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Unternehmen

CoreWeave-Aktien stürzen nach Anleihen-Warnsignalen ab

CoreWeave-Aktien stürzten am Mittwoch an der Börse ab, nachdem ein im Internet verbreiteter Chart explodierende Renditen für Anleihen des auf Künstliche Intelligenz spezialisierten Cloud-Anbieters zeigte. Das Unternehmen kämpft mit wachsenden Schuldenlasten von rund 52 Milliarden US-Dollar, während Führungskräfte die Marktreaktion als irrational zurückweisen.

Ein Chart auf X löst den Kurseinbruch aus

Die Talfahrt begann, als ein einzelner Chart über die steigenden Kreditkosten des Unternehmens auf der Plattform X die Runde machte. Daraufhin gaben die Papiere von CoreWeave am Mittwoch nach und schlossen bei rund 65 US-Dollar. Es war der niedrigste Schlusskurs des Unternehmens seit dem 29. Juli.

CoreWeave-Aktien stürzen ab, Anleiherenditen explodieren auf 15 % – Elon Musk reagiert inmitten e…

Im Zentrum der Aufregung standen anleihenbasierte Warnsignale. Die Rendite der unbesicherten Schuldverschreibungen mit Fälligkeit im Jahr 2032 kletterte in die Nähe der Marke von 15 Prozent. Noch im Sommer rentierten die Anleihen bei rund 9 Prozent. Solche Renditen spiegeln nach Einschätzung von Marktbeobachtern keine normalen Marktbedingungen wider, sondern preisen ein echtes Kreditausfallrisiko ein.

Yikes.

Elon Musk, Plattformbesitzer

Der Investor Chamath Palihapitiya hatte die entsprechende Grafik über 1,25 Milliarden US-Dollar an Anleihen veröffentlicht und die Frage aufgeworfen, ob der Boom der KI-Infrastruktur eine private Kreditblase erzeugt. Darauf reagierte der Eigentümer der Plattform, Elon Musk, mit dem kurzen Kommentar Yikes.

Finanzierungsmodell und wachsende Schuldenberge

CoreWeave betreibt ein geschäftliches Fundament, das auf massiver Verschuldung beruht. Das Unternehmen mietet oder kauft in großem Stil Nvidia-Grafikprozessoren ein, um diese an KI-Kunden weiterzureichen. Zwar wächst das operative Geschäft rasant — der Umsatz verdoppelte sich im zweiten Quartal auf 2,58 Milliarden US-Dollar, und das Unternehmen verweist auf einen vertraglich gesicherten Auftragsbestand von 104 Milliarden US-Dollar —, doch die Finanzierung verschlingt gigantische Summen.

Die Gesamtverschuldung einschließlich der Leasingverpflichtungen belief sich Ende Juni auf rund 52 Milliarden US-Dollar, nach etwa 15 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Allein im zweiten Quartal stiegen die Nettozinsaufwendungen auf 640 Millionen US-Dollar, verglichen mit 267 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Im selben Quartal verbuchte das Unternehmen einen Nettoverlust von 626 Millionen US-Dollar. Im weiteren Verlauf des Jahres intensivierte das Unternehmen seine Finanzierungsaktivitäten stark und hat in diesem Jahr bereits mehr als 35 Milliarden US-Dollar aufgenommen. Neben den Anleihen stieg auch die Absicherung gegen Zahlungsausfälle sprunghaft an; Berichten zufolge verdoppelten sich die Kosten für die Absicherung von 10 Millionen US-Dollar Schulden über fünf Jahre fast auf rund 643.000 US-Dollar jährlich. Während das Unternehmen fast seine gesamte Kapazität für das Jahr 2027 bereits verkauft hat, prognostizieren Analysten über die Jahre 2026 bis 2028 hinweg kumulierte negative Free Cashflows in Höhe von 71 Milliarden US-Dollar.

Finanzkennzahl Vorjahreszeitraum Aktueller Stand
Zinsaufwand (Q2) 267 Millionen US-Dollar 640 Millionen US-Dollar
Nettoverlust (Q2) Nicht beziffert 626 Millionen US-Dollar
Gesamtschulden und Leasing Rund 15 Milliarden US-Dollar Etwa 52 Milliarden US-Dollar

Reaktionen von Vorstand und Analysten

Intern reagierte die Führungsebene mit scharfer Kritik an den Marktbewegungen. In einem internen Memo, das Bloomberg vorliegt, bezeichnete CEO Mike Intrator die Vorgänge als irrationale Reaktionen des Marktes.

CoreWeave-Aktien stürzen nach Anleihen-Warnsignalen ab
Foto: Yahoo Finance

Mike Intrator sagte gegenüber Bloomberg: „Wenn man eine neue Art von Technologieunternehmen aufbaut, wird es Phasen geben, in denen der Markt das missversteht und irrational agiert.

Intrator fügte hinzu, dass auch Verzögerungen bei geplanten Börsengängen und Fremdfinanzierungen von Wettbewerbern negativ auf die Stimmung ausstrahlen. Dennoch sehen externe Experten die Lage kritisch. Analyst Gil Luria von D.A. Davidson betonte, dass CoreWeave zu Zinssätzen von etwa 9 Prozent Kredite aufnehme, während die Investitionen schätzungsweise nur rund 1 Prozent abwerfen, wenngleich das Unternehmen langfristig eine Marge von 4 bis 5 Prozent anstrebt. Neben D.A. Davidson äußerten sich auch andere Analysehäuser skeptisch; so senkte HSBC in diesem Monat das Kursziel unter Verweis auf den hohen Finanzierungsbedarf und die steigenden Kapitalkosten, während Bernstein an einem Underperform-Rating festhielt. Auf der Gegenseite halten andere Häuser wie Piper Sandler mit einem Kursziel von 153 US-Dollar und Truist mit 165 US-Dollar an deutlich höheren Erwartungen fest.

Versichererkapital und nächste Meilensteine

Um die Kapitalkosten zu senken, setzt das Management auf neue Finanzierungsquellen. Laut Berichten versucht Mitgründer Brannin McBee, verstärkt auf die riesigen Kapitalreserven zuzugreifen und strebt ein investmentfähiges Kreditrating an, um den Zugang zu praktisch unbegrenzten Mitteln zu erlangen. Die aktuellen Marktbedingungen zeigen jedoch, dass die Anleger vor allem die Last dieser Hebelwirkung kritisch beäugen.

Ob diese Strategie greift, hängt von der Entwicklung der Refinanzierung ab. Marktbeobachter verweisen darauf, dass bei anhaltend hohen Kapitalkosten an den Märkten und einer geringen Eigenkapitalbasis im Vergleich zu den Gesamterpflichtungen von 52 Milliarden US-Dollar wenig Spielraum verbleibt. Sollte die Refinanzierung ins Stocken geraten, könnten die pessimistischen Stimmen am Markt recht behalten.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

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