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Ein kenianisches Gericht hat den Sektenführer Paul Mackenzie und 28 Mitangeklagte des Mordes an 191

Ein kenianisches Gericht hat den Sektenführer Paul Mackenzie und 28 Mitangeklagte des Mordes an 191 Menschen für schuldig gesprochen. Fast alle Opfer waren Kinder, die auf Anweisung des selbsternannten Predigers im Shakahola-Wald verhungern sollten, um Jesus zu begegnen.

Das Gericht in Mombasa fällte das Urteil gegen den Anführer der sogenannten Hungersekte nach einer stundenlangen Verlesung. Richterin Diana Kavedza-Mochache stellte fest, dass Mackenzie und seine Mittäter eine strukturierte Hierarchie des Todes betrieben hatten. Von den 191 konkreten Todesfällen, die im aktuellen Verfahren verhandelt wurden, waren 190 Opfer Kinder und eines ein Erwachsener. Während der achtstündigen Urteilsverkündung in der Hafenstadt Mombasa erklärte Richterin Diana Mochache, dass die Anhänger den Beschuldigten für den Sprecher Jesu gehalten hatten. Während der leitende Staatsanwalt Renson Ingonga seine Zuversicht äußerte, dass diese ersten Schuldsprüche den Opfern und deren Angehörigen einen gangbaren Weg zur Gerechtigkeit eröffnen, wertete die Richterin die Taten als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Mackenzie selbst war im Gericht anwesend. Gerichtsdokumente beschreiben die im Jahr 2003 von dem ehemaligen Taxifahrer gegründeten «Internationalen Priestertümer der Guten Botschaften» oder «Good News International Church» als eine organisierte kriminelle Vereinigung. Diese Bewegung hatte über die Jahre Tausende Anhänger in ganz Kenia gewonnen, wobei seine Gemeinde auch einen Fernsehsender namens «Times TV» betrieb, der seine Predigten aus der Kirche in Malindi ausstrahlte. Bekannt wurde das Martyrium der Anhänger Mitte März 2023, nachdem ein ortsansässiger Mann die Polizei informiert hatte, dass sein Bruder samt Ehefrau ihre Kinder auf Befehl Mackenzies im Wald dem Hungertod überlassen hätten. Ein ehemaliges Sektenmitglied schilderte die Logik des Predigers derart, dass die Kleinen zuerst unter der Sonne sterben sollten, um ihren Eltern ins Paradies vorauszugehen.

Das System des Hungers im Shakahola-Wald

Monatelang hatte nach Angaben von Berichten jemand in dem Wald Gräber ausgehoben und die Spuren anschließend beseitigt, indem die Erde eingeebnet und Sträucher darauf gepflanzt wurden. Im Laufe der Durchsuchungen bargen die Behörden mehr als 400 Leichen. Forensische Untersuchungen und Autopsien ergaben, dass die Mehrzahl der Toten an Hunger starb, während andere Opfer Spuren von Ersticken, Erwürgen und schweren Kopfverletzungen aufwiesen. Von einigen der untersuchten menschlichen Überreste waren nach Angaben der forensischen Experten bereits nur noch Knochen übrig.

Kenia: Gericht spricht Paul Mackenzie des Mordes schuldig #Nachrichten #Kenia #Mombasa #Gericht

Mackenzies radikale Weltuntergangslehre verbot jegliche Schulbildung und stufte moderne Medizin als böse und satanisch ein. Wachleute rund um diese Dörfer des Kultes im Shakahola-Wald oblag es, Flüchtende zurückzubringen und gewaltsam zu bestrafen, wodurch ein regelrechtes Gewaltregime herrschte. Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft war das Fasten in strikte Phasen gegliedert: Zuerst mussten die Kinder sterben, gefolgt von Frauen und jungen Männern, während die übrigen Männer das Ende bildeten. Ungeachtet der Tatsache, dass zahlreiche Anhänger aus anderen Landesteilen stammten, ließen sich unter den sterblichen Überresten auch Personen identifizieren, die den Anwohnern durchaus geläufig waren; so begaben sich Gemeindemitglieder regelmäßig in die benachbarte Ortschaft Shakahola, um dort Proviant zu besorgen und sich mit Wasser aus dem dortigen Galana-Fluss zu versorgen. Für den Fall des heute 23-jährigen Peter Shukrani zeigte sich die extreme Auswirkung dieser Lehren, da ihm im Zuge seiner Erkrankung lebenswichtige Medikamente vorenthalten wurden und seine Mutter alle Arzneien wegwarf, weil sie glaubte, dass nur Gott ihn heilen könne. Shukrani, der im März 2023 aus dem Shakahola-Wald gerettet wurde, äußerte dennoch, dass er Mackenzie nach wie vor liebt und er weiterhin sein Pastor sei.

Reaktionen der Angehörigen und der Justiz

Zu der Urteilsverkündung erschienen auch Angehörige der Opfer. Francis Wanje, der acht Familienmitglieder beklagt, betonte die Bedeutung des Tages für die Öffentlichkeit:.

Kenya Starvation Cult Leader Paul Mackenzie Found Guilty of Murdering 190 Children

Der leitende Staatsanwalt Renson Ingonga bezeichnete das Verbrechen als das schlimmste Massaker in der Geschichte Kenias. Die 28 Mitangeklagten plädierten im gesamten Verfahren auf nicht schuldig und erklärten, niemand sei zum Sterben gezwungen worden.

Anstehende Strafmaßverkündung und laufende Verfahren

Das Strafmaß für Paul Mackenzie und die verurteilten Mitglieder wird am 6. November verkündet. Der Verteidiger Lawrence Obonyo kündigte an, im Auftrag seiner Mandanten Berufung einzulegen.

Ein kenianisches Gericht hat den Sektenführer Paul Mackenzie und 28 Mitangeklagte des Mordes an 191
Foto: Spiegel

Für den selbsternannten Pastor und seine Mitstreiter ist das aktuelle Verfahren jedoch nicht der einzige juristische Konflikt. Gegen die Verantwortlichen laufen weitere Anklagen, die unter anderem Terrorismusvorwürfe, Radikalisierung sowie den Entzug des Schulbesuchs für minderjährige Kinder umfassen.

Shakahola Cult Case: Victims' Relative Welcomes Paul Mackenzie's Murder Conviction in Kenya | APT
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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