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Energydrinks mit zu viel Koffein: 10 von 27 Produkten überschreiten Grenzwert

Eine Untersuchung von SRF Investigativ deckte auf, dass 10 von 27 getesteten Energydrinks in der Schweiz den gesetzlichen Koffein-Grenzwert von 160 Milligramm pro halben Liter überschreiten. Besonders betroffen sind Produkte in Onlineshops und spezialisierten Handelsgeschäften, wobei einige Getränke mehr als das Doppelte der erlaubten Menge enthalten.

Überhöhte Koffeinwerte bei populären Marken

Grenzwertüberschreitungen bei Monster und Snowman

In der Schweiz ist die gesetzliche Lage eindeutig: Ein halber Liter Energydrink darf maximal 160 Milligramm Koffein enthalten, was laut Lebensmittelrecht einer Tagesration entspricht. Eine SRF-Untersuchung zeigt jedoch, dass diese Grenze bei fast 40 Prozent der getesteten Produkte ignoriert wird.

Während 17 der 27 untersuchten Getränke den Vorgaben entsprachen, wiesen zehn Produkte deutlich höhere Werte auf. Besonders extrem schnitt die Marke Monster Energy ab. Das Produkt Java Triple Shot Mocha – in anderen Berichten auch als Killer Brew Loca Moca bezeichnet – enthielt laut Laboranalyse über 338 Milligramm Koffein. Damit liegt das Getränk bei mehr als dem Doppelten des erlaubten Grenzwerts.

Neben dem Spitzenreiter gibt es eine ganze Reihe weiterer Marken, die im illegalen Bereich operieren:

Marke / Produkt Koffeingehalt (pro 500 ml) Abweichung vom Grenzwert
Monster (Java Triple Shot / Killer Brew) Über 338 mg + 178 mg
Monster, Playboy Energy, Ghost 200 mg + 40 mg
Snowman (Grape Boost, Bubble Gum, Apple) 180 mg + 20 mg

Eine Ausnahme besteht lediglich für Sport-Drinks, die bei spezieller Deklaration bis zu 200 Milligramm enthalten dürfen. Viele der getesteten Dosen überschreiten diese Werte jedoch ohne entsprechende Hinweise.

Regulierungslücken im Online-Handel

Regulierungslücken im Online-Handel
cluster (priority): Nau

Die Lücke zwischen Grossverteilern und Onlineshops

Die Untersuchung offenbart ein massives Gefälle in der Einhaltung der Vorschriften. Schweizer Grossverteiler hielten sich in der Stichprobe ausnahmslos an die Vorgaben des Bundes. Die problematischen Produkte stammten stattdessen ausschliesslich aus Onlineshops und dem spezialisierten Importhandel.

Die Reporter von SRF Investigativ kauften die Getränke in Schaffhausen, Zürich, Burgdorf und Lyssach sowie über digitale Plattformen. Dabei fielen nicht nur die Koffeinwerte auf, sondern auch die Kennzeichnung: Einige Dosen waren ausschliesslich auf Japanisch oder Arabisch beschriftet, was in der Schweiz nicht zulässig ist. Dies deutet darauf hin, dass Importe aus aller Welt ohne ausreichende Qualitäts- und Rechtskontrolle in den Schweizer Markt gelangen.

Gefahren für junge Konsumenten

#36: Kaffee, Tee & Energy Drinks: Koffein, Gerbstoffe, Taurin & Süßstoffe – was es mit uns macht?

Gesundheitsrisiken und die Zielgruppe Jugendlicher

Die Vermarktung dieser hochdosierten Getränke zielt laut Experten gezielt auf Kinder und Jugendliche ab. Die Zahlen sind alarmierend: SRF berichtet, dass laut einer Erhebung des Bundes jeder fünfte Schweizer Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren mindestens einen Energydrink pro Woche konsumiert. Eine europäische Studie mit über 52.000 Teilnehmern aus 16 Ländern bestätigt, dass Jugendliche den grössten Teil der Konsumenten ausmachen.

Die gesundheitlichen Folgen einer Überdosierung sind nicht zu unterschätzen. Zu den Nebenwirkungen gehören:

  • Herzrasen
  • Schlafstörungen
  • Starke Nervosität
  • Hyperaktivität und Schweissausbrüche

Ein Beispiel für die extreme Nutzung ist der 29-jährige Nicolas, ein ehemaliger leidenschaftlicher Gamer, der Energydrinks nutzte, um bei Spiele-Releases so lange wie möglich wach zu bleiben. Er beschreibt sich selbst als süchtig und gab an, in Spitzenzeiten das Zwölffache der täglichen Koffeinration zu konsumieren – zeitweise bis zu sechs Liter pro Tag.

Rechtliche Bewertung und behördliche Massnahmen

Rechtliche Bewertung und behördliche Massnahmen
cluster (priority): news.google.com

Rechtliche Konsequenzen und der Vorwurf des unlauteren Wettbewerbs

Die rechtliche Bewertung der Situation ist eindeutig. Pascal Pichonnaz, Professor für Privatrecht an der Universität Freiburg und ehemaliger Präsident der Eidgenössischen Kommission für Konsumentenfragen, sieht keinen Spielraum für Diskussionen.

Diese zehn Energydrinks dürfen so nicht im Handel sein.
Pascal Pichonnaz, Professor für Privatrecht, via Nau

Besonders kritisch bewertet Pichonnaz die falsche Deklaration. Im Fall der Monster-Dose, die mit 300 Milligramm angegeben war, im Labor jedoch über 338 Milligramm aufwies, liegt laut dem Rechtsexperten ein Verstoss gegen das Bundesgesetz gegen unlauteren Wettbewerb vor.

Die Behörden haben bereits reagiert: Das Kantonslabor Zug hat für entsprechende Produkte bereits einen Rückruf gestartet. Angesichts der Tatsache, dass im vergangenen Jahr über 40 Millionen Liter Energydrinks in die Schweiz importiert wurden, fordern Experten nun weitreichendere Massnahmen der Behörden, um die Kontrolle insbesondere im Online-Handel zu verschärfen.

Die Diskrepanz zwischen den streng kontrollierten Regalen der Grossverteiler und dem unregulierten Importmarkt schafft ein gefährliches Umfeld für junge Konsumenten. Solange die Überwachung von Onlineshops lückenhaft bleibt, werden hochdosierte Koffeinbomben weiterhin einen Weg in die Haushalte finden, ohne dass die Käufer die tatsächlichen Gesundheitsrisiken oder die Illegalität der Produkte erkennen.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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