Nach der 1:2-Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Ecuador am 26. Juni 2026 ist die Debatte um die Position von Kapitän Joshua Kimmich erneut entbrannt. Bundestrainer Julian Nagelsmann hält an Kimmich als Rechtsverteidiger fest, während Kritiker wie Lothar Matthäus eine sofortige Rückkehr ins zentrale Mittelfeld fordern, bevor die K.o.-Runde beginnt.
Die Ecuador-Niederlage: Warum die Positionsdebatte zurückkehrt
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Es dauerte drei Spiele bei der Weltmeisterschaft 2026, bis die Diskussion über die optimale Rolle von Joshua Kimmich wieder an Fahrt gewann. Auslöser war die sportlich bedeutungslose, aber psychologisch belastende 1:2-Niederlage gegen Ecuador in New Jersey, wie Sportschau berichtet. Die deutsche Elf zeigte insbesondere in der Defensive Lücken, die gegen Ecuador bereits in der vierten Minute deutlich wurden.
Kimmichs größte Schwäche in der Abwehrkette ist laut Analyse die fehlende Geschwindigkeit. Dies wurde bereits beim Spiel gegen die Elfenbeinküste deutlich, als der Ivorer Yan Diomande die defensive Anfälligkeit des Kapitäns ausnutzte. Während ein Mittelfeldspieler in der Regel durch Mitspieler abgesichert wird, steht der Außenverteidiger oft isoliert, was Kimmichs Defizite in der Manndeckung exponiert.
Nagelsmanns taktischer Plan: Der Halbraum und das Pavlovic-Dilemma
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Julian Nagelsmann wehrt sich gegen die Forderung, Kimmich zurück ins Zentrum zu beordern. Seine Argumentation basiert auf der Unterscheidung zwischen Defensivarbeit und Ballbesitz. Laut BILD sieht der Trainer Kimmich im Spielaufbau ohnehin als zentralen Akteur.
„Mit Ball spielt er im Grunde die gleiche Position, die er bei Bayern spielt“
Julian Nagelsmann, Bundestrainer
Kimmich besetze im Angriff den sogenannten Halbraum zwischen Zentrum und Flügel, um zusammen mit Spielern wie Jamal Musiala, Kai Havertz und Leroy Sané Überzahlsituationen zu kreieren. Ein Wechsel in die dauerhafte Doppel-Sechs würde jedoch personelle Konsequenzen haben. Nagelsmann stellt die Frage, was mit Aleksandar Pavlovic geschehen solle, falls Kimmich das Zentrum besetze.
„Was machen wir mit Pavlovic? Ich würde ungern auf ‚Pavlo‘ und Felix (Nmecha) verzichten, denn sie machen es sehr gut.“
Julian Nagelsmann, Bundestrainer
Trotz der Kritik an der Leistung gegen Ecuador bewertet Nagelsmann die Arbeit des Duos Pavlovic und Nmecha als gut und möchte auf keinen der beiden verzichten. Er erinnert zudem daran, dass Kimmich bei der EM 2024 ein Top-Rechtsverteidiger mit den besten Werten des Turniers gewesen sei.
Lothar Matthäus fordert: Kimmich weg von der Abwehrseite
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Nicht jeder teilt die Ansicht des Bundestrainers. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus sieht eine dringende Notwendigkeit für einen Positionswechsel. Wie n-tv berichtet, empfindet Matthäus die Präsenz des Kapitäns auf der rechten Abwehrseite als unzureichend.
„tut ihm einen Gefallen und holt ihn da hinten weg“
Lothar Matthäus, Weltmeister von 1990
Matthäus kritisiert, dass Kimmich von der Rechtsverteidiger-Position aus keinen ausreichenden Einfluss auf das Spiel nehmen könne und die Kommunikation zum offensiven Mittelfeld, etwa zu Florian Wirtz, zu weit weg sei. Er sieht einen massiven Unterschied zwischen der Weltklasse-Leistung Kimmichs beim FC Bayern München und seinem Auftreten in der Nationalmannschaft, wo er oft nur lange Bälle nach vorne schlage, anstatt das Spiel zu dirigieren.
Kimmich selbst reagierte diplomatisch auf die Debatte. Er betonte, dass die Aufstellung einzig und allein in der Entscheidung des Trainers liege und er dort spielen werde, wo er am besten helfen könne.
Das Erbe von 2014 und der Blick auf das Sechzehntelfinale
Die aktuelle Diskussion weckt Erinnerungen an die Weltmeisterschaft 2014. Damals beharrte Joachim Löw darauf, Philipp Lahm im Mittelfeld einzusetzen, bevor er die Entscheidung nach dem Achtelfinale korrigierte und Lahm zurück auf die Außenbahn beorderte. Deutschland wurde schließlich Weltmeister. Diese historische Parallele verstärkt den Druck auf Nagelsmann, im Falle einer stagnierenden Leistung im Mittelfeld ebenfalls einzulenken.
Die Situation wird beim bevorstehenden Sechzehntelfinale am Montag in Foxborough kritisch. Laut Berechnungen der New York Times, auf die Sterne.de verweist, ist Paraguay zu 99 Prozent der Gegner der Deutschen.
Während Nagelsmann betont, dass ein Wechsel „akut nicht geplant“ sei, ließ er eine kleine Hintertür offen: „Im Fußball sollte man nichts ausschließen.“ Ob der Bundestrainer das Risiko eines Positionswechsels eingeht, um die Kontrolle im Zentrum zu erhöhen, oder auf die Stabilität des eingespielten Duos Pavlovic-Nmecha setzt, wird die taktische Weichenstellung für den weiteren Turnierverlauf bestimmen.
Felix Neumann leitet das Sportressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Fussball, internationale Turniere und Leistungssport und verbindet Ergebnisberichterstattung mit analytischem Hintergrund.
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