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Welt

Er kroch den Berg hinunter“ – Vermisster Bergführer nach sechs Tagen lebend gefunden

Dawa Sherpa, ein erfahrener nepalesischer Bergführer, wurde am 4. Juni 2026 lebend in der Nähe des Mount-Everest-Basislagers gefunden, nachdem er sechs Tage lang in der Todeszone verschollen war. Der als Hillary Dawa Sherpa bekannte Guide überlebte ohne Sauerstoff und kaum Nahrung, bevor er aus eigener Kraft fast bis zum Basislager kroch.

Die Geschichte von Hillary Dawa Sherpa ist mehr als nur ein glücklicher Zufall; sie ist eine medizinische und physische Anomalie. In einer Höhe, in der der menschliche Körper buchstäblich abstirbt, überstand der Bergführer – je nach Quelle 52 oder 57 Jahre alt – fast eine Woche in Isolation. Während seine Familie in Kathmandu bereits Trauerrituale vorbereitete, kämpfte er gegen Erfrierungen und extreme Erschöpfung.

Der Moment der Trennung am Abstieg

Der Moment der Trennung am Abstieg
Photo: 20 Minuten
Die Odyssee begann am 29. Mai, als Dawa Sherpa gemeinsam mit dem britischen Bergsteiger Chris Thrall den Gipfel des Mount Everest erreichte. Der kritische Wendepunkt folgte am nächsten Morgen während des Abstiegs von Camp 4, unmittelbar unterhalb der sauerstoffarmen Todeszone. Laut einem Bericht von Welt hielt Sherpa kurz inne, um eine Pause zu machen und seine schwere Last abzusetzen. Thrall habe sich nach seinem Befinden erkundigt, woraufhin Sherpa ihn ermutigte, den Weg fortzusetzen. Kurz darauf geriet Thrall in eine Situation, die die Dynamik des Abstiegs veränderte: Er traf auf einen polnischen Bergsteiger, der ohne zusätzlichen Sauerstoff litt und Erfrierungen an den Fingern aufwies. Anstatt zu Dawa Sherpa zurückzukehren, entschied sich Thrall, dem Polen beim Abstieg zu Camp 3 zu helfen. Diese Entscheidung verlängerte den Abstieg auf elf Stunden, doch zu diesem Zeitpunkt war der Kontakt zu Sherpa bereits abgebrochen. Die Folgen dieser Trennung waren fatal. In einer Höhe von fast 8.000 Metern, wo die Luft zu dünn ist, um den Organismus aufrechtzuerhalten, wurde Sherpa allein gelassen. Er selbst beschrieb die Situation später als einen Moment der totalen Hilflosigkeit, als sein Sauerstoffvorrat zur Neige ging und er nicht mehr in der Lage war, zu gehen.

Tage im Eis: Überlebensstrategien in der Todeszone

Tage im Eis: Überlebensstrategien in der Todeszone
Photo: Alpin
Die Überlebensstrategie von Hillary Dawa Sherpa glich einem verzweifelten Kampf gegen die Natur. Er berichtete, auf seinem Weg nach unten in eine Gletscherspalte gestürzt zu sein, in der er zwei Tage lang feststeckte. Erst nachdem er ein Seil gefunden hatte, gelang ihm die Selbstbefreiung. Die Ernährung in dieser Zeit war minimal. Wie 20 Minuten berichtet, musste der Bergführer Eis kauen, um den Flüssigkeitsbedarf zu decken, was laut seinen Angaben schmerzhaft für die Zähne war. In seinen Taschen fand er lediglich kleine Mengen an Schokolade und Snacks, die er in Wasser tauchte, um sie essbar zu machen. „Ich dachte nicht, dass ich lebend herauskommen würde. Ich dachte, ich würde so sterben.“ Dawa Sherpa, via BBC (Nepalesische Version) Dass ein Mensch ohne zusätzliche Sauerstoffflaschen und nahezu ohne Nahrung mehrere Tage in diesen Höhen überlebt, widerspricht den gängigen statistischen Wahrscheinlichkeiten. Es zeugt von einer außergewöhnlichen physischen Konstitution und einem unbedingten Überlebenswillen.

Ein Zufallsfund durch das Müllmanagement-Team

Seit einer Woche am Mount Everest vermisster Sherpa-Bergführer lebend gefunden
Die Rettung war kein Ergebnis einer gezielten Suchaktion, sondern ein Zufall. Am Donnerstagmorgen, dem 4. Juni, wurde Sherpa in der Nähe des Basislagers entdeckt. Die Retter waren Mitarbeiter des Sagarmatha Pollution Control Committee (SPCC), die im Bereich des Khumbu-Gletschers Müll sammelten und die Route für die Saison vorbereiteten. Der Zustand des Bergführers war kritisch. Er war völlig entkräftet, sprach nur langsam und litt an schweren Erfrierungen an Händen und Füßen. Zeugen berichten, dass er den Berg buchstäblich hinuntergekrochen war, um das Basislager zu erreichen.
  • Fundort: Nähe des Khumbu-Eisbruchs, unmittelbar oberhalb des Basislagers (5.364 m).
  • Zustand bei Fund: Bewusstseinsfähig, aber stark geschwächt, ohne Bergstiefel und mit beschädigter Kleidung.
  • Medizinische Versorgung: Per Hubschrauber nach Kathmandu geflogen, Behandlung auf der Intensivstation wegen Erfrierungen und Prellungen.
Die Tatsache, dass er den berüchtigten Khumbu-Eisbruch allein bewältigte, während die Route bereits weitgehend abgebaut worden war, wird von Beobachtern als Wunder eingestuft.

Versagen der Rettungskette und familiäre Verzweiflung

Versagen der Rettungskette und familiäre Verzweiflung
Trotz der spektakulären Rettung werfen die Ereignisse ein Schlaglicht auf die mangelhaften Suchmaßnahmen. Laut Medienberichten wurde erst auf massiven Druck der Familie ein Hubschrauber zur Suche eingesetzt. Die Aktion blieb erfolglos, obwohl Sherpa den Hubschrauber später über sich kreisen sah und versuchte, durch Winken Aufmerksamkeit zu erregen. Die Hoffnungslosigkeit war so groß, dass die Abenteuersport-Website ExplorersWeb, wie Der Standard zitiert, kurz vor dem Fund schrieb: „Es gibt keine Hoffnung für Hillary Dawa Sherpa“ ExplorersWeb, via Der Standard Seine Ehefrau, Damu Sherpa, berichtete, dass die Familie bereits mit Gebeten für seine Seele begonnen hatte. Die Nachricht von seiner Rettung erreichte sie zunächst über Medienberichte; erst durch Fotos konnte sie sicher sein, dass ihr Mann tatsächlich überlebt hatte. Diese Geschichte steht im Schatten einer insgesamt verlustreichen Saison. Laut Rosenheim24 kamen in dieser Everest-Saison mindestens fünf Menschen ums Leben – zwei indische Bergsteiger und drei nepalesische Helfer. Während über tausend Menschen den Gipfel erreichten, bleibt der Fall von Hillary Dawa Sherpa als eine der außergewöhnlichsten Überlebensgeschichten der jüngeren Geschichte des höchsten Berges der Welt zurück.
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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