Wegen anhaltender Trockenheit droht der Bündner Gemeinde Domleschg in den Ortsteilen Feldis und Scheid das Trinkwasser auszugehen. Die Gemeindeverwaltung plant ab Ende Oktober beziehungsweise November den Transport von Wasser per Lastwagen aus dem Tal, nachdem die Quellschüttungen historische Tiefststände erreicht haben.
Die Bündner Bergdörfer stehen vor einer logistischen Notlage. Seit Mitte Juni geht die Quellschüttung in Feldis und Scheid kontinuierlich zurück, bis im August schließlich die jemals gemessene Minimalmenge unterschritten wurde gemäß Angaben der Gemeindeverwaltung. Aus den Dorfbrunnen fließt bereits seit Wochen kein Wasser mehr. Nach aktuellen Berechnungen reicht der verbleibende Wasservorrat in Feldis noch bis Anfang November, während in Scheid der Bedarf bis voraussichtlich Mitte Dezember oder Ende November gedeckt werden kann laut Berichten des Schweizer Fernsehens.
Trinkwassertransporte als Notlösung mit Lkw
Um die Versorgung der rund 150 Einwohnerinnen und Einwohner sowie der kommenden Gäste aufrechtzuerhalten, greift die Gemeinde zu einer in dieser Region noch nie dagewesenen Maßnahme. Die Verwaltung mietet einen Lastwagen sowie zwei Trinkwassersilos an, die bei den Reservoirs aufgestellt werden berichtet das Portal Nau.
Pro Fahrt können rund 25’000 Liter Wasser aus dem Tal in die Bergdörfer transportiert werden. Im absoluten Notfall lässt sich das Wassernetz mit sechs bis acht Fahrten täglich stützen, wie Gemeindepräsident Pius Giger an einer Informationsveranstaltung erklärte wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA meldet. Der normale Tagesverbrauch liegt in Scheid bei rund 50 bis 60 Kubikmetern und in Feldis bei etwa 60 Kubikmetern.

Sparappelle und strenge Auflagen für die Bevölkerung
Bereits im Vorfeld der Lkw-Notversorgung hat die Gemeinde drastische Einschränkungen erlassen, um den Verbrauch zu drosseln. Das Befüllen von Schwimmbecken, das Bewässern von Grünflächen sowie das Waschen von Fahrzeugen und Terrassen sind untersagt berichtet das Portal Watson. Zudem wird die Bevölkerung gebeten, kurz zu duschen statt zu baden, die Spartaste bei den WC-Spülungen zu nutzen und Wasch- sowie Geschirrspüler ausschließlich voll belaufen zu lassen. Zusätzlich empfiehlt die Verwaltung jedem Haushalt, einen Trinkwasservorrat für drei Tage anzulegen.
An einer gut besuchten Informationsveranstaltung im Feldiser Schulhaus informierten sich rund 100 Personen über die Pläne berichtet die Südostschweiz. Viele Anwesende zeigten Verständnis für die Sparappelle, äußerten jedoch Sorge darüber, ob sich auch Feriengäste an die Vorgaben halten werden berichtet SRF. Besonders über die Festtage steigt der Bedarf in Feldis massiv an, da durch Touristen der tägliche Verbrauch auf rund 200 Kubikmeter anwächst – mehr als das Dreifache des üblichen Bedarfs. Für diese zwei Wochen muss die Gemeinde einen zweiten Lastwagen samt Chauffeur hinzuziehen.

Strukturelle Probleme im Schweizer Wasserschloss
Der Fall in Domleschg wirft landesweit Fragen zur Stabilität der Trinkwasserversorgung auf. Laut Christos Bräunle, Mediensprecher des Fachverbands für Wasser, Gas und Wärme (SVGW), reagieren Quellfassungen in Bergregionen deutlich schneller auf Trockenheit als Grundwasser im Mittelland erklärt der SVGW-Sprecher gegenüber blue News. Zwar stehe in der Schweiz insgesamt genügend Wasser zur Verfügung, doch die dezentrale Struktur mit über 2’400 meist kleinen Wasserversorgungen gerät zunehmend an Grenzen.
Zusätzlich müssen immer mehr Quellfassungen wegen zu nahe anliegender Straßen, Siedlungen oder Belastungen durch Chemikalien wie Pestizidrückstände und PFAS aufgegeben werden, da eine Aufbereitung für kleine Betreiber zu teuer ist berichtet blue News weiter.
Bis jetzt war immer vom Wasserschloss Schweiz und insbesondere Graubünden die Rede und jetzt sagen die Behörden plötzlich, dass das Wasser knapp wird.
Pius Giger, Gemeindepräsident von Domleschg
Finanzielle Aussichten und Sanierung im Frühling
Die Kosten für die Transporte bezeichnet Gemeindepräsident Giger als verhältnismäßig moderat. Da die Gemeinde einen Mitarbeiter beschäftigt, der im Besitz der Lastwagenprüfung ist, entfallen externe Chauffeurkosten für die Standardfahrten erklärt die Gemeindeführung. Genaue finanzielle Gesamtzahlen will die Verwaltung nach Abschluss aller laufenden Abklärungen kommunizieren.
Die Notlösung mit den Wassertanks soll die Versorgung bis zum Frühling sicherstellen. Für diesen Zeitraum ist eine umfassende Sanierung der betroffenen Quellfassung geplant bestätigt der Bericht von Nau.
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