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Technik und Wissenschaft

Erste intakte Bestattungen in Göbekli Tepe entdeckt

An der weltbekannten Fundstätte Göbekli Tepe im Südosten der Türkei haben Archäologen zum ersten Mal intakte Gräber freigelegt. Die rund 10.000 Jahre alten Bestattungen könnten nach Angaben von Forschern ein langjähriges Rätsel um verstreute Menschenknochen an der historischen Stätte lösen. An den Ausgrabungen und der aktuellen Studie ist das Deutsche Archäologische Institut maßgeblich beteiligt.

Hintergrund und Bedeutung der Fundstätte

Göbekli Tepe liegt etwa 15 Kilometer nordöstlich der Stadt Şanlıurfa und gilt als eine der ältesten Monumentalanlagen der Welt. Die zum UNESCO-Welterbe gehörende Anlage ist berühmt für ihre runden Steinkreise und bis zu 5,5 Meter hohen, T-förmigen Pfeiler, die teilweise mit Reliefs wilder Tiere verziert sind. Der Siedlungshügel wuchs über rund 1.600 Jahre, von etwa 9600 bis 8000 vor Christus.

Lange Zeit galt der Ort vor allem als reines Heiligtum, an dem sich Jäger und Sammler für Rituale versammelten. Neuere Grabungen brachten jedoch immer mehr Wohngebäude und Spuren alltäglicher Arbeit zutage, womit sich das Bild der legendären Fundstätte gewandelt hat. Forscher gehen heute davon aus, dass Menschen dort über die gesamte Nutzungszeit hinweg wohnten.

Das Rätsel der verstreuten Menschenknochen

Seit Beginn der wissenschaftlichen Ausgrabungen im Jahr 1995 fanden Archäologen immer wieder verstreute und stark beschädigte Menschenknochen in den Verfüllungen der großen Monumentalbauten. Insgesamt registrierten die Forscher 928 einzelne Fragmente von Männern, Frauen und Kindern aller Altersgruppen.

Die neu entdeckten Gräber

Das erste Grab wurde bereits im Jahr 2017 bei Bauarbeiten für einen Entwässerungskanal entdeckt. Unter dem Kalkestrich eines rechteckigen Gebäudes befand sich eine nierenförmige Grube mit den Überresten von mindestens drei Personen: einer Frau von mindestens 35 Jahren, einem Mann zwischen 20 und 30 Jahren sowie einem Mädchen im Alter von 11 bis 14 Jahren. Knochen einer vierten Person wurden ebenfalls in Betracht gezogen.

The First Human Burials Have Been Excavated At Göbekli Tepe, Challenging Old Theories About The 11,500-Year-Old Site
Foto: iflscience.com

Eine zweite Bestattung umfasst ein Einzelgrab mit einer jungen Frau in den Zwanzigern oder frühen Dreißigern, die in einer zusammengekauerten Position auf der Seite lag.

Neue Erkenntnisse zur Entstehung der Knochenfragmente

Der Zustand der Knochen in den beiden neuen Gräbern weist starke Ähnlichkeiten mit den verstreuten Funden aus den Monumentalbauten auf: Die Gebeine waren stark gebrochen, mit harten Kalkablagerungen überzogen und wiesen Spuren von Nagetieren auf.

Erste intakte Bestattungen in Göbekli Tepe entdeckt
Foto: forschung-und-wissen.de

Die Forscher schlussfolgern daraus, dass Boden- und Umwelteinflüsse wie Erddruck, Kalkablagerungen und Tiere ausreichen, um Knochen stark zu beschädigen, ohne dass eine absichtliche Zerschlagung durch Menschen zwingend erforderlich war. Die neue Studie legt daher nahe, dass Erosion und Erdrutsche Knochen aus ursprünglichen Hausbestattungen hangabwärts in die großen Anlagen trugen. Ein ritueller Hintergrund ist damit zwar nicht gänzlich ausgeschlossen, verliert aber an Alleingültigkeit.

Göbekli Tepe – Der erste Tempel der Menschheit
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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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