein Förderprogramm, sondern ein Indikator für die Zukunftsfähigkeit deutscher Universitäten. Da der Wettbewerb um internationale Talente zunimmt, wird die Fähigkeit, ein inklusives und gerechtes Arbeitsumfeld zu schaffen, zu einem entscheidenden Standortvorteil. Wer heute in Diversität und Gleichstellung investiert, sichert morgen die wissenschaftliche Spitzenposition.
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