Ein perfekter Start in die WM-Qualifikation, doch ein bitterer Beigeschmack im Max-Morlock-Stadion. Die deutschen Frauen marschieren mit einem 5:1-Sieg gegen Österreich ungestoppt Richtung Brasilien, doch der Jubel über den dritten Erfolg in Folge wird durch die Sorgen um Kapitänin Giulia Gwinn gedämpft. Während das Team unter Christian Wück spielerisch eine Dominanz ausstrahlt, die fast schon beängstigend wirkt, hinterlässt ein harter Sturz der Anführerin eine Ungewissheit, die über das Ergebnis eines einzelnen Abends hinausreicht.
Dominanz mit Geduld: Der Weg zum 5:1
Es war kein glanzvoller Gala-Auftritt wie die Kantersiege gegen Slowenien und Norwegen. Die Österreicherinnen standen tief, fast schon verzweifelt, und machten es der Mannschaft von Christian Wück lange schwer, Lücken in das Abwehrbollwerk zu reißen. Das Spiel war ein Geduldsspiel, bis Nicole Anyomi in der 17. Minute das deadlock brach. Nach einer Ecke von Rebecca Knaak und einem ersten Parade der Torhüterin El Sherif stocherte Anyomi den Ball schließlich über die Linie. Ein klassischer Torfall, der den emotionalen Knoten löste.
Nach dem Seitenwechsel legten die DFB-Frauen einen Zahn zu. Vivien Endemann, die erst am Freitag ihren Wechsel von Wolfsburg zu Liverpool bekannt gab, spitzelte den Ball in der 52. Minute zum 2:0 hinein. Die Partie entwickelte sich zunehmend zu einer Einbahnstraße. Ein Eigentor von Sarah Puntigam in der 68. Minute, eingeleitet durch Sjoeke Nüsken, nahm den Gästen jegliche Hoffnung. Jule Brand belohnte sich in der 76. Minute selbst mit einem Treffer, bevor Lea Schüller in der 83. Minute den Schlusspunkt setzte. Der zwischenzeitliche Ehrentreffer von Chiara D’Angelo in der 77. Minute blieb lediglich eine statistische Randnotiz in einem ansonsten einseitigen Abend.
Der Schockmoment: Gwinn und die Angst um die Schulter
Mitten in die taktische Überlegenheit platzierte sich ein Moment der Härte. Melanie Brunnthaler kam mit einem Foul gegen Giulia Gwinn zu spät. Die Kapitänin landete unglücklich auf der Schulter und schrie vor Schmerz auf. Zwar versuchte Gwinn zunächst, das Spiel fortzusetzen, doch Trainer Wück reagierte schnell. Er nahm sie in der 33. Minute aus Sicherheitsgründen vom Platz und brachte Wamser ins Spiel.
Wück betonte nach dem Spiel, dass weitere Untersuchungen folgen müssen. Für das Team ist dieser Ausfall potenziell schmerzhaft. Gwinn ist nicht nur eine taktische Stütze, sondern das emotionale Zentrum der Mannschaft. Ob sie beim Rückspiel am kommenden Samstag in Ried dabei sein kann, bleibt die große Frage.
Ein Abschied mit Herz: Danke, Sara Däbritz
Bevor der Ball rollte, stand die Emotion im Vordergrund. Sara Däbritz verabschiedete sich aus dem Nationalteam. 111 Einsätze, 18 Tore und eine Karriere, die das deutsche Spiel geprägt hat. Verbandspräsident Bernd Neuendorf und Sportdirektorin Nia Künzer würdigten die 31-Jährige mit Blumen und einer Collage. Dass dieser Abschied nur rund 60 Kilometer von ihrem Geburtsort stattfand, verlieh dem Moment eine besondere Intimität. Der warme Applaus der 24.237 Zuschauer im Stadion war das passende Finale für eine Spielerin, die alles für das Trikot gab.
Wie sieht der weitere Weg zur WM aus?
Die Ausgangslage ist nahezu ideal. Nur der Gruppensieger qualifiziert sich direkt für die Weltmeisterschaft in Brasilien. Mit drei Siegen aus drei Spielen hat Deutschland die Führung in Gruppe 4 gefestigt. Ein weiterer Erfolg im Rückspiel gegen Österreich am Samstag könnte bedeuten, dass das Team bereits ein Jahr vor dem Turnier mit der Qualifikation rechnen darf, sofern die Konkurrenz sich gegenseitig die Punkte abnimmt.
Wann findet das nächste Spiel statt?
Das Rückspiel gegen Österreich findet diesen Samstag statt. Anstoß ist um 18 Uhr, das Spiel wird live auf sportschau.de übertragen.
Welche Auswirkungen hat die Verletzung von Giulia Gwinn?
Kurzfristig könnte die Mannschaft auf ihrer wichtigsten Führungsspielerin verzichten müssen. Da die sportliche Dominanz in der Qualifikation jedoch so hoch ist, dürfte ein kurzzeitiger Ausfall die Qualifikation nicht gefährden. Langfristig ist die Schulterverletzung jedoch ein Risiko für die Abstimmung im Kader vor dem Turnier in Brasilien.
Wie schlägt sich die Konkurrenz in der Gruppe?
Norwegen besiegte Slowenien im zweiten Gruppenspiel ebenfalls deutlich mit 5:0. Österreich hingegen bleibt komplett punktlos und muss nach zwei 0:1-Niederlagen und nun der 5:1-Klatsche gegen Deutschland massiv aufschließen, um überhaupt noch eine Chance auf den Weiterzug zu haben.