Elfriede Jelineks neues Stück „Ein Übertritt (Alles auf Ende) wurde am 22. Oktober 2026 unter der Regie von Jossi Wieler am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt. Das Werk verbindet das 80-jährige Jubiläum des Kriegsende mit aktuellen gesellschaftlichen Ängsten, einer dystopischen Kleinstadtszenerie und Darstellungen untoter Wiedergänger.
Uraufführung im Düsseldorfer Schauspielhaus
Am 22. Oktober 2026 fand am Düsseldorfer Schauspielhaus die Premiere von Elfriede Jelineks Textfläche Ein Übertritt (Alles auf Ende)
statt. Regisseur Jossi Wieler inszenierte das Werk zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 81 Jahren. Die Produktion folgt auf eine Reihe früherer Zusammenarbeiten des Regisseurs mit der österreichischen Autorin, darunter die Inszenierung von Angabe der Person
im Jahr 2022 am Deutschen Theater Berlin.
Inszenierung und Figuren auf der Bühne
Jelineks Text enthält keine klassische Handlung mit verteilten Personen, sondern bildet ein monolithisches Sprachgewebe. Regisseur Jossi Wieler und Dramaturg Victor Schlothauer teilten das Material auf vier Figuren auf, die als Untote, Ewiggestrige oder neurechte Geschichtsschmarotzer auf der Bühne agieren.
Ole Lagerpusch, Stefan Hunstein und Dominik Dos-Reis verkörpern die sogenannten Übertreter
mit körperlichen Einschränkungen und bandagierten, teils unkenntlichen Köpfen, die an Kriegsversehrte oder Zombies erinnern. Dominik Dos-Reis trägt einen blauen Trainingsanzug mit Springerstiefeln. Katja Bürkle agiert in einem orangen Warnwesten-Overall als Warnerin oder Gedichterin
, die nach Antworten auf den Zustand der Gesellschaft sucht.
Unsere leeren Leinen hängen noch am Führer.
Der Text greift leitmotivisch die Vorstellung des Menschen als böses Tier auf, das nach Führung verlangt. Neben Bezügen zur nationalsozialistischen Vergangenheit fließen kulturpessimistische Diagnosen über Geflüchtete und den Umgang mit modernen Medien ein, wie Kritiker anmerken.
Rezeption und Einordnung der Düsseldorfer Premiere
Die Reaktionen auf die Aufführung fielen unterschiedlich aus. Während die Arbeit von Anna Viebrock an Bühnenbild und Kostümen auf Anerkennung stieß, wurde die Umsetzung des Textes von Beobachtern teilweise kritisiert. So merkte die Kritik an, dass sich die Leitmotive in redundanten Aussagen erschöpfen und das Stück über weite Strecken als starres Aufsage-Theater wirkt.
Gleichzeitig verweist die Berichterstattung darauf, dass das Stück in einer Zeit uraufgeführt wurde, in der Fragen zu Antisemitismus, völkischen Parolen und der Gefährdung der langen Friedensphase neu verhandelt werden. Die Inszenierung steht am Beginn der Intendanz von Andreas Karlaganis, der die Nachfolge von Wilfried Schulz am Düsseldorfer Haus angetreten hat.