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Unternehmen

EQT bietet 9,6 Milliarden € für Qiagen

Der schwedische Finanzinvestor EQT hat den Weg für eine Übernahme des deutsch-niederländischen Diagnostik-Spezialisten Qiagen freigemacht. Nach monatelangen Spekulationen bietet eine EQT-Holdinggesellschaft 46,50 Euro je Aktie in bar. Die Transaktion bewertet das im Dax gelistete Unternehmen einschließlich Schulden mit rund 10,8 Milliarden Euro.

Das Angebot von EQT und die Beteiligten

Der schwedische Finanzinvestor EQT AB hat den Kauf von Qiagen für rund 9,6 Milliarden Euro ausgehandelt. Über die Holdinggesellschaft Crown NL Bidco B.V., die indirekt von einem EQT-Fonds kontrolliert wird, legt der Bieter allen Aktionären ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot vor. Das Angebot liegt bei EUR 46,50 je Aktie in bar.

An der vollen Barfinanzierung beteiligen sich prominente Co-Investoren, wie Michael Bauer als Leiter des weltweiten Healthcare-Geschäfts bei EQT hervorhob, der von einer wegweisenden Transaktion sprach. Die Abu Dhabi Investment Authority und das Canada Pension Plan Investment Board sind im Boot. Damit stemmt das Konsortium eine der grössten Transaktionen im europäischen Gesundheitssektor in diesem Jahr. In den vergangenen Monaten hatte EQT im Rahmen einer intensiven Phase von Übernahmeaktivitäten bereits mehrere milliardenschwere Transaktionen abgewickelt, darunter den Zukauf des australischen Unternehmens Cleanaway Waste Management für 9,3 Milliarden australische Dollar sowie im Sommer die Vereinbarung zur Übernahme des in Großbritannien börsennotierten Produkttestunternehmens Intertek für 9,3 Milliarden Pfund beziehungsweise 11,8 Milliarden Euro.

EQT bietet 9,6 Milliarden € für Qiagen
Foto: boerse.de

Bewertung und Prämie im historischen Vergleich

Der gebotene Preis spiegelt erhebliche Aufchläge gegenüber den Kursen vor den Spekulationen wider. Juli 2026 sowie einem Aufschlag gegenüber dem letzten Handelstag vor der Veröffentlichung von Marktberichten über das Übernahmeinteresse von Private-Equity-Gesellschaften. Am Dienstag war die Qiagen-Aktie im Xetra-Handel mit einem Kursplus von 3,8 Prozent auf 42,83 Euro Spitzenreiter unter den Gewinnern im Leitindex Dax, während das Unternehmen an der Börse mehr als 8,5 Milliarden Euro wert war und nach entsprechenden Berichten bis auf 44,45 Euro beziehungsweise im New Yorker Handel um 2,3 Prozent auf 50 Dollar oder 44,51 Euro anzog.

Die Bewertung erinnert an frühere Übernahmeversuche, die am Widerstand der Aktionäre gescheitert waren. Im Jahr 2020 hatte der US-Konzern Thermo Fisher 11,3 Milliarden beziehungsweise 12 Milliarden Dollar geboten. Damals profitierte Qiagen als begehrtes Übernahmeziel und wichtiger Testanbieter massiv von der besonderen Nachfrage nach seinen PCR-Tests während der Corona-Pandemie, weshalb Aktionäre das Angebot als zu niedrig ablehnten und die Offerte schließlich die erforderliche Schwelle verfehlte, nachdem der Widerstand eines aktivistischen Investors zum Aufgeben des Versuchs führte.

EQT bietet 9,6 Milliarden € für Qiagen
Foto: trend.at

Der Weg zum Entschluss im Aufsichtsrat

Vor der Einigung mit EQT gab es im Bieterfeld harte Konkurrenz. EQT stach mit seiner Offerte unter anderem den US-Rivalen KKR aus, der ebenfalls ein Angebot vorgelegt hatte, während der in der Schweiz ansässige, zu den 25 größten Anteilseignern von Qiagen gehörende Investor PSquared Asset Management einen Abschluss zu mehr als 50 Dollar je Aktie sehen wollte. Auch andere Namen wie der US-Wettbewerber Bio-Rad Laboratories, der US-Diagnostikspezialist Quidel und der französische Rivale Bio Mérieux wurden in den Vorjahren sowie aktuell als mögliche Interessenten und Partner für einen Zusammenschluss gehandelt, ohne dass diese Beratungen zu einer Transaktion führten.

Sowohl der Vorstand als auch der Aufsichtsrat von Qiagen bewerteten die Lage, tagten zu der Frage und stimmten dem Unternehmenszusammenschluss beziehungsweise der Vereinbarung einstimmig zu. Die Beratungen waren zuvor Gegenstand von Spekulationen und Berichten des Finanzdatendienstleisters Bloomberg und der F.A.Z., wonach Qiagen Goldman Sachs für einen Verkauf mandatiert hatte und EQT als Bieter von Morgan Stanley unterstützt wurde. Die Suche nach strategischen Optionen sollte ursprünglich unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Jonathan Pratt weitergeführt werden, der sein Amt als Nachfolger von Thierry Bernard Anfang September angetreten hatte, während für den 6. November eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen wurde, auf der über die Berufung des neuen Vorstandsvorsitzenden und die Entlastung seines Vorgängers abgestimmt werden soll.

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Foto: manager-magazin.de

Zukunftsaussichten und Zeitplan für das Unternehmen

Qiagen N.V. hat seine Hauptbüros im niederländischen Venlo (Hulsterweg 82, 5912 PL Venlo, Niederlande) beziehungsweise in Hilden und ist an der Frankfurter Wertpapierbörse im regulierten Markt (Prime Standard) sowie an der NYSE notiert. Das Unternehmen bietet Technologien und Lösungen zur Aufbereitung und Analyse biologischer Proben sowie der darin enthaltenen DNA, RNA und Proteine an, wobei zu den Kunden Forschungs- und Entwicklungsteams von Pharma- und Biotechnologieunternehmen, klinische Labore sowie die Forensik zählen und rund 5500 Mitarbeiter an über 35 Standorten weltweit beschäftigt werden.

Das Übernahmeangebot wird unter anderem nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere dem WpÜG, bestimmten anwendbaren Vorschriften des Rechts der Niederlanden sowie bestimmten anwendbaren Vorschriften des Wertpapierrechts der Vereinigten Staaten von Amerika abgegeben und durchgeführt. Für den Fall, dass der Vollzug nicht innerhalb von zehn Monaten nach Veröffentlichung der Bekanntmachung erfolgt, weil erforderliche behördliche Genehmigungen noch ausstehen, kann Qiagen nach Maßgabe der Vereinbarung eine Zwischendividende von bis zu USD 0,47 je Aktie beschließen, die nicht auf den Angebotspreis angerechnet wird.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

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