Der europäische Dachverband rheumatologischer Fachgesellschaften hat im März 2026 aktualisierte Leitlinien für das Management der rheumatoiden Arthritis veröffentlicht. Die von der Medizinischen Universität Wien koordinierten Empfehlungen legen den Fokus auf den strukturierten Treat-to-Target-Ansatz, die Methotrexat-Erstlinientherapie sowie eine präzisierte Risikobewertung bei modernen Wirkstoffen.
Die Behandlung von chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen erfährt durch ein umfassendes internationales Update eine deutliche Neuausrichtung. Der europäische Dachverband rheumatologischer Fachgesellschaften veröffentlichte die neuen Leitlinien im März 2026 in der Fachzeitschrift Annals of the Rheumatic Diseases. Rund 18 Millionen Menschen sind weltweit von rheumatoider Arthritis betroffen, für die das Regelwerk nun einen präzisierten und stärker personalisierten Rahmen absteckt. Die Behandlung der rheumatoiden Arthritis entwickelt sich mit den Fortschritten in der Therapie und der klinischen Evidenz stetig weiter.
Internationale Arbeitsgruppe unter Wiener Leitung erarbeitet neues Regelwerk
Hinter der groß angelegten Initiative steht ein Zusammenschluss von 50 Expertinnen und Experten, die im Auftrag der EULAR (European Alliance of Associations for Rheumatology) tätig waren. Neben dem Leiter der Arbeitsgruppe und Daniel Aletaha, dem Leiter der Klinischen Abteilung für Rheumatologie der MedUni Wien, wirkten auch Forscher wie Christopher E Edwards an der Publikation mit. Unter dem Titel „EULAR recommendations for the management of rheumatoid arthritis with synthetic and biologic disease-modifying antirheumatic drugs: 2025 updatewurde die Arbeit publiziert.

Die Publikation stützt sich auf fünf übergeordnete Prinzipien und formuliert insgesamt neun konkrete Empfehlungen für den klinischen Alltag, wie die Berichterstattung über das Regelwerk ausführt. Im Zentrum steht dabei die Abkehr von starren Einzelsubstanz-Schemata hin zu einer konsequenten Optimierung von Behandlungsstrategien. In den letzten Jahren hat sich das Spektrum für die Therapie der rheumatischen Erkrankung erheblich erweitert und umfasst nun konventionelle synthetische, biologische und zielgerichtete synthetische krankheitsmodifizierende Antirheumatika.
Methotrexat bleibt Eckpfeiler der Erstlinientherapie
Beim schrittweisen Vorgehen der medikamentösen Intervention setzt das Update auf bewährte Grundstrukturen. Methotrexat fungiert weiterhin als bevorzugte Initialtherapie für Patientinnen und Patienten mit neu diagnostizierter Erkrankung. Sollten Kontraindikationen gegen Methotrexat vorliegen, benennen die Leitlinien Leflunomid oder Sulfasalazin als Alternativen der ersten Wahl.
Glukokortikoide erhalten ihren Platz ausschließlich als kurzfristige Überbrückungstherapie. Sie sollen gezielt und rasch ausgeschlichen werden, um akute Entzündungsschübe abzufedern und langfristige Nebenwirkungen zu minimieren. Bei unzureichendem Ansprechen sieht das Stufenkonzept vor, biologische krankheitsmodifizierende Antirheumatika einzusetzen.
Strengere Risikoprüfung bei JAK-Inhibitoren und Dosisreduktion bei Remission
Das überarbeitete Regelwerk steckt die therapeutischen Pfade für Rheumatologen und Betroffene neu ab, wobei eine vollständige Heilung nach wie vor selten bleibt.
Erreicht eine Patientin oder ein Patient eine anhaltende Remission, sehen die neuen Leitlinien vor, die Basistherapie fortzusetzen. Bei anhaltender Remission wird nun eine Dosisreduktion einem vollständigen Abbruch vorgezogen, um dem erneuten Auftreten von Krankheitsschüben vorzubeugen
, erklärt Smolen zu dieser wesentlichen Anpassung.
Mit diesem Update wollen wir klare, evidenzbasierte Leitlinien bereitstellen, die sowohl den Fortschritt bei den verfügbaren Therapien als auch die Komplexität der heutigen Behandlung von rheumatoider Arthritis widerspiegeln.
Josef Smolen, Klinische Abteilung für Rheumatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien
Ein zentraler Bestandteil der EULAR-Empfehlungen ist die strukturierte Überwachung des Therapieerfolgs durch eine engmaschige Therapiekontrolle.
Die Umsetzung dieser europäischen Therapieempfehlungen und Fragen der medikamentösen Remission stehen auch im Fokus künftiger Fachveranstaltungen. So widmet sich unter anderem die Bundesapothekerkammer im Rahmen des Kongresses Pharmacon Schladming vom 17. bis 21. Januar 2027 der Pharmakotherapie und der praktischen Anwendung der Leitlinienvorgaben. Bei Fragen zu individuellen Behandlungsplänen oder Therapiewechseln sollten Betroffene stets qualifizierte Fachärzte oder Rheumatologen konsultieren.
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