In der Demokratischen Republik Kongo hat sich die Ebola-Epidemie seit Mai 2026 rasant ausgebreitet und über 4.000 Todesfälle gefordert. UN-Vertreter warnen vor einem exponentiellen Verlauf, während Gewalt, tiefes Misstrauen und Angriffe auf medizinische Einrichtungen die Hilfsmaßnahmen im Osten des Landes massiv erschweren.
Warum verläuft die Ebola-Welle im Ostkongo so extrem schnell?
Die aktuellen Infektionszahlen steigen in einem besorgniserregenden Tempo. Alle 30 Minuten stirbt ein Mensch im Osten der Demokratischen Republik Kongo, wie die Auswertung aktueller Berichte zeigt. Damals infizierten sich 28.600 Menschen in den westafrikanischen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone mit Ebola, während die aktuelle Epidemie im Ostkongo eine beispiellose Dynamik aufweist.
Die Vereinten Nationen schlagen Alarm. Wir dürfen nicht zulassen, dass uns diese Epidemie davonrennt
, warnte Tom Fletcher, Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen, angesichts des explosionsartigen Infektionsgeschehens.

Wir dürfen nicht zulassen, dass uns diese Epidemie davonrennt.
Tom Fletcher, Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen
Wie stark sind die Provinzen von der Krise betroffen?
Das Epizentrum der aktuellen Katastrophe liegt im Osten des Landes, wo die sanitäre Lage und die Sicherheitslage dramatisch ineinandergreifen. Nach Angaben von Riffreporter hat die Epidemie inzwischen sieben Provinzen durchdrungen und ist damit die zweitgrößte dokumentierte Ebola-Welle in der Geschichte. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Ministerium für öffentliche Gesundheit der Demokratischen Republik Kongo dokumentieren die Ausweitung, die ursprünglich auf die Gesundheitszone Mongbwalu in der Provinz Ituri begrenzt war und sich inzwischen auf 54 Gesundheitszonen in sechs beziehungsweise sieben Provinzen – darunter Ituri, Nord-Kivu, Süd-Kivu, Haut-Uélé, Tshopo und Bas-Uélé – erstreckt. Die Zahl der Todesfälle stieg auf insgesamt 2.186, während mindestens 986 Patienten als geheilt entlassen wurden.
In der Stadt Bunia, der Hauptstadt der nordöstlichen Provinz Ituri, versucht medizinisches Personal unter extremen Bedingungen, die Ansteckungskette zu unterbrechen. Dennoch zeigt sich in kleineren Ortschaften wie Mangala, wie verheerend sich Verzögerungen auswirken. Hilfsstrukturen erreichten die Region laut erst im August ihren operativen Schwung, obwohl der gesundheitliche Notstand bereits im May ausgerufen worden war. Zu den Opfern dieser monatelangen Verzögerung gehört auch der siebenjährige Josué Ddirokpa.
Welche Rolle spielen Gewalt und Angriffe auf Hilfszentren?
Nicht nur das Virus selbst bedroht die Bevölkerung, sondern auch anhaltende Konflikte, Gewalt, Vertreibung, Korruption und tiefes Misstrauen gegenüber staatlicher Autorität. Das Lager, das zuletzt rund 19.000 Menschen beherbergt hatte, ist infolge der Intervention inzwischen völlig verwaist.
Berichten zufolge flohen die Bewohner nach Interventionen der Armee auf der Suche nach vermeintlichen Milizen aus dem Zentrum, in dem Verdachtsfälle Aufnahme und Erstversorgung erhalten hatten. Die Zerstörung eines solchen Behandlungsstützpunkts zeigt, wie prekär die Hilfe vor Ort aktuell ist, während medizinisches Personal mit Babys auf dem Arm in Ebola-Behandlungszentren in Bunia und anderen Krisenregionen unter extremen Sicherheitsrisiken arbeitet.
Gibt es Hoffnung auf eine Entspannung der Lage?
Trotz der katastrophalen Bedingungen und des tiefen Misstrauens gegenüber staatlichen Institutionen gibt es vereinzelte Anzeichen für eine Stabilisierung. Jüngste Daten deuten darauf hin, dass die Zahl der Neuinfektionen vorübergehend abflacht. Teams von Hygienefachkräften arbeiten in Bunia unermüdlich weiter, um die Ausbreitung einzudämmen.
Die WHO weist darauf hin, dass die Bekämpfung neben der raschen Fallidentifikation, Isolierung, Kontaktverfolgung und sicheren Bestattungen auch auf eine starke Einbindung der Gemeinschaft angewiesen ist, da für das Bundibugyo-Virus derzeit keine zugelassenen Impfstoffe oder spezifischen Behandlungen existieren. Zur Erprobung neuer Ansätze hat am 2. Juli eine klinische Studie namens PARTNERS begonnen, die inzwischen in drei verschiedenen klinischen Managementeinrichtungen in der Provinz Ituri geöffnet ist und bereits über 100 bestätigte Fälle eingeschlossen hat.